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Wer schaltete die Polizei ein?

Korruption bei Ausländerbehörde Wer schaltete die Polizei ein?

Die Korruptionsvorwürfe gegen einen Dolmetscher waren dem Kreis Segeberg als Arbeitgeber länger bekannt als bislang vermutet: Ein Mitarbeiter habe das DRK bereits vor der syrischen Familie, die 1500 Euro für eine gemeinsame Unterbringung zahlen sollte, über den schwerwiegenden Verdacht informiert.

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Gülden B. (41) brachte das Verfahren ins Rollen. Ein Segeberger Kreis-Mitarbeiter soll von ihr Geld für die Vermittlung einer Unterkunft für die syrische Familie verlangt haben.

Quelle: Olaf Malzahn

Kiel/Bad Segeberg. „Wir haben nach den Hinweisen unverzüglich selbst Nachforschungen angestellt und zeitnah den Kreis Segeberg als zuständige Behörde und Arbeitgeber des Verdächtigen über die Verdachtsmomente und den eigenen Erkenntnisstand informiert“, sagt Stefan Gerke, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Segeberg. Erst „wenige Tage später“ habe die 34-jährige ehemalige Mitarbeiterin die DRK-Heimleiterin in Schackendorf informiert. Nach Kenntnisstand des DRK seien „unverzüglich kriminalpolizeiliche Ermittlungen eingeleitet worden“, so Gerke.

Nach Informationen unserer Zeitung war dies nicht so. Demnach erfuhr die Polizei erst durch die Strafanzeige der syrischen Familie von den Vorwürfen gegen den Kreis-Dolmetscher. Gegen den 38-Jährigen war bereits 2015 wegen Vorteilsannahme und Bestechlichkeit ermittelt worden. Allerdings hatten Zeugen damals ihre Aussagen zurückgezogen. Gernot Schramm, Sprecher von Landrat Jan-Peter Schröder, will nicht sagen, ob der Kreis die Polizei über die Hinweise des DRK informiert hat. Auch die Frage, ob der betroffene Mitarbeiter noch in der Ausländerbehörde tätig ist oder – wie Gerüchte behaupten – zurzeit freigestellt ist, lässt Schramm unbeantwortet.

DRK weist Anschuldigungen zurück

Mit Nachdruck weist das DRK die Anschuldigungen der 34-jährigen Sprachmittlerin zurück, gekündigt worden zu sein, weil sie der Leiterin der Schackendorfer Unterkunft von den Anschuldigungen gegen den Kreismitarbeiter berichtet hatte. Gerke: „Das Arbeitsverhältnis wurde noch während der Probezeit gekündigt, weil sie die ihr übertragenen Aufgaben nicht in einer Weise erledigte, die notwendig gewesen wäre, um das Arbeitsverhältnis unbefristet fortzusetzen.“ Eine Aussage, auf die die junge Frau überrascht reagiert: „Ich habe am 7. März dort meine Arbeit aufgenommen, in den ersten Tagen positive Rückmeldungen der Leiterin erhalten. Am 11. März habe ich ihr von den Vorwürfen der syrischen Familie berichtet, am 17. März hat sie mir gekündigt“, bekräftigt die 34-Jährige. Auf Nachfrage seien ihr bis heute weder von der Leiterin, noch vom Kreisverband des DRK Gründe für die Kündigung genannt worden.

Weitere Fragen zur Heimleiterin

Neue Fragen wirft derweil die Vorgeschichte der Heimleiterin auf, die nichts von den Vorwürfen gegen den Kreis-Mitarbeiter habe wissen wollen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe bestätigt, dass ein Verfahren wegen Verleumdung gegen die Frau läuft. Vor ihrer Tätigkeit in Schackendorf war diese als Sozialpädagogin in der Flüchtlingsunterkunft Kellinghusen beschäftigt. Dort soll sie öffentlich die Polizei massiv beschimpft haben.

Gerke bestätigt, dass sogar ein Schreiben der Polizei an die Geschäftsführung der DRK-Betreuungsdienste gerichtet wurde: „Es wurde ein Personalgespräch geführt. Die Geschäftsführung hat den Eindruck gewonnen, dass sie sich einsichtig zeigte.“ Gerke kündigt an, die Ermittlungen „genau auswerten und bewerten“ zu wollen. Letztlich sei zu entscheiden, „ob die Qualität der Tätigkeit von ihr geeignet ist, den Übergang in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu rechtfertigen.“ Ihre Probezeit endet am 30. Juni.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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