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Es „bröckelt“ bei den Hausärzten

Medizinische Versorgung Es „bröckelt“ bei den Hausärzten

Die Hälfte der Hausärzte im Kreis Segeberg ist über 55 Jahre alt, ein Drittel sogar älter als 60, einige praktizieren noch mit Mitte 70. Ihretwegen gibt es noch ausreichend Praxen. Doch in absehbarer Zeit „bröckelt es gewaltig“, sagen Fachleute voraus.

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Die Hausarztpraxis, hier mit Dr. Dieter Freese in Bad Segeberg, ist für viele Patienten die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen.

Quelle: Petra Stöver

Kreis Segeberg. Wie die Bevölkerung insgesamt werden auch Hausärzte immer älter und weniger. Wie andere Fachkräfte ziehen auch Mediziner eher in die Stadt als aufs Land. Nachfolger für eine Praxis zu finden, wird immer schwerer. Und immer weniger Medizinstudenten wollen Hausarzt werden. Wer sich dennoch dafür entscheidet, möchte zu flexiblen Zeiten im Team arbeiten, sich aber keine Immobilie ans Bein binden. Alles weist also auf einen Landarztmangel hin.

 Noch ist es im Kreisgebiet allerdings nicht so dramatisch wie in Nordfriesland oder Dithmarschen. Hier können Patienten mit dem Pkw innerhalb von zehn Minuten eine Hausarztpraxis erreichen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in gut 20 Minuten – sofern ein Bus oder ein Zug fährt.

 Um die hausärztliche Versorgung vor allem in sehr ländlichen Gebieten des Kreises in den nächsten 15 Jahren ging es in einer Informationsveranstaltung des Kreises. Über die Ist-Situation und Perspektiven referierte Martin Albrecht (Büro GGR für Stadtentwicklung und Mobilität), über die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Tätigkeit Dr. Thomas Maurer (Hausärzteverband Schleswig-Holstein), über die Handlungsmöglichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) Bianca Hartz. Die Fortführung von Praxen als Zweitbetriebe, Hausarztzentren und kommunale Eigeneinrichtungen wurde den 55 Besuchern vorgestellt. Maurers Prognose: Es werde keine flächendeckende Renaissance der Hausarztpraxis geben, größere Einheiten würden kommen.

 Für die KVSH ist Segeberg kein Brennpunkt. Unter den Nägeln brennt es auch keiner der 27 Gemeinden rund um Bad Segeberg, machte Amtsvorsteherin Gretel Jürgens (Trave-Land) deutlich. Dabei hatte Albrecht mit Nehms, Geschendorf und Neuengörs „vordringliche Versorgungsrisiken“ im Segeberger Umland ausgemacht, außerdem in Lentföhrden und Ellerau/Alveslohe. Viel dringender fand Jürgens die Ausweitung von Bürgerbus-Touren. Das sah Maurer ähnlich. Er empfahl einen Bürgerbus, der Altenheime und diverse Praxen anfährt, sowie die Einstellung von Gemeindeschwestern.

 Entspannung brachte auch die Ankündigungen der Hausärzte Joachim Dautwitz (Stocksee) und Dr. Toni Koudmani (Hartenholm), ihre Töchter würden die jeweiligen Praxen übernehmen. „Weiter wie bisher“ könne es nicht gehen, sagte ihr Kollege Christian Kraus (Trappenkamp). Der sucht nach wie vor einen Nachfolger in der Gemeinschaftspraxis – und hat schon eine Hausarztpraxis geschlossen. Der Zweigbetrieb in Rickling sei nicht wirtschaftlich gewesen. Der Aufschrei war damals groß.

 Der Arzt im Dorf ist nicht nur für die Patienten wichtig, sondern bringt einen Image- und Standortfaktor mit sich. „Wer künftig einen Arzt im Dorf haben will, muss Geld in die Hand nehmen“, betonte Hausarzt Dr. Maurer.

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