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Gags zum Schlapplachen

Theater in Wahlstedt Gags zum Schlapplachen

Dass von ihm kein hochgeistiges oder gar politisches Kabarett zu erwarten ist, machte Markus Maria Profitlich gleich zu Beginn klar. Doch deswegen waren seine Fans auch nicht ins Kleine Theater gekommen. Profitlich steht für geradlinige und meist deftige Comedy. Einige Zuschauer lachten sich regelrecht schlapp.

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„Gibt es ein Leben nach dem Fünfzigsten?“ Dieser Frage ging Markus Maria Profitlich in seinem äußerst kurzweiligen Solo-Programm „Halbzeit“ im Kleinen Theater am Markt nach.

Quelle: Michael Stamp

Wahlstedt. „Wer ist denn hier über 50? Ich seh’ ja die ganzen Silberpudel...“ Markus Maria Profitlich ließ den Blick seiner charakteristisch rollenden Augen durch das Theater schweifen. Ja, tatsächlich: Da saß doch der eine oder andere Zuschauer, der seine „Halbzeit“ schon hinter sich hat – und genauso hieß das Solo-Programm des Komikers, der durch die TV-Sendungen „Wochenshow“ und „Mensch Markus“ bekannt geworden ist.

 Doch bevor Profitlich die Wahlstedter Bühne enterte, hatten per Videoeinspielung die Hollywood-Beaus George Clooney und Brad Pitt das Wort. „Ich hoffe, dass du nie wieder einen Fuß nach Hollywood setzt, Markus!“, erklärte Clooney laut Simultan-Übersetzer, denn jetzt könne er auch wieder die eine oder andere Rolle abbekommen. Ähnlich sah es Brad Pitt, dessen Ehefrau Angelina Jolie freimütig erzählte: „Mit Markus hatte ich meinen ersten Orgasmus!“

 Die gut 400 Zuschauer hatten also schon herzlich gelacht, als Profitlich auf der spartanisch eingerichteten Bühne erschien und sein sehr kurzweiliges 100-Minuten-Gagfeuerwerk abbrannte. Mehr als ihn selbst, den Menschen Markus, brauchte es auch nicht; der Mann ist im Gegensatz zu vielen anderen Stand-up-Komikern ein Vollblut-Schauspieler und noch äußerst wandlungsfähig dazu.

 Alles drehte sich um die „50er“ und die Erlebnisse in der Lebensmitte. „50 ist das neue 30!“, sagte der gebürtige Bonner selbstbewusst und fügte an: „Ich habe Dynamit im Blut statt Cholesterin.“ Ohnehin waren sowohl der Sprengstoff als auch Profitlichs Körperumfang für so manchen Gag gut. „Ich bin 150 Kilo Dynamit – meine Frau sagt nur: Mit ziemlich kurzer Zündschnur...“

 Das Schicksal der 50-Jährigen und etwas Älteren sei es doch, von Trümmerfrauen geboren und von den ersten Emanzen mit Doppelnamen aufgezogen worden zu sein, sagte Profitlich gut gelaunt. In den 70er Jahren, die auf Flower Power und Friedensbewegung folgten, habe er dann so manches Anti-Aggressionstraining machen müssen. „Wenn ich daran denke, werd’ ich schon wieder aggressiv.“

 Doch auch die heutige Zeit nahm Profitlich aufs Korn. So sei der Begriff „It-Girls“ die Abkürzung für „Intelligenz-Tabu-Girls“, die von morgens bis abends auf ihren Smartphones herumtickern.

 Auf der Bühne trug Profitlich eine dunkle Jeans (auch mal in Höhe der Kniekehlen, um die Jugendmode der Baggy-Pants zu erklären) und ein seeeehr weit geschnittenes schwarzes Hemd. Kostüme und Perücken kamen in den Einspielfilmen zum Tragen, die er immer mal wieder ins Programm einstreute. So hatte der Abend ein wenig von den bekannten Profitlich-Sketchparaden. Kinder kennen die Stimme des 55-Jährigen übrigens aus drei Walt-Disney-Animationsfilmen: „Die Unglaublichen“, „Himmel und Huhn“ sowie „Wall-E“.

 Die Wahlstedter Zuschauer erlebten Profitlich in einer kurzen Riverdance-Darbietung („Das wollen Sie nicht ohne Hemd sehen!“), in einem Aufklärungsgespräch quer durch die Menschheitsgeschichte und in einer Szene seines Lieblingsfilms „Tarzan“. Zwischendurch arbeitete sich der Komiker an den neuen Medien ab. So zeigte er, was man findet, wenn man im Internet bei Google nach dem Begriff „Arsch mit Falten“ sucht: ein Foto von Costa Cordalis. Großes Gelächter. Was Profitlich nicht sagte: Gleich dahinter folgt ein Foto von ihm selbst.

 Kleine und größere Gemeinheiten trafen Kult-Blondine Daniela Katzenberger („Silikon, Botox, Vakuum“) und Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards („Ein Mann wie ein Baum - in seinem Fall hat man die Jahresringe nach außen gestülpt“). Außerdem spielte Profitlich auf der Ukulele seine persönliche Version von „Kling Glöckchen Klingelingeling“ – zum Thema Intimpiercing. Der ausgiebig gepiercte Tokio-Hotel-Frontmann Bill Kaulitz bekam ebenfalls eine Breitseite ab: „Wenn der mal stirbt, kann man seine Urne schön als Rumba-Rassel benutzen.“

 Im Anschluss an das sehr unterhaltsame Programm traf sich Profitlich im Foyer mit seinen Fans und blieb so lange, bis auch der Letzte sein Autogramm und/oder Foto bekommen hatte. Kulturring-Vorsitzender Wilfried Jendis war begeistert: „Das hatten wir in 40 Jahren Theater so noch nie.“

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