19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Neues Denken im Kuhstall

Lentföhrden Neues Denken im Kuhstall

Die Marke „De Öko Melkburen“ steht für regionale Milch nach Bioland-Kriterien, hergestellt von drei Landwirten. Als die abfüllende Meierei in Horst vor dem Aus stand, wandelten sie das Unternehmen in Deutschlands erste Liefer- und Konsumgenossenschaft um. Dafür wurden sie mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis „Zeitzeichen-Unternehmen 2015“ ausgezeichnet.

Voriger Artikel
Großzügige Firmenspende
Nächster Artikel
Asyunterkunft fast fertig

Mausi genießt die Sonne auf der Wiese und lässt sich auch beim Foto-Termin mit Hans Möller nicht aus der Ruhe bringen.

Quelle: Lutz Timm

Lentföhrden. Landwirt Hans Möller hatte sich entschieden. Für eine ökologische Milchwirtschaft, gegen den Preiskampf mit der konventionellen Konkurrenz. Mit zwei Partnern baute er „De Melkburen“ auf.

 Wenn der 50-jährige Möller, in vierter Generation Landwirt, von seiner Milch spricht, wird er grundsätzlich. „Es ist ein Lebensmittel, nicht nur ein Produkt. Wir machen eine frische und lebendige Milch, die im Lauf des Jahres auch unterschiedlich schmeckt. Das ist ein großer Unterschied zu dem geschmackslosen weißen Zeug, das zu 99 Prozent in den Läden steht“, sagt er überzeugt. Dass Möller mittlerweile Vorsitzender einer bundesweit einzigartigen Meierei ist, war bei der Umstellung seines Betriebes auf biologische Landwirtschaft im Jahr 2000 nicht abzusehen.

 Von dem Nutzen einer ökologischen Ausrichtung ist Möller seit seiner Ausbildung überzeugt. „Ich habe damals gemerkt, dass 3500 Legehennen in einem Stall und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht zu mir passen“, sagte er. „Ich mache die Arbeit wieder wie mein Großvater.“ Doch die niedrigen Preise und ständige Schwankungen auf dem Markt für konventionell hergestellte Milch störten ihn zunehmend. 2011 gründete Möller mit seinen Partnern Achim Bock und Heino Dwinger „De Öko Melkburen“. Die Milch von ihren insgesamt 120 Kühen ließen sie in der Meierei Horst abfüllen. Um neben der traditionellen Verarbeitung auch den Bioland-Standard zu erhalten, investierten sie rund 200000 Euro in die Meierei.

 2013 dann der Schock: Die verbliebenen 35 Bauern der Meierei-Genossenschaft wollten den Betrieb aufgeben, um sich einer größeren Meierei anzuschließen – für ein bis zwei Cent mehr pro Liter. „Ich habe als kleiner Steppke erlebt, wie die Meierei in Lentföhrden platt gemacht wurde. Da hieß es auch, dass es bei den Großen mehr Geld gibt. Aber die Folgen sind die Vernichtung von Arbeitsplätzen, der regionalen Wirtschaft und Sachwerten im Ort“, ist Möller überzeugt. „Das gleiche drohte in Horst.“

 Viele Kunden der „Melkburen“ wollten sich jedoch nicht mit dem Aus abfinden und ermutigten sie zum Weitermachen. Die Landwirte entschlossen sich zum Kauf des 125 Jahre alten Traditionsbetriebs und überzeugten mit ihrem Konzept und den Unterschriften von rund 100 potenziellen Anteilseignern die Banken.

 „Am 11. Juli 2014 konnten wir den Vorstand und den Aufsichtsrat wählen. Viele der Unterstützer waren sofort bereit, Funktionen zu übernehmen“, erinnerte sich Möller. „Zu den 100 Gründungsmitgliedern sind 2015 schon 50 dazu gekommen.“ Alle Mitglieder verpflichten sich zum Kauf von mindestens sieben Anteilen à 77 Euro.

 Mit der Übernahme der Meierei konnten die zehn Arbeitsplätze gerettet werden und die Landwirte endlich so agieren, wie sie es für richtig halten. „Wir produzieren eine regionale und authentische Milch mit Gesicht und setzten auf das Zusammenwirken von Landwirten und Verbrauchern“, erklärt der Genossenschaftsvorsitzende. „Das erfordert allerdings auch ein neues Denken in der Wirtschaftsordnung.“ Um dieses Denken umzusetzen, hat die Genossenschaft verschiedene Kriterien für ihre Milchlieferanten formuliert: keine Gentechnik, keine prophylaktische Antibiotika-Behandlung, höchstens 30 Prozent Mais im Winterfutter und einen für Besucher offenen Hof. „Das ist das Ziel bis 2018. Dann wollen wir auch unseren konventionellen Landwirten 40 Cent pro Liter garantieren.“ Außerdem habe man den Spieß bei den Preisverhandlungen mit Händlern umgedreht. „Wir machen den Märkten Preisvorgaben, fest für mindestens ein Jahr. Dann können Handel, Transport, Meierei und die Bauern fair bezahlt werden.“

 Dividende ausschütten konnte die Meierei Horst noch nicht, aber Möller rechnet ab 2016 mit einem Eintritt in die Gewinnzone. „Die Menschen wollen gute Milch von kleinen Höfen, dann bezahlen sie auch einen angemessenen Preis“, glaubt er. „Und wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir die monetären Barrieren aus den Köpfen kriegen. Daher freue ich mich auch über den Zeitzeichen-Preis.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3