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Segeberger(innen) rüsten auf

Kreisordnungsbehörde Segeberger(innen) rüsten auf

Etwa 80 Menschen im Kreis Segeberg, meist Frauen, wurden 2015 sexuell belästigt. So viele Fälle sind zumindest der Polizei offiziell gemeldet worden. Die Segeberger wurden sensibler für dieses Thema. Sie melden sich vermehrt für Selbstverteidigungskurse an und legen sich Schreckschusswaffen zu. Die Polizei Segeberg warnt vor derlei Aufrüstung.

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Für das Pfeffer-Spray – offizell Tierabwehrspray – ist kein Waffenschein nötig.

Quelle: Frank Peter

Kreis Segeberg. Eine Frauenberatungsstelle in Bad Segeberg fordert vor allem ein schärferes Sexualstrafrecht.

 Über 70 Segeberger haben in diesem Jahr schon bei der Kreisordnungsbehörde Anträge für einen „Kleinen Waffenschein“ gestellt. Im gesamten Vorjahr waren es 127. Der „Kleine Waffenschein“ berechtigt zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Sie müssen das Kennzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) tragen. Anträge stellen dürfen Volljährige, die zudem als zuverlässig und persönlich geeignet gelten. Das heißt, sie müssen geistig fit sein und dürfen weder große Vorstrafen haben noch drogen- oder alkoholabhängig sein. Einen Bedarf für die Waffe nachweisen müssen sie nicht, auch keine Sachkunde und Haftpflichtversicherung wie bei Schusswaffenbesitz. Die Gebühr beträgt 60 Euro.

 Christine Schröder vom Kreisordnungsamt weist auf Beschränkungen hin. Der Kleine Waffenschein berechtige zwar, die Waffen mit sich zu führen, auch munitioniert; es sei aber verboten, sie bei öffentlichen Veranstaltungen, Versammlungen, Demonstrationen oder Jahrmärkten mit sich zu tragen. Auch sei es untersagt, die Waffen in der Öffentlichkeit, außerhalb von Schießstätten, zu benutzen. Nur in Notwehrlagen sei das möglicherweise geboten, der Waffenträger müsse aber prüfen, ob es „angemessen“ sei. Das könnte die Staatsanwaltschaft auch im Nachhinein noch rechtlich prüfen.

 Kein Waffenschein ist nötig, wer sich ein Pfefferspray zulegt, offiziell „Tierabwehrspray“ genannt. Auch körperlich wollen sich mehr Menschen für Angriffe wappnen. „Anfragen zu Selbstverteidigungskursen häufen sich, Kursangebote schießen wie Pilze aus dem Boden“, beobachtet Jürgen von Wyszecki vom Zentrum für Kung Fu und Bewegungskünste in Klein Rönnau. Er warnt vor Kurzkursen. Fit sei nur, wer langfristig trainiert habe. Außerdem sei zu bedenken, dass in einer Bedrohungssituation weitere Faktoren eine Rolle spielen: der Adrenalinschub, die eigene Selbstsicherheit und welche Reiz-Reaktions-Muster der Betroffene erlernt hat. „Selbst Geübte haben Schwierigkeiten, dann die Oberhand zu behalten.“

 Dass Frauen in jüngster Zeit „zusätzlich verunsichert“ sind, stellte auch die Fachberatungsstelle Frauenzimmer in Bad Segeberg fest. Das sei wohl eher den Debatten in Politik und Medien geschuldet als den Ereignissen selbst, sagen Stephanie Böttcher und Barbara Eibelshäuser. Denn neu sei sexualisierte Gewalt in der Öffentlichkeit oder im privaten Rahmen keineswegs. „Sie wird seit Jahren von Männern verübt.“

 Die richtige Antwort auf die Gewalt von deutschen oder zugewanderten Männern seien drei Dinge, sagen die Beraterinnen: flächendeckende Vorbeugung, Gewaltschutzkonzepte und eine Reform des Strafrechts. „Ein ,Nein’ einer Frau muss auch für eine Verurteilung vor Gericht reichen.“ Und nicht erst, wenn die Frau als Opfer sich ausreichend zur Wehr gesetzt hat.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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