7 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Hochdruckbrücke trifft Orgelfuge

Konzert mit Wetterexperte Hochdruckbrücke trifft Orgelfuge

Etwa 142000 Euro sind mittlerweile zusammengekommen als Spenden für den Orgelbau in der Marienkirche in Bad Segeberg. Eine gelungene Veranstaltung, die dazu beitrug, war eine Mischung aus Orgelkonzert und Wetter-Seminar mit dem TV-Meteorologen Dr. Meeno Schrader.

Voriger Artikel
Turbulente Sitzung
Nächster Artikel
Keine Sperrung zur Marktzeit

In der Pause gab Dr. Meeno Schrader (rechts) gern Autogramme. Horst Jungjohann aus Bad Segeberg hatte dafür extra ein persönliches Gästebuch mitgebracht.

Quelle: Andrea Hartmann

Bad Segeberg. Wenn man allein mit schönen Veranstaltungen statt mit Geld zum Bau einer neuen Orgel in der Marienkirche beitragen könnte, dann wäre das Vortragskonzert mit Wetterexperte Schrader ein beträchtlicher Anteil gewesen. Informativ, mal launig, mal ernst und musikalisch stellten Schrader, bekannt aus dem NDR-Schleswig-Holstein-Magazin, Manuel Gera, Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, und Jochen Dähn von der Ideengruppe des Segeberger Orgelbauvereins Wissenswertes rund ums Wetter vor. Rund 450 Besucher in der Kirche durften sogar per Smartphone an einem Quiz teilnehmen.

 „Der ist ja genauso sympathisch wie im Fernsehen“ – solche Aussagen über den smarten Schrader waren aus mehreren Sitzreihen zu hören. Er gab sich sehr publikumsnah und verteilte in der Pause mit freundlichen Worten Autogramme. Schrader und Jochen Dähn zeigten sich im Verlauf des zweieinhalbstündigen Abends gut aufeinander eingespielt. Dähn hatte auf einer großen Leinwand per Computer Bilder und Wetterkarten vorbereitet, zu denen Schrader Fragen klärte wie: „Wie entsteht ein Gewitter?“ Über der Nordsee etwa ist die Luft noch warm, kalte Luft strömt ein, ist instabil, Wolken türmen sich auf: „Die schönsten Gewitter gibt es also im Herbst, wenn die Meere noch warm sind“, schwärmte Schrader, während Dähn sich zum Vergnügen des Publikums und mit einem Augenzwinkern mit der Platzierung von Tiefdrucksymbolen auf der Wetterkarte abmühte.

 Wetterphänomene aus allen vier Jahreszeiten stellten Schrader und Dähn auf ähnliche Weise vor. So erläuterte der Wetterfachmann anschaulich, warum es in diesem September so hochsommerlich heiß war: Verantwortlich war eine „Hochdruckbrücke“ von Russland über Polen und Deutschland bis nach Frankreich. „Wunderbar“ sei das gewesen, fand Schrader, der sich als Fan des Sommers bekannte. Unvermeidlich war Dähns Frage: „Wird es weiße Weihnachten geben?“ Das sei die einzige Langzeitprognose, auf die er sich einlasse, betonte Schrader, der gewarnt hatte, Vorhersagen über längere Zeiträume seien Scharlatanerie. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Fest Schnee gebe, liege hierzulande ohnehin unter 30 Prozent, und wenn es bis in den Herbst hinein warm bleibe, sei die Nordsee eine Heizplatte: „Dass es dann an Heiligabend Schnee gibt, ist unwahrscheinlich.“

 Einige Zuhörer hatten in der Pause bemängelt, dass der musikalische Teil, den Organist Gera ausschließlich durch Improvisation auf höchstem Niveau beisteuerte, zu kurz gekommen sei. Doch die Musik, die erklang, war ein Ohrenschmaus. Ob eine an Bach angelehnte barocke Fuge als Vertonung des Frühlings, ein Sommergewitter auf Basis des Liedes „Geh aus, mein Herz“, unterbrochen von donnernden Fortissimo-Läufen, oder ein herbstlicher Regensturm mit eiligen Passagen über einer Melodie, die an Schuberts „Ave Maria“ erinnerte: Manuel Gera brauchte nur ein Stichwort, und seine Musik erklärte die Begriffe auf fantastische Weise. Köstlich auch seine Variationen über das Weihnachtslied „Stille Nacht“, die den Jahreszeiten-Reigen beschlossen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Ein Artikel von
Andrea Hartmann
Segeberger Zeitung

Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3