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Flüchtlinge kommen

Levo-Park Bad Segeberg Flüchtlinge kommen

Erst war die Rede von 2000 Flüchtlingen und Asylbewerbern, die in den Levo-Park einziehen sollen; später allenfalls von 1500, inzwischen nur noch von 600. Am kommenden Montag werden nun die ersten Bewohner auf dem früheren Kasernen-Gelände erwartet.

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Monatelang wurde die Belegung der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Schleswig-Holstein im Bad Segeberger Levo-Park immer wieder verschoben. Am Montag sollen nun wirklich die ersten Asylbewerber eintreffen.

Quelle: Karsten Wikening

Bad Segeberg. Ursprünglich sollte die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes bereits im Herbst vorigen Jahres ihren Betrieb aufnehmen, dann im März 2016, zuletzt spätestens im Juni. Bei kaum einem anderen Großprojekt im Kreis Segeberg hat es innerhalb eines so kurzen Zeitraums derart viele unterschiedliche öffentliche Aussagen und Ankündigungen gegeben.

 Im Laufe des Tages soll auf dem Gelände der früheren Lettow-Vorbeck-Kaserne an der B206 ein Bus mit 50 bis 60 Schutzsuchenden an Bord eintreffen. Die ersten Bewohner für das in den vergangenen Wochen mit gewaltigem Aufwand aus dem Boden gestampfte Container-Dorf stammen aus dem Aufnahmekontingent der Stadt Hamburg, deren Senat extra zu diesem Zweck eine vertragliche Vereinbarung mit dem Kieler Innenministerium abgeschlossen hat – nach monatelangen Verhandlungen hinter den Kulissen. Der Deal zwischen den beiden Nachbarländern besagt im Kern: Die Hansestadt bezahlt, Schleswig-Holstein kümmert sich um alles, was mit der Unterbringung zu tun hat. Unter anderem stellt Kiel das Personal für die Polizeiwache, die täglich von 7 bis 18 Uhr besetzt sein soll. Die Rund-um-die-Uhr-Bewachung der Anlage übernimmt ein privater Sicherheitsdienst, den Betrieb der Einrichtung vermutlich das Deutsche Rote Kreuz (DRK).

 Da die allermeisten Container nach Informationen der Segeberger Zeitung noch immer nicht vollständig bezugsfertig sind, sollen die Neuankömmlinge erst einmal in einem dafür hergerichteten Kompanie-Gebäude wohnen. Im Rahmen einer Ortsbegehung haben sich rund 50 Vertreter aller beteiligten Behörden und Institutionen, darunter auch die Führungen der ins Rettungskonzept integrierten Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Segeberg, Wittenborn, Fahrenkrug und Schackendorf, in dieser Woche selbst noch einmal ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Klar ist, dass das eingezäunte Areal über das so genannte Nordtor zugänglich sein wird, also von der Fahrenkruger Seite aus. Diesen Weg sollen im Ernstfall auch die Rettungskräfte nehmen. Dass sich der Hauptzugang zur Flüchtlinhsunterkunft – schräg gegenüber dem Neubau der Firma Meifort – an dieser Stelle befinden soll, hat viele Fahrenkruger beunruhigt. Einige fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Weg zur Schule, zumal das Dorf selbst einen Großteil seiner zugewiesenen Flüchtlinge in Gebäuden am nahe gelegenen Kirchwegskamp zusammenfassen soll. Seit sich die Zahl der Zuwanderer zuletzt aber deutlich verringert hat, entspannt sich die Situation auf allen Ebenen.

 Selbst Hamburg mit seinen im Vergleich zu den Flächenländern deutlich geringeren Kapazitäten hat die größten Engpässe inzwischen in den Griff bekommen. Hieß es zu Beginn der Gespräche noch, man müsse angesichts des großen Drucks immer neuer Zuwanderer möglichst rasch handelseinig werden, bezweifelten Insider noch vor Kurzen, dass überhaupt noch jemand nach Bad Segeberg kommt. „Die Leute, die nun geschickt werden, sind wohl eher Alibi-Bewohner“, meinte einer. Wobei die letzte, noch einmal gut einwöchige Verzögerung einen triftigen Grund hatte: einen medizinischen. In Hamburger Unterkünften waren die Masern ausgebrochen, ein mögliches Weiterverbreitungsrisiko schlicht zu hoch.

 Aufhorchen lässt in Segeberg und Umgebung indes eine andere Botschaft aus Hamburg: Der Levo-Park sei für Menschen mit „ungewisser Bleibeperspektive“ vorgesehen. Damit wächst in der Region wieder die Sorge, die Einrichtung könnte zum Sammelpunkt für diejenigen werden, denen letztlich die Abschiebung droht. Solche Pläne hatte Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler aus dem Kieler Innenministerium nach einem SZ-Bericht vor einigen Wochen noch vehement dementiert, sondern gesagt: Es werde eine Einrichtung wie jede andere auch.

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