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Höfe brauchen schnelles Internet

Kreisbauernverband Segeberg Höfe brauchen schnelles Internet

Der Kreisbauernverband fordert, Glasfasernetze auch bis zu den Höfen zu legen. „Das gehört zur Daseinsfürsorge wie Strom, Kanalisation und Wasseranschluss“, sagt Kreisgeschäftsführer Hans-Georg Otten. Denn Landwirte müssen zwingend diverse Agrardaten an Behörden übermitteln.

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Die Rettung für Landwirt Jost Lindemann, dessen Hof weit vor den Toren von Krems II liegt: Ein LTE-Funkgerät ermöglicht eine Internetverbindung, um die geforderten Agrardaten übermitteln und EU-Förderanträge stellen zu können.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Wenn Jost Lindemann vor die Tür seines Bauernhofes auf einer leichten Anhöhe bei Krems II tritt und den Blick nach rechts wendet, hat er eine prächtige Sicht über das Segeberger Land. Am Horizont sieht er den neun Kilometer entfernten Postturm in Bad Segeberg. Ohne ihn müsste sich Lindemann, der 150 Kühe hält und 200 Hektar Land beackert, wohl einen anderen Beruf suchen.

 Denn auf dem fernen Turm sitzen ein Sender und Empfänger für das LTE-Funknetz. Damit hält der Landwirt von seinem abseits gelegenen Hof die Verbindung ins Internet. Unter anderem muss per Internet der Antrag für die Zahlung der EU-Prämien gestellt werden. Ein Leitungsproblem, mit dem viele Landwirte kämpfen, die in Splittersiedlungen leben.

 Hoffnung macht eine Initiative des Kreises. Er will keine „weißen Flecken“ im Breitbandnetz und den Glasfaserausbau an allen Orten ermöglichen. Das Ziel sei eine Erschließung aller Gebiete, hatte Kreisplaner Frank Hartmann im Februar dem Kreiswirtschaftsausschuss mitgeteilt.

 So lange muss sich der Kreisbauernverband erst mal mit Tricks behelfen. Manchen Landwirten müsse der Bauernverband die Unterlagen per Post senden, sagt Geschäftsführer Otten. Die Emails mit großen Anhängen würden sonst den heimischen PC für Stunden lahmlegen.

 Wie bei Jost Lindemann. Das Telefonkupferkabel überträgt Daten nur tröpfchenweise: mit 300 Kbit pro Sekunde. Das reicht für ein paar Textzeilen, aber nicht für eine aufwändige Datenübertragung. Und die ist nötig für die Meldungen an Datenbanken zu Viehbestand und Gülleverbleib, für statistische Agrardaten und den Prämienantrag für EU-Geld.

 „Ich bin praktisch täglich am PC“, sagt der 56-Jährige. Krems II, wo er auch in der Gemeindevertretung sitzt, habe zwar mal versucht, Glasfaser verlegen zu lassen, um schnelle Internetverbindungen zu haben. Doch das platzte: Zu wenige Haushalte hätten sich anschließen wollen.

 So muss sich Lindemann mit LTE-Funk behelfen. Er liefert 30 Mbit pro Sekunde. Aber nur dann, wenn sich nicht zugleich zu viele Handynutzer ins Netz einklinken und das Tempo drücken.

 Mit der LTE-Technik liebäugelt auch Landwirt Udo Schramm. Sein Hof liegt zwischen Damsdorf und Hornsmühlen: „Wir sind weit ab vom Schuss.“ Der Wege-Zweckverband habe schon abgewunken. Glasfaser gebe es für ihn erst mal nicht. Schramm fand drei Auswege: Die Datenbanken beliefert er per Fax. Die Statistikämter hat er quasi dazu gezwungen, ihm die auszufüllenden Unterlagen nur in Papierform zuzusenden. Und den EU-Prämienantrag brennt Schramm zu Hause auf CD und fährt mit damit zum Buchführungsverband in Bad Segeberg. Das koste zwar Geld, sagt Schramm, aber von dort flutschen die Daten flüssig.

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Gerrit Sponholz
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