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Einzelhandel im Levo-Park Unternehmer warnen

„Wir brauchen Verlässlichkeit“, sagt Hauke Marxen. Der Mitinhaber der Firma Baer gehört zu einer sechsköpfigen Gruppe in Bad Segeberg, die sich gegen Einzelhandelsflächen im Levo-Park wehrt und auf das städtische Leitbild pocht. Dieses spricht sich gegen Gewerbe auf der „grünen Wiese“ aus.

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Die Unternehmer Reinhard Schweim (von links), Hauke Marxen, Michael Hänchen und Volker Albers fordern von der Stadt Bad Segeberg, sich an ihr eigenes Leitbild 2025 zu halten und den Neubau von Einzelhandelsflächen auf dem Gelände des Levo-Parks nicht zuzulassen.Sie befürchten ein Ausbluten der Innenstadt.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Investor Ulrich Wachholtz will auf dem Gelände der früheren Lettow-Vorbeck-Kaserne bis zu 12000 Quadratmeter Verkaufsfläche bauen; hinzu sollen weitere 800 Quadratmeter für Lebensmittel kommen.

 Damit sind die seit Jahrzehnten in Bad Segeberg tätigen Reinhard Schweim (Electro Schweim), Hauke Marxen (Baer), Volker Albers (Rohlf und Söhne) und Volker Eckstein (Löwen-Apotheke und -Sanitätshaus) nicht einverstanden. Ihre Mitstreiter sind mit Michael Hänchen (H & M Modehaus) und Ralf Glocker (Arko) zwei neue Gesichter in der Fußgängerzone. Sie alle verweisen auf das gerade mal vier Jahre alte städtische „Leitbild 2025“, in dem vor Gewerbeansiedlungen auf der „grünen Wiese“ gewarnt wird und das die Innenstadt als schützenswert hinstellt. „Auf dieses Leitbild möchten wir Unternehmer uns verlassen können“, betont Marxen. „Wir haben keine Angst vor Konkurrenz – aber wir wollen sie in der Innenstadt.“

 Michael Hänchen, der im Sommer das frühere Kaufhaus Schwager übernommen hat, hat sich bereits tief in die Bad Segeberger Materie eingearbeitet und bringt zugleich einen frischen Blick von außen mit. „Die Bad Segeberger Innenstadt funktioniert ja noch“, sagt er. „Das Entscheidende ist das ’noch’. Das Eis ist mittlerweile extrem dünn geworden. Wenn jetzt durch den Levo-Park noch ein paar Gewichte dazukommen, bricht es.“

 Reinhard Schweim kündigt an, dass er und seine Kollegen sich in den nächsten Gremiensitzungen zu Wort melden wollen. Die Kommunalpolitiker haben es zunächst beim F(lächennutzungs)-Plan und anschließend beim B(ebauungs)-Plan in der Hand, ob die Handelsflächen zugelassen werden. Den Unternehmern stößt bitter auf, dass Investor Wachholtz das Kasernengelände gekauft hat, obwohl er genau wusste, dass Handel und Wohnen dort aus Stadtsicht weder erlaubt noch erwünscht sind. Genau diese Nutzungen spielen nun allerdings im Konzept für den Levo-Park eine entscheidende Rolle.

 Hänchen warnt vor einer Entwicklung wie in der Lübecker Innenstadt. „Da gibt es jetzt schon enorme Leerstände.“ Die Kunden fahren innerhalb von 30 Minuten nach Lübeck und Neumünster; nur ein paar Minuten länger dauert die Tour nach Kiel und Hamburg. „Wir werden durch den Levo-Park noch weiter geschwächt“, befürchtet Albers. Kollege Schweim ergänzt: „Alles, was sich in der Innenstadt ansiedelt, ist eine Stärkung.“ Das Internet sei ohnehin längst zum übermächtigen Konkurrenten geworden. Vor allem mit Service und Beratung könne der Handel vor Ort jedoch punkten.

 Hänchen moniert, dass das Gutachten des Levo-Park-Investors „schon jetzt nicht mehr den Ist-Zustand“ abbildet. „Das ist veraltet und Schönrechnerei.“ Dass zudem nur die Fußgängerzone betrachtet wurde und nicht die gewaltigen Handelsflächen drumherum (allein Möbel Kraft hat mit 45000 Quadratmetern Verkaufsfläche gut das Dreifache der Innenstadtgeschäfte mit 13750 Quadratmetern), halten die Unternehmer für ein Unding. Hilfreich wären günstigere oder im Optimalfall kostenlose Parkplätze mit Parkscheibenregelung, um die Fußgängerzone für die Kunden wieder attraktiver zu machen.

 Diese Überlegungen sollen in die kommunalpolitischen Fraktionen getragen werden. „Das Thema geht uns alle an“, sagt Marxen. „Wir leben hier – und wir wollen auch hier einkaufen. Und wir sind alle Investoren, die in Bad Segeberg schon sehr, sehr viel Geld investiert haben.“

 Für Reinhard Schweim hat die Diskussion auch eine sehr persönliche Note. „Ich bin 62 - und ich muss mir überlegen, mit welcher Sicherheit ich mein Geschäft weitergeben kann.“ Ob er seinem Sohn raten kann, seinen Meister zu machen und in die Fußstapfen des Vaters zu treten? Da ist Schweim in Anbetracht des Levo-Parks nicht so sicher.

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