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Kreis Segeberg Alles fürs Kindeswohl

Über hundert Mal pro Jahr schrillen beim Kreisjugendamt die Alarmglocken. Dann melden besorgte Bürger, dass Kinder in ihren Familien angeblich in Gefahr sind. Nachermittlungen der Behörde zeigen: Bei jedem dritten Fall trifft die Sorge zu.

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Segebergs Kreisjugendamtsleiter Manfred Stankat erläuterte dem Kreisjugendhilfeausschuss die schwierige Arbeit.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Kreisjugendamtsleiter Manfred Stankat berichtete dem Kreisjugendhilfeausschuss aus der Arbeit seiner Behörde. Die Politiker ließen sich zeigen, wie die gut 30 Amtsmitarbeiter in Notfällen vorgehen. Denn in den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Pannen gegeben, etwa im „Kellerkind-Fall“. Die Behördenarbeit wurde zuletzt immer weiter verfeinert. Doch Stankat machte auch klar, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt. „Wir sind kein eigener Rettungsdienst.“ 34 Sozialarbeiter müssten die Schicksale von immerhin 50000 Kindern im Kreisgebiet im Blick haben.

 Eine Diskussion mit den Politikern im Ausschuss über das Mögliche und das Nötige entzündete sich unter anderem an einer Schilderung von Stankat. Er habe nach einem viertägigen Pfingstkurzurlaub in seinem Email-Postfach fünf Hinweise von Bürgern auf Kindeswohlgefährdung vorgefunden, schilderte. Sofort habe er zehn Mitarbeiter darauf angesetzt, den Sachen auf den Grund zu gehen. „Das war ein Drittel meiner Belegschaft.“ Am Ende habe sich gezeigt, dass in einem der Fälle das Jugendamt „stark helfen“ musste.

 Die Frage von Politikern, warum erst Tage vergingen, bis auf die Emails reagiert wurde, beantwortete Stankat mit dem Verweis auf die Hinweisgeber. Sie hätten sich entschieden, den Email-Weg zu gehen. Wissend, dass über Feiertage Verwaltungen nicht besetzt sind. Möglich gewesen wäre auch, schnellere Hilfe zu organisieren: durch einen Anruf bei der Polizei. Sie hat Handynummern vom Kreisjugendamt.

 Doch auch wenn die Polizei nachts und an Wochenenden die Behörden-Bereitschaftsdienstler erreicht: Die Hilfe durch sie kann dauern. „Manche müssen aus ihren Heimatorten wie Kiel oder Hamburg kommen“, sagt Jugendamtsmitarbeiter Friedemann Berger, beruhigt aber: In den meisten Fällen sei ohnehin schon die Polizei vorort. Er betonte, falls ein Notruf per Telefon oder über die Polizei eintrifft, „wird nicht lange gefackelt“. Eine ganze Kaskade von Schritten wird abgearbeitet, damit kein Notfall durchs Rost fällt.

 Schnell müssen die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes beurteilen, ob ein Kind in akuter Gefahr schwebt und wo sich Kind und Eltern befinden. Bei ungenauen Angaben wird recherchiert. Daten des Melders werden aufgenommen, der Familie und des Grades der Gefährdung und ob andere Stellen eingeschaltet werden müssen, wie Kontakt mit der Familie aufgenommen werden kann, welche Fragen noch zu klären sind. Denn oft stammen Hinweise auch vom Hörensagen, oder es steckt eigentlich ein Nachbarschaftsstreit hinter der Meldung.

 Ist das Kindeswohl gefährdet, kann das Jugendamt der Familie mit Erziehungsberatung helfen, sie kontrollieren, ihr Auflagen erteilen oder das Kind aus der Familie nehmen. „Ziel ist immer, kein Kind zu vergessen, dem es schlecht geht“, sagt Stankat. Allerdings stehe das Kreisjugendamt immer im Spannungsfeld: zwischen der Kontrollpflicht der Behörde einerseits und den Grundrechten der Familie andererseits.

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