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Der Wunsch, Menschen zu helfen

Landesverein für Innere Mission in Rickling Der Wunsch, Menschen zu helfen

Stratege, Anwalt und Pastor: Viele Funktionen nahm Rüdiger Gilde (66) die vergangenen 19 Jahren wahr. In wenigen Tagen geht der Direktor des Landesvereins für Innere Mission mit dem Psychiatrischen Zentrum in Rickling als Zentrale in den Ruhestand.

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Über die Kunstfertigkeit und Kreativität der Patienten und Bewohner des Psychiatrischen Zentrums staunt Direktor Rüdiger Gilde immer wieder. Das Maleratelier mit mehreren Werkstätten wird viel genutzt.

Quelle: Gerrit Sponholz

Rickling. Er schaue zufrieden zurück auf eine schöne Zeit, in der das Leistungsangebot für hilfsbedürftige Menschen wuchs; es wird heute von über 2500 Mitarbeitern getragen. Sein Nachfolger, Pastor Andreas Kalkowski (51), arbeitet sich schon ein. Er durchläuft als Hospitant alle Stationen des Landesvereins.

 Genau war es damals bei Gilde bei dessen Einstieg 1996/1997, der allerdings dramatisch verlief. Er war erst wenige Wochen in Rickling heimisch, als es in einer Unterkunft in Rickling brannte. Neun Bewohnerinnen starben. Das war der dunkelste Punkt, sagt Gilde rückblickend. Stolz und froh ist er dagegen darauf, als später nach langer Vorbereitung die Tageskliniken eröffnet werden konnten. Das ortsnahe Versorgungsangebot sei immer weiter ausgebaut worden. Ein Netz von Begegnungsstätten und Wohngruppen wurde gespannt, die Häuser an vielen Dienstorten des Landesvereins wurden erneuert. Die vielen ehrenamtlichen Helfer zeugten von der Verwurzelung in den Gemeinden und Städten, sagt Gilde.

 Beruflich Verantwortung zu übernehmen und im Sinne der Diakonie Menschen zu helfen: Das seien 1996 die stärksten Triebfedern gewesen, sich um den Posten zu bewerben, erzählt Gilde. Vorangegangen waren ein kurzes Jurastudium und ein vollständiges Theologiestudium in Kiel sowie das Vikariat in Eckernförde und in Harrisburg (USA). 1978 erhielt Gilde die erste Anstellung in Neumünster, ab 1980 war er Studentenpfarrer in Kiel, ab 1986 in einer Gemeinde in Norderstedt.

 In seinen fast 20 Jahren als Chef des Landesvereins verzeichnete Gilde mehrere wichtige Entwicklungen. Das Leistungsspektrum für Menschen mit Behinderung, Süchten oder psychischen Erkrankungen wurde immer breiter und ausgefeilter. Außerdem sind Demenz und Depressionen heute öfter zu behandeln – vielleicht auch nur deshalb, sagt Gilde, weil die Bereitschaft unter den Menschen größer geworden sei, sich behandeln zu lassen. Sie wüssten, sie würden nicht mehr lebenslang „in eine Anstalt eingewiesen“, wie es früher hieß, sondern könnten unter einer Vielzahl von ambulanten, teilstätionären und stationären Angeboten wählen.

 Ein weiterer Trend: Die Verhandlungen mit den Krankenkassen, die die Kosten tragen, werden immer schwieriger. Der Streit geht oft darüber, ob der Landesverein Patienten nicht zu lange und damit zu teuer behandelt habe. „Wir führen im Schnitt 70 Prozesse zeitgleich“, sagt Gilde. Die meisten gewinne der Landesverein.

 Dennoch bereiten ihm zwei Baustellen Sorgen. Mit einem neuen Teilhabegesetz sollen die Eingliederungsleistungen für Menschen mit Behinderung neu geregelt werden. „Das könnte die stationären Angebote zerschlagen“, befürchtet Gilde. Außerdem führe ein neues Pflegegesetz dazu, dass die häusliche Versorgung gestärkt wird, die stationäre Einrichtung aber geschwächt.

 Auch die Vergangenheit hat Gilde im Blick. Der Landesverein plant ein Buch über seine Geschichte. Zudem soll in einem Gebäude im Psychiatrischen Zentrum in Rickling ein Museum eingerichtet werden.

 Das Feld hält Gilde für gut bestellt. Er hätte schon Ende 2014 in Rente gehen können, hatte aber verlängert. Erst sollte sich der neue Leitende Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums, Nikolas Kahlke, in Ruhe einarbeiten können. Es sollte nicht zeitgleich Umbrüche auf zwei der drei wichtigsten Posten geben. Der Dritte im Bunde in der Führungsetage ist Geschäftsführer Claus von See.

 Ende des Monats wird Gilde verabschiedet. Vom Wohnhaus auf dem Zentrumsgelände in Rickling ist er bereits nach Neumünster gezogen. Der Ehemann und Vater zweier erwachsener Kinder freut sich auf das Reisen, Kultur, will Vorlesungen hören, die Fitness stärken – und ab und zu als Pastor einspringen, wenn mal Not am Mann ist.

 Andreas Kalkowski übernimmt von Rüdiger Gilde das Amt als Direktor in Rickling. Am 11. Oktober 1964 in Bielefeld geboren, wuchs er in Bethel auf. Dort und in Hamburg studierte er Theologie. Ab 1995 war er Pastor in Neu-Allermöhe, einem neu errichteten Stadtteil Hamburgs. In den Anfängen gab es dort weder Kirche noch Gemeindehaus. Kalkowski arbeitete deshalb von einem Bauwagen aus („Bauwagen-Pastor“). Er baute ein ökumenisches Gemeindezentrum auf („Feste Burg“), engagierte sich in Kinder- und Jugendarbeit, förderte das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion.

 Ab 2011 führte Kalkowski das kirchliche Tagungs- und Bildungszentrum für Nachhaltigkeit „Haus am Schüberg“ in Ammersbek. Er brachte mehrere Projekte auf den Weg, etwa die Programmreihe globale Transformation, und kooperierte mit Universitäten und Akademien.

 Seit November 2015 hospitiert er bereits in den Einrichtungen des Landesvereins für Innere Mission, um sich auf seinen neuen Job als Direktor vorzubereiten. Außerdem schaute er sich Leitungsstrukturen bei anderen diakonischen Einrichtungen Norddeutschlands an.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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