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Saurer Regen hat nachgelassen

Messstation Bornhöved Saurer Regen hat nachgelassen

Von einem Waldsterben war vor Jahren die Rede. Die Gefahr durch den sauren Regen ist zumindest für den Segeberger Raum gebannt. Das zeigen die Ergebnisse von zwei Messstationen bei Bornhöved und Ruhwinkel. Allerdings machen die vielen Nährstoffe dem Wald weiter Probleme.

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Spiralförmige Ringe an Buchenstämmen führen das Wasser in einem Gefäß zusammen. Die Wasserproben werden alle zwei Wochen gesammelt und zur Auswertung an die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen geschickt.

Quelle: Gerrit Sponholz

Bornhöved. Die Nährstoffe stammen teilweise aus der Landwirtschaft. Ein möglicher Ausweg: Weniger Fleisch essen, denn dann gibt es weniger Gülle produzierende Viehherden.

 Dazu rät Dr. Henning Meesenburg, Leiter des norddeutschen Waldforschungsprogramms „Intensives Umweltmonitoring“ der Nordwestdeutschen Förstlichen Versuchanstalt aus Göttingen. Diese Anstalt verfasste für Schleswig-Holstein nicht nur den jüngsten Waldzustandsbericht 2015, sondern betreibt auch die Messstationen bei Bornhöved. Sie sind die einzigen Monitoring-Standorte in Schleswig-Holstein.

 Auf einer offenen Koppel und einem angrenzenden 110 Jahre alten Buchenwald nahe Schmalensee und Belauer See sind seit gut 25 Jahren die zwei Messstationen installiert. Die Ergebnisse zeigen einen klaren Trend: Die Schadstoffbelastung ist stark gesunken.

 „Beim Säureeintrag haben wir seit 1989 einen Rückgang um rund 80 Prozent“, sagt Meesenburg. Damit sei ein für Boden und Pflanzen erträglicher Grad erreicht. Das Problem allerdings: In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich sehr viel Säure im Erdreich angesammelt. Bis sie abgebaut ist, würden noch Jahrzehnte vergehen. „Deshalb kann da noch keine Entwarnung gegeben werden.“

 Das einst befürchtete Szenario eines Waldsterbens sei aber abgewendet, sagt Meesenburg. „Es gab früher durchaus die Gefahr, dass die Wälder stark geschädigt werden“, die Gesellschaft habe aber noch rechtzeitig umgesteuert. So seien Autos mittlerweile mit Katalysatoren ausgerüstet. Landwirte würden Gülle nicht mehr breitflächig, sondern mit Schleppschläuchen bodennah und damit ohne viel Luftverwirbelung auf die Äcker bringen. Großkraftwerke hätten Entschwefelungsfilter eingebaut. „Da ist sehr viel erreicht worden“, lobt der Experte die Politik, Industrie, Agrarwirtschaft und Verbraucher.

 Mehr Sorgen bereitet Meesenburg die Belastung durch Nährstoffe wie Nitratstickstoff und Ammonium. Der Autoverkehr und die Landwirtschaft mit ihren Abgasen tragen wesentlich dazu bei. Hier sank die Last in den vergangenen 25 Jahren um 40 bis 50 Prozent, zeigen die Messdaten der Stationen bei Bornhöved, die zwar in schöner Natur liegen, aber auch im Einflussbereich der Windzufuhr aus fernen Industriegebieten. „Der Nährstoffeintrag ist immer noch zu hoch“, sagt Meesenburg. Die Belastung müsse noch einmal halbiert werden.

 Allein technische Filternachrüstungen bei Verkehrsfahrzeugen oder in landwirtschaftlichen Betrieben würden wohl nicht ausreichen, um das Ziel zu erreichen. „Wir müssen auch weniger Fleisch und Milchprodukte essen“, sagt der Experte. Denn dann könnte die Zahl der Rinder und Milchkühe reduziert werden, und es fielen weniger Gülle und Abgase an.

 Ein Zuviel an Nährstoffen sei gefährlich für Natur und Mensch, sagt der Wissenschaftler. Bäume wachsen schlecht. Sie entwickeln weniger Wurzeln und sind angreifbarer für Stürme, und sie sind gegen Insekten, Pilze und Frost schlechter geschützt. Menschen würden eines Tages die Flut an Nährstoffen spüren, sagt Meesenburg voraus. Die Stoffe versickern im Boden. Letztlich „gefährden sie unser Trinkwasser“.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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