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Marschierende erinnern an Leid

Kaltenkirchen Marschierende erinnern an Leid

Vor genau 70 Jahren, in den letzten Wochen und Tagen des Zweiten Weltkriegs, schickten die Nationalsozialisten Tausende KZ-Häftlinge auf sogenannte Todesmärsche. Mit einem „Marsch des Lebens“, der noch bis Sonntag dauert, wird zurzeit daran erinnert. Auch in Kaltenkirchen machten die Teilnehmer Station.

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Am Mittwochnachmittag trafen die Teilnehmer am „Marsch des Lebens“ in Kaltenkirchen ein. Die internationale Gruppe, zu der auch Nachfahren von Holocaust-Überlebenden zählen, möchte an die sogenannten Todesmärsche vor 70 Jahren erinnern.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Empfangen wurden sie von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, die sich in einer musikalischen Andacht zu ihrer eigenen Schuld in den Zeiten des Dritten Reichs bekannte.

 Als die Alliierten an allen Fronten vorrückten, wurden KZ-Häftlinge Anfang 1945 gezwungen, in andere Konzentrationslager zu marschieren, die noch im Einflussgebiet deutscher Truppen lagen. Die entkräfteten Menschen mussten teilweise Hunderte Kilometer zu Fuß zurücklegen. Zahllose Häftlinge waren diesen Strapazen nicht mehr gewachsen, stürzten und wurden daraufhin gnadenlos von ihren Bewachern erschossen.

 Ein solcher Todesmarsch führte damals auch über Hamburg, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Neumünster und Molfsee nach Kiel. Die Strecke geht in diesen Tagen eine internationale Gruppe nach; einige der Teilnehmer sind Nachfahren ehemaliger KZ-Häftlinge. Zum „Marsch des Lebens“ hatte der Verein „Christliche Israelfreunde Norddeutschlands und Hamburgs“ eingeladen.

 Am Mittwochnachmittag machte die Gruppe in Kaltenkirchen Halt. Der Gemeinderat der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde lud alle zur Stärkung ins Michaelishaus ein. Anschließend wechselten die Teilnehmer zur Andacht in die gegenüberliegende Kirche. Kantor Daniel Zimmermann spielte auf dem Flügel, Christiane Ascheberg auf der Oboe.

 Pastorin Martina Dittkrist erinnerte in ihrer Ansprache an die vielen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Dabei kam sie aber auch ganz konkret darauf zu sprechen, welche Rolle ein ehemaliger Kaltenkirchener Pastor während des Dritten Reiches spielte. Ernst Biberstein, der von 1924 bis 1933 in der Michaeliskirche predigte, befehligte später in der Ukraine die Ermordung Tausender Zivilisten. Um sich mit diesem dunklen Kapitel auseinanderzusetzen, hat der Kirchengemeinderat schon vor Jahren den „Arbeitskreis der Erinnerung“ gegründet. Als ein maßgebliches Ergebnis seines Wirkens wurde in der Andacht eine Gedenktafel für Bibersteins Opfer vorgestellt.

 Die Kirche war während der Feier nahezu voll besetzt. Die Andacht rief bei den Marschteilnehmern eine sehr positive Resonanz hervor. Einige kamen hinterher noch auf Pastorin Dittkrist zu und brachten zum Ausdruck, wie sehr sie die Feier berührt habe. Auch im Gästebuch unter der Gedenktafel finden sich bereits die ersten Einträge.

 Die Tafel hängt an einer Wand des Kirchenschiffs. Mit ihrem Wortlaut hat es sich der Kirchengemeinderat nicht leicht gemacht. Lange Diskussionen gab es darüber, ob Ernst Biberstein namentlich genannt werden sollte. Letztendlich entschied sich der Rat dagegen. Stattdessen rückte er die Opfer in den Mittelpunkt: „Wir wollten diesen Menschen einen herausragenden Platz in der Kirche geben – und nicht dem Täter“, erklärte Pastorin Dittkrist. Die Fakten hingegen würden klar benannt. Auch der Bezug zu Biberstein sei deutlich. Unmittelbar vor der Gedenktafel befindet sich ein Stehpult mit einem Gästebuch sowie einer Ausgabe des Werkes „Ernst Szymanowski-Biberstein. Die Spuren eines Kaltenkirchener Pastors“. Verfasser ist der Alvesloher Lokalhistoriker Gerhard Hoch.

 Der „Marsch des Lebens“ wurde gestern von Kaltenkirchen aus fortgesetzt, zunächst über Lentföhrden nach Bad Bramstedt. Am Sonntag soll es eine Abschlussveranstaltung mit Zeitzeugenbericht an der Gedenkstätte Nordmark in Kiel-Hassee geben.

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