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175 Jahre lang Akzente gesetzt

Jubiläum des Männerchors Bad Segeberg 175 Jahre lang Akzente gesetzt

Der älteste Chor in Schleswig-Holstein kann heute ein besonderes Jubiläum feiern: Genau vor 175 Jahren wurde der Männerchor Bad Segeberg gegründet. Seitdem setzten die singenden Männer aus Segeberg immer wieder gesellschaftliche, kulturelle und völkerverbindende Akzente. Eine Festschrift sowie Konzerte sollen in diesem Jahr daran erinnern.

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Dank immer wieder neu hinzugekommener Mitglieder erfreut der Männerchor Bad Segeberg auch nach 175 Jahren noch sein Publikum, wie hier im Dezember 2014 zum Auftaktkonzert des Weihnachtshilfswerks in der Bad Segeberger Marienkirche.

Quelle: Peter J. Strehmel, Archiv

Bad Segeberg. Am 4. April 1840 gründeten Studenten und Lehrer des neuen Lehrerseminars, Handwerker und Beamte der Stadt im Lokal Harmonie einen Chor unter dem Namen „Liedertafel“. Solche Ensembles waren damals eine hochmoderne Angelegenheit: Als eine der ersten Gruppen in Holstein folgten die Männer dem Beispiel der revolutionär anmutenden Berliner Liedertafel. Die war von 24 Musikern und Dichtern im Jahr 1809 gegründet worden, um den Idealen der Aufklärung wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit Ausdruck zu verleihen. Man widmete sich dem Wahren, Guten und Schönen in der Natur und dem menschlichen Zusammenleben, und gern besang man auch die besonders erfreulichen Phänomene Wein und Weib.

 Das idealistische Moment zeigte sich bei den Segebergern auch bei Wohltätigkeitskonzerten, etwa zugunsten der „Warteschule“, einer Vorform des Kindergartens, im Jahre 1842. Bürgermeistergattin Elsabe Esmarch war begeistert und spendierte mit anderen hochrangigen Frauen der Stadt ein Banner.

 Ein denkwürdiges Konzert fand am 23. März 1848 statt: Während der Chor Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ aufführte, drang die Kunde durch, dass eine provisorische Regierung in Kiel einberufen wurde, um die Herzogtümer Schleswig und Holstein von der dänischen Obrigkeit zu lösen und das Land als Einheit dem deutschen Bund anzuschließen. 60 junge Männer zogen daraufhin nach Norden, um mit anderen Aufständischen die dänische Festung in Rendsburg „einzunehmen“.

 Doch man sang nicht nur, um sich politisch in Stimmung zu bringen. Ein zweiter Männerchor, der Sängerclub von 1870/71, organisierte ab Mitte der 1880er Jahre Sängermaskeraden. Die waren so beliebt, dass der Zutritt reglementiert werden musste. Früh organisierten die Segeberger Sangesbrüder auch Sängerfeste. 1908 etwa kamen 2500 Sänger aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg zu einem dreitägigen Sängerfest in die Kalkbergstadt – mit Konzerten, Jahrmarkt und abendlichen Bällen in mehreren Gaststätten.

 Unter dem Namen „Männerchor Bad Segeberg von 1840“ traten die Sänger erst ab 1933 auf. Unter dem Druck der Nazis vereinten sich Liedertafel und Sängerclub von 1870/71, und fortan pflegte man, soweit nachvollziehbar, unpolitisches Liedgut, bis der Zweite Weltkrieg alle auseinanderriss.

 Nach Kriegsende halfen die überlebenden Männer, der Stadt kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu geben. Zu Konzerten – darunter eines im Kalkbergstadion – und Sängermaskeraden strömten Massen. Die Dirigenten Georg Alms und Adolf W. König (ab 1956) entwickelten den Klangkörper weiter, der 1958 für sein langjähriges kulturelles Schaffen vom Bundespräsidenten die Zelter-Plakette erhielt.

 „Revolutionär“ wurde der Männerchor Bad Segeberg im Jahr 1966: Als erster Männerchor in Schleswig-Holstein wurde eine Frau Dirigentin. Studienrätin Helga Dettmann brachte die Männer auf ein Niveau, das sie in Antwerpen sogar als Sieger eines internationalen Wettbewerbes hervorgehen ließ. Eine treibende Kraft war auch Bruno Haaks, 35 Jahre lang Vorsitzender. Er ermunterte die Sänger immer wieder zu Auslandsfahrten. So pflegten sie in Finnland, Tschechien, Österreich und Polen Kulturaustausch und Völkerverständigung.

 Wie schon einige Male in der Geschichte des Männerchores liegt das Durchschnittsalter gerade wieder einmal jenseits des Rentenalters. Doch nach wie vor begeistern die Sänger, derzeit 20 Tenöre und 15 Bässe, ihre Zuhörer mit ihrem Chorklang. An ihm feilen sie unter Leitung von Dorothea Dreessen mittwochs ab 19.30 Uhr in der Aula der Gemeinschaftsschule am Seminarweg. Evergreens wie die Capri-Fischer und Lieder der Comedian Harmonists werden einstudiert, aber auch Klassiker des Männergesangs wie Giuseppe Verdis „Gefangenenchor“ aus der Oper „Nabucco“ und Wolfgang Amadeus Mozarts „O Isis und Osiris“. Alles mit einer geselligen Note, zu der intensives Proben ebenso gehört wie das lockere „Pausenhopfen“ zwischendurch.

 Diese Mischung aus Kultur und Lebensfreude soll auch das Jubiläumsjahr bestimmen. So ist der Männerchor Bad Segeberg von 1840 wieder eine tragende Säule, wenn am Sonnabend, 13. Juni, 60 Chöre und 25 Bands aus dem Kreis Segeberg zum Sängerfest „Segeberg singt!“ in die Stadt kommen. Ein zweiter Höhepunkt ist ein Festkonzert am 16. Oktober im Vitalia-Seehotel mit dem Männerchor aus Bad Segebergs finnischer Partnerstadt Riihimäki, den Bad Segeberger Chören Trubadix sowie Vocalitas und mehr.

 Wer aktiv im Chor dabei sein möchte, kann sich an den Vorsitzenden Hans-Heinrich Heinsen wenden oder zu einer der Proben kommen.

 An viele Episoden aus der Geschichte des Männerchores Bad Segeberg soll eine Festschrift erinnern, die in diesen Wochen fertiggestellt wird. Wer noch Dokumente wie Fotos oder Listen von Chorsängern von seinem Vater oder Großvater hat, wird gebeten, sie zur Verfügung zu stellen. Auch für Druckkostenzuschüsse ist der Chor dankbar. Kontakt: 1. Vorsitzender Hans-Heinrich Heinsen (Telefon: 04555/694, info.maennerchor@web.de, www.maennerchorbadsegeberg.de).

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