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Radwegnetz zum Teil noch dünn

Mehr Geld für Reparaturen Radwegnetz zum Teil noch dünn

Der Kreis Segeberg ist ein Radlerparadies – theoretisch: schöne Landschaft, nur leicht hügelig. Doch manche Radwege sind marode. Der Kreis hat jetzt angekündigt, viel Geld in Reparaturen zu stecken. Mit dem Neubau hapert es aber.

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Birgit Grützner und ihr Sohn Johannes aus der Hauptstadt Berlin radelten durch den Nordosten des Kreises Segeberg und Krems II. Den Radweg mussten sie sich mit Fußgängern und Mofafahrern teilen. Birgit Grützner fiel auf, dass es wenige Radwege gibt und die kleinen Straßen viele Schlaglöcher haben. Entschädigt habe sie die schöne Natur. Generell seien die Radwege in Ostdeutschland in besserem Zustand und besser ausgeschildert.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. „Es gibt immer weniger finanzielle Förderung“, sagt Gernot Schramm, Pressesprecher des Kreises. Neu gebaut wurden seit etwa 2009 rund acht Kilometer. Das Radwegenetz an Kreisstraßen wuchs auf 90 Kilometer. Und auf der K36 (Boostedt), K104 (Kaltenkirchen) und K111 (Hitzhusen) wurden Schutzstreifen auf den Fahrbahnen angelegt.

 Der Kreis startete nun eine Offensive. Erstmals wurde ein Kreisradverkehrsbeauftragter berufen – Joachim Brunkhorst aus Norderstedt. Gemeinsam mit einem neuen Beirat will er bei Politik, Verwaltung und Straßenplanern für die Interessen der Radler eintreten. Außerdem strebt der Kreis an, künftig 200000 Euro pro Jahr in die Erneuerung von Radwegebelag zu stecken.

 Insgesamt ist das Netz an Radwegen an Kreisstraßen dünn. Es besteht meist nur in wenigen Abschnitten, etwa von Bad Bramstedt nach Boostedt, im Raum Kaltenkirchen/Henstedt-Ulzburg/Oering, im Gebiet Bad Segeberg/Wahlstedt/Rickling/Trappenkamp, und abzweigend von der B432 Richtung Ostsee.

 Durchgängig radeln kann man an der B432, der B206 und der B4. An Landesstraßen wurden Radwege vornehmlich im verkehrsreichen Süden und Westen des Kreises angelegt. Zusammengerechnet stehen den Radlern rund 800 Kilometer Radwege zur Verfügung, ausgeschildert an 1400 Wegweiserstationen.

 36 Rundtouren und drei Radfernwege führen durch das Kreisgebiet: Der Ochsenweg, der sich von Dänemark über Bad Bramstedt bis Wedel hinzieht, der Mönchsweg, der Glückstadt und Fehmarn verbindet, und die Touren der Holsteinischen Schweiz im Nordosten.

 Stark beeinflusst werden Neubau und Ausschilderung von Radwegen durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 2010. Demnach dürfen Radler nur dann dazu verpflichtet werden, auf einem bestehenden Radweg zu fahren, wenn „aufgrund besonderer örtlicher Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht“. Grundsätzlich sollen Radfahrer aber die Straße nutzen. Die Begründung: Auf Straßen gibt es weniger Radler-Unfälle als auf Radwegen, die von abbiegenden Autofahrern oft schlecht einsehbar sind. Die Konsequenz: Der Staat hält viele Radwege nicht mehr für notwendig, und zahlt auch seltener Zuschüsse für deren Bau.

 Diese Entwicklung kollidiert mit dem Trend, dass gleichzeitig das Radfahren immer beliebter wird. Immerhin 80 Prozent der Privathaushalte in Deutschland besitzen Fahrräder.

 Ein weiteres Problem liegt darin, dass Planer viele Interessen von Radfahrern unter einen Hut bringen müssen. Neue Radwege etwa sollen verkehrssicher sein, Fixpunkte direkt verbinden und die Radwegenetze keine Lücken haben. Den unterschiedlichen Bedürfnissen von Schülerverkehr, Rennradlern und Freizeitfahrern ist ebenfalls Rechnung zu tragen. Und die Wege sollten mindestens 1,50 Meter breit sein. Das ist, besonders in den eng bebauten Städten, manchmal nur auf Kosten der Autofahrbahnen oder Parkstreifen möglich.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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