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Jakobskreuzkraut: Kritik an Stiftung Naturschutz

Landwirtschaft Jakobskreuzkraut: Kritik an Stiftung Naturschutz

Das Aufregungspotenzial scheint groß: „Ich fühle, dass der komplette ländliche Raum hinter mir steht“, sagt Torsten Blunck, Landwirt aus dem Dorf Hasenkrug im Kreis Segeberg und eine Art Kreuzritter gegen das Jakobskreuzkraut. Er kritisiert die Stiftung Naturschutz.

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Die Bienen fliegen auf das Jakobskreuzkraut, die giftigen Stoffe landen dann im Honig.

Quelle: Sven Janssen

Hasenkrug. Blunck hat auf seine Weide geladen, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen: „Ich fordere, dass die Stiftung zwei bis drei Mal pro Jahr mäht, um die Blüte des Jakobskreuzkrauts zu verhindern!“ Die Stiftung, damit ist die Stiftung Naturschutz gemeint. Neben dem Feld, auf dem Torsten Blunck Rinder mästet, besitzt sie eine große Fläche und auf der steht viel Jakobskreuzkraut. Das Kraut, kurz JKK genannt, enthält in allen Pflanzenteilen giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Frisches JKK meiden Rinder und Pferde. Landet es im Heu, verschwinden aber die Bitterstoffe, das Gift bleibt und kann den Tieren schaden.

 Blunck beklagt, dass das giftige Kraut von der Stiftungsfläche auf seine kommt. Nach seiner Beobachtung wird es immer mehr. Die 100 Stunden, die er 2015 fürs Ausreißen von Hand brauchte, reichten in diesem Jahr nicht mehr: Er habe erfahrene Tiere auf die Weide geschickt, vor der Blüte gemäht und das Kraut verbrannt.

Wird Jakobskreuzkraut verharmlost?

 Karen Franzen, Vorsitzende des Flensburger Bauernverbands, sieht das Problem landesweit. Für eine Unterschriftenliste habe sie mehr als 8000 Meldungen aus ganz Schleswig-Holstein bekommen, vor allem der Hamburger Rand und Ostholstein seien betroffen. Aber: „Es gibt in jedem Kreis Hotspots: da, wo die Stiftung große Flächen hat.“

 Politisch unterstützt Hauke Göttsch die Forderungen. Der CDU-Politiker ist Vorsitzender des Umwelt- und Agrarausschusses im Landtag und findet: „Jakobskreuzkraut wird verharmlost und verniedlicht.“ Auch Göttsch will, dass auf betroffenen Flächen gemäht wird, bevor das Kraut blüht.

Streit um Jakobskreuzkraut

 Die Stiftung Naturschutz lässt ebenfalls forschen, erklärt deren Sprecherin Nicola Brockmüller auf Anfrage: Warum verbreitet sich das Kraut so immens, wie kann es effektiv begrenzt werden? „Wir versuchen, diese Pflanze besser zu verstehen.“ Die Stiftung versuche ein „guter Nachbar“ zu sein. Teilweise mäht sie sogar zwei Mal pro Jahr. Damit kommt die Stiftung laut Brockmüller schon fast in Konflikt mit ihrem Auftrag: „Wir wollen nicht die Insekten und Amphibien häckseln“. Auch bei Blunck werde die Nachbarfläche auf einem 50 Meter breiten Streifen gemäht, außerdem soll der Knick zwischen den Flächen verdichtet werden. Von 34000 Hektar Stiftungsflächen seien 1300 problematisch, so Brockmüller. Der Anteil sei so hoch wie im vergangenen Jahr.

 Die Kritiker auf dem Hasenkruger Feld beruhigt das nicht. Sie schimpfen auf die Stiftung und das Landwirtschaftsministerium: „Humburg“, „Lügner“ und „Feigling“. Besonnener klingt Karl Ratjen, der sich ehrenamtlich im Kaltenkirchener Schmetterlingsgarten engagiert. JKK hätten die Bauern schon früher ausgerissen, bei der Bekämpfung half ihnen der Blutbär. Das ist ein Schmetterling, dessen Raupen sich vom Kraut ernähren. Aber: „Die Insekten sind um 80 Prozent zurückgegangen“, und damit auch die Zahl der Blutbären. Bei den Kaninchen, die ebenfalls kein Problem mit dem Jakobskreuzkraut haben, sehe es ähnlich aus.

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