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Mitfahrzentrale geplant

Kreis Segeberg Mitfahrzentrale geplant

Der Kreis Segeberg will eine öffentliche Mitfahrzentrale einrichten. Sie soll ein Zusatzangebot zum Bus- und Bahnverkehr werden und vor allem den Einwohnern kleiner Orte helfen.

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Wer einen Mitfahrer mitnimmt, hat auch ein bisschen Unterhaltung.

Quelle: flinc

Bad Segeberg. Kreis Segeberg. Das Potenzial ist riesig: Rund 150000 Pkw sind im Kreis Segeberg gemeldet. Theoretisch kommen all diese Fahrzeuge auch als Transportmittel in Frage, um das öffentliche Bus- und Bahnnetz zu ergänzen. Doch der Start der Mitfahrzentrale verlief am Mittwoch im Klima- und Umweltausschuss holprig. Sieben Politiker sagten Ja, doch die vier CDU-Mitglieder verweigerten ihre Zustimmung.

 Selbst wenn der Kreistag am 10. Dezember die Ampel auf Grün schaltet, geht das Projekt frühestens Ende nächsten Jahres auf die Straße. Über Handy-App, Internet und möglicherweise auch eine telefonische Mobilitätsvermittlung sollen dann Autofahrer und deren mögliche Mitfahrer zusammengebracht werden. Das Prinzip: Fahrer, die freie Plätze anbieten, etwa als Berufspendler, teilen ihr Angebot per Internet-App oder Telefon mit. Mitfahrer wiederum erfahren über diese Wege, wo sie einsteigen können und wohin der Fahrer unterwegs sein wird. Zahlen müssen Mitfahrer nur einen Benzinkostenzuschuss, falls der Fahrer nicht darauf verzichtet.

 Das Angebot soll den regulären Busverkehr ergänzen, den der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) organisiert. Wer etwa eine HVV-Fahrt per Internet abfragt, soll außer Bus und Bahn dann auch die Mitfahrgelegenheiten angezeigt bekommen.

 „Deutschlandweit laufen bereits solche Systeme“, sagte Sven-Hilmer Brauer, CDU-Sprecher im Umweltausschuss, nach der Sitzung der Segeberger Zeitung. Da müsse der Kreis nicht noch eigenes Geld für die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten ausgeben. „Nicht nachvollziehen“ kann Arne Hansen (Grüne), Vorsitzender des Kreisumweltausschusses, die Haltung der CDU, die sich doch für die Dörfer stark machen wolle und dem Grundsatzbeschluss vor einem halben Jahr noch zugestimmt habe.

 Dieses Mitnahmesystem ist wie „eine Aktivierung von Nachbarschaftshilfe mit moderner Technik“, preist Hansen. „Es ist auch ein sehr soziales Projekt, das die Lebensbedingungen im ländlichen Raum verbessert.“ Sein Gremium hat sich ein Pilotprojekt aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis bereits vorführen lassen – und plant bereits die Umsetzung.

 Es soll ein Problem vor allem der dörflichen Gegenden lösen. Denn Busse fahren dort selten, und wenn, sind sie oft auf den Schülerverkehr zugeschnitten. Die Folge: Ältere Menschen erreichen Läden und Ärzte in Städten schlecht, ziehen letztlich dorthin um. Und junge Leute klagen, wie etwa in den alljährlichen Runden von „Jugend im Kreistag“, über miese Busverbindungen nachmittags und abends. Sie fühlen sich abgehängt. Die Probleme werden sich mit dem Trend zur Stadt und der zunehmenden Zahl älterer Bürger noch verschärfen.

 Um gewappnet zu sein, beschäftigen sich beim Kreis mehrere Arbeitsgruppen mit Experten mit dem Leitprojekt „Segeberg 2030“. Dort wurde auch die Idee für das Mitfahrnetzwerk geboren. Anke Pawlik, Kreisvorsitzende des Seniorenbeirats, unterstützt die Idee. „Das gibt älteren Menschen die Gelegenheit, so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben.“

 Ein Gutachterbüro hat für den Kreis das Projekt überprüft. Weil es mittlerweile viele internetfähige Handys gebe, sei die Einbindung der privaten Pkw-Mitnahme komplikationslos möglich, heißt es. Es handele sich aber nur um Mitfahrten bei ohnehin geplanten Touren, also nicht um private Taxi-Dienste wie Uber.

 Das Projekt soll über drei Jahre laufen. Die Gesamtkosten liegen für diese Zeit bei rund 143000 Euro, also 41000 Euro im Jahr. Fördertöpfe sollen angezapft werden. Das letzte Wort hat der Kreistag. Die Ideengeber hoffen auf bis zu 15000 Nutzer.

 

 Im Kreis Segeberg hatten Einwohner das Heft schon selbst in die Hand genommen. Mehrere Bürgerbusprojekte wurden gestartet. Allerdings sind sie meist eng auf einen lokalen Bereich beschränkt mit einer kleinen Zahl fester Routen.

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