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Landwirte sind „erpressbar“

Kreisbauernverband Segeberg Landwirte sind „erpressbar“

„Die Hütte brennt. Die Milchviehbetriebe verdienen momentan wegen des niedrigen Milchpreises kein Geld“, stellte Werner Schwarz fest, Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes. Er gab beim Agrarfrühschoppen des Segeberger Kreisbauernverbandes im Hotel Teegen einen Überblick über aktuelle Themen.

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Eingerahmt von Landwirt Timo Holfert aus Schmalfeld (links) und Claus Peter Dieck (Vorsitzender der Segeberger CDU-Kreistagsfraktion) stand Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz beim Agrar-Frühschoppen in Leezen Rede und Antwort.

Quelle: Harald Becker

Leezen. Schwarz ließ in der angeregt geführten Diskussion zwischen rund zwei Dutzend Landwirten, zweier Vertreter von Banken und Claus Peter Dieck (CDU-Fraktionsvorsitzender im Segeberger Kreistag) keine Frage unbeantwortet. „Viele Landwirte müssen sogar noch Geld dazulegen und sparen teilweise an allen Ecken und Kanten“, beschrieb Schwarz die Lage aus seiner Sicht. „Weltweit ist genug Milch vorhanden. Es ist mit weiter niedrigen Erlösen zu rechnen.“ Einige Bauern hätten sogar schon die Mitgliedschaft im Bauernverband, die 500 Euro im Jahr kostet, aus Finanznot kündigen müssen. Auch in der Schweinemast sei kein Geld zu verdienen. Hoffnung auf eine Kehrtwende in diesem Jahr habe er nicht.

 Sorgen bereitet den Landwirten außerdem das Preis-Diktat der großen Einzelhandelsketten. „Wir sind erpressbar. Eine Verknappung der Milchmenge wäre eine Möglichkeit, aus dem Dilemma herauszukommen“, regte ein Teilnehmer an.

 Doch ganz so negativ solle man die Lage nicht sehen, meinte Werner Schwarz. „Nach einem Tal kommt auch wieder ein Hoch, das hat die Vergangenheit gezeigt.“ Vorschnell aufgeben sei nicht angesagt.

 Den Verbandsvertretern ging es auch darum, die Verbraucher für die Landwirtschaft zu sensibilisieren statt das Verhalten der Verbraucher zu kritisieren. Sie empfahlen, mit den Bürgern zu reden und die Probleme darzustellen.

 „Ob Produkte aus der Region gekauft werden oder sich der Billigschiene bedient wird, entscheidet der Verbraucher. Da müssen wir für uns in unserer Region auch Farbe bekennen“, betonte Marek Meyer, Landwirt aus Kisdorferwohld. Hofgottesdienste oder der Besuch von Schulklassen in den Betrieben gehören für ihn zur Öffentlichkeitsarbeit: „Werbeträger für die Landwirtschaft sind wir selber.“

 „Landwirtschaft muss auch Spaß machen. Immer nur schlechte Nachrichten hören will ich nicht. Ich bin jedenfalls gerne Landwirt, so sollten alle denken“, gab Timo Holfert aus Schmalfeld als Schlusswort zu Protokoll.

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