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Formulare statt Feldarbeit

Landwirte im Kreis Segeberg Formulare statt Feldarbeit

Die Ernte im Kreis Segeberg läuft, mit tollem Ergebnis bei der Wintergerste und mit weiter Spanne zwischen schlecht und gut beim Raps. Die 950 Landwirte im Kreis Segeberg müssen aber nicht nur Äcker bestellen und Tiere halten. Ein Fünftel ihrer Arbeitskraft frisst mittlerweile die Bürokratie.

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Biobauer Rolf Stoltenberg aus Nehms ist wenig begeistert von den zahlreichen Formularen wie den Auslaufnachweis für die Öko-Geflügelhaltung. Darin muss er täglich dokumentieren, um welche Uhrzeit und bei welchem Wetter er seine Hühner in das umzäunte Freilaufgelände entlässt.

Kreis Segeberg. Jens-Walter Bohnenkamp, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, sieht es als Herausforderung: „Man muss mehr koordinieren.“ Entweder arbeite man länger oder effizienter oder man delegiere.

 Immer mehr Vorschriften, Verordnungen und Fragebögen müssen beachtetet oder ausgefüllt werden. Das kostet nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch Nerven, sagen die Landwirte Heiko Rahlfs aus Seedorf, Rolf Stoltenberg aus Nehms und Harald Butenschön aus Hasenmoor.

 Im Schnitt ein bis zwei Stunden täglich müssen die Landwirte opfern, um Dokumente auszufüllen, Buchhaltung zu erledigen, sich in neue Gesetze und Auflagen von Behörden, Verbänden oder Abnehmern einzulesen.

 Für den 44-jährigen Milchbauern Harald Butenschön ist dieser erzwungene bürokratische Aufwand nur schwer nachvollziehbar. „Vorschriften und Gesetze müssen sein, doch das Ausmaß immer neuer Reglementierungen nimmt seit Jahren zu.“ Als Beispiel holt er einen Antrag auf Zahlung einer landwirtschaftlichen Prämie herbei. Allein die Anleitung zum Ausfüllen dieses Antrags umfasst 76 Seiten. „Vor 15 Jahren waren es noch 17 Seiten.“

 Erheblich ist auch der Aufwand für die Verwaltung seines Tierbestandes von 50 Milchkühen. „Jede Geburt, jeder Abgang und jeder Zugang in der Herde muss unverzüglich an eine zentrale Erfassungsstelle in München gemeldet werden, in der der gesamte Bestand aller in Deutschland lebenden Rinder erfasst ist“, sagt Butenschön. Viel Arbeit bereitet außerdem die Dokumentation aller auf dem Hof verwendeten Medikamente und Reinigungsmittel. Ständig dokumentiert werden müssen auch Daten zu den Hygiene- und Tierhaltungsstandards, die die Europäische Union und der Qualitätsüberwachungsverein QM-Milch vorgegeben haben. Jedes Jahr kontrollieren sie einen Tag lang und überprüfen über 60 Kriterien, etwa den baulichen Zustand der Wirtschaftsgebäude und des Kuhstalls sowie die Belege über zugekaufte Futtermittel.

 Auch bei Heiko Rahlf aus Seedorf vergeht kein Tag, an dem er nicht Formulare und Dokumente ausfüllen oder verwalten muss. Auf seinem rund 300 Hektar großen Anwesen betreibt der 60-jährige Bauer Ackerbau, Milchwirtschaft, Schweinemast und Ferkelzucht. „Alles, was ich ein- und verkaufe, muss penibel sauber dokumentiert werden.“

 Gut in Erinnerung ist Rahlf der enorme Aufwand im Zusammenhang mit der Einführung der „Fruchtartendiversifizierung“. Darin schreibt der Gesetzgeber vor, dass auf Acker- und Grünland mindestens drei verschiedene Kulturen wachsen müssen, wovon für die Hauptfrucht maximal 75 Prozent der gesamten Fläche verwendet werden darf. „Nur für die erforderliche Neuvermessung unserer Flächen mit exakten Angaben über die dort wachsenden Kulturen habe ich mit meinen drei Söhnen vier Tage gebraucht.“

 Für Biobauer Rolf Stoltenberg aus Nehms gehört Verwaltungsarbeit genauso zum Alltag. Auf seinem fast 80 Hektar großen Anwesen tummeln sich etwa 100 Hühner sowie 16 Schweine und Ferkel. „Als Biobetrieb muss ich nachweisen können, dass ich meine Hühner entsprechend den geltenden Standards für Biobetriebe aufziehe, füttere und halte. Ebenfalls schriftlich aufgezeichnet werden müssen die täglichen Auslaufzeiten sowie die an diesem Tag herrschenden Wetterverhältnisse.“ Auch über den Werdegang des Getreides muss der 59-Jährige Buch führen: Kauf der Saat, Anbau auf den Feldern und Lagerung. Selbst seine Produktion muss er dokumentieren: Wie und wo hat er in der hofeigenen Backstube hat er das Mehl zu Brot verarbeitet?

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