25 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Mieter in Aufruhr

Henstedt-Ulzburg Mieter in Aufruhr

Mieter im Beckersbergring und deren Angehörige organisieren sich, um den Abriss ihrer Häuser zu verhindern. Denn der Eigentümer, die Soka-Bau, möchte das Quartier neu aufbauen. Ob die Fraktionen in der Gemeindevertretung für die Mieter Partei ergreifen werden, erscheint derzeit fraglich.

Voriger Artikel
135 von 136 am Ziel
Nächster Artikel
Ein Fest für die Vielfalt

Die Reihenhäuser am Beckersbergring sollen abgerissen werden. So hat es die Eigentümerin, das Unternehmen Soka-Bau, beschlossen.

Quelle: Heinrich Pantel

Henstedt-Ulzburg. Zu einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus eingeladen hatte Christian J. Engel. Er setzt sich für die in einem der Häuser wohnende Irena Halkjaer ein, seine Schwiegermutter. 38 Mieter erschienen. Einige waren verhindert, hieß es. Ein paar Häuser stehen leer, in anderen sind Asylbewerber untergebracht. Der Gastgeber und Moderator des Abends wies darauf hin, dass von 41 vorher Befragten 40 gegen den Plan der Soka-Bau seien. Ihm zufolge sollen 97 Reihenhäuser abgerissen werden, damit anschließend etwa 160 neue Wohneinheiten erstellt werden können, zum Teil in mehrgeschossigen Bauten.

 Aus der Gemeindevertretung gaben vier Mitglieder eine Stellungnahme ab: Jens Iversen (BFB), Jens Müller (CDU), Horst Ostwald (SPD) und Kurt Göttsch (WHU). Gravierende Unterschiede wurden dabei nicht deutlich. Alle wiesen auf die Rechtslage hin, dass der Eigentümer grundsätzlich Veränderungen vornehmen könne. Betont wurde unisono, dass das Vorhaben sozialverträglich zu gestalten sei. Vor der Umgestaltung des Wohnquartiers müsse ein Bebauungsplan aufgestellt werden; da könne der Gemeinderat Einfluss nehmen. Horst Ostwald sagte: „Zu guter Letzt wird die Politik entscheiden.“

 Jens Iversen erklärte: „Aus städtebaulicher Sicht ist das Vorhaben der Soka-Bau gutzuheißen.“ Das sehen die Bewohner mit großer Mehrheit aber anders. Eine Auswahl der Wortmeldungen: „Der Charakter des Quartiers wird zerstört. Grünanlagen gehen verloren.“ – „Das ist grün. Das soll grün bleiben.“ – „Ein Großteil der Häuser ist total erneuert. Es geht nur um Verdichtung.“ – „Verdichtung führt zu noch mehr Verkehr. Der ist in Henstedt-Ulzburg jetzt schon fast nicht mehr zu ertragen.“

 Irena Halkjaer wies auf eine von ihr gestartete Unterschriftenaktion hin. Bisher haben 668 Bürger aus dem Ort für den Erhalt der Reihenhäuser unterzeichnet. Die Initiatorin kündigte an, mindestens 2000 Stimmen einzuwerben. „Ich mache weiter“, bekräftigte sie. Die Seniorin versicherte, dass alle von ihr Angesprochenen viel Verständnis für die Mieter aufbrächten. Diese wiederum lassen im Ringen um ihre Interessen nicht nach.

 Rechtsanwalt Patrick Ahlers, zur fachmännischen Beratung eingeladen, wies auf juristische Aspekte des Streits hin. Ähnlich wie die Politiker stellte er klar: „Der Eigentümer kann machen, was er will, wenn er sich an bestehende Gesetze hält.“ Ebenso deutlich sagte er: „Die Mieter haben auch Rechte.“ Um sie gezielter vertreten zu können, empfahl er, Rechtsschutz zu suchen. Eine recht konkrete Angabe schickte er hinterher: „Pro Rechtsstreit und Instanz entstehen Kosten zwischen etwa 2500 und 2900 Euro.“

 Um die eigenen Belange gezielter vertreten zu können, wählten die Mieter aus ihrer Mitte vier Vertreter: Jens Daberkow, Christian J. Engel, Walter Heitmann und Gernot Willsch. Sie stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Engel hat bereits eine Internetseite eingerichtet: www.beckersbergring.de.

 Konkrete Pläne der Soka-Bau liegen noch nicht vor. Sie hat sich inzwischen mit der Gemeindeverwaltung darauf verständigt, das Bauvorhaben um drei Jahre zu verschieben. In einem Schreiben des Unternehmens an Christian Engel wird als Begründung unter anderem angegeben, dass damit die Flüchtlingspolitik der Gemeinde unterstützt werden solle. Denn in frei werdenden Mietshäusern dürfen in den kommenden Jahren Asylbewerber wohnen. Daher kann die Gemeinde zurzeit noch davon ausgehen, keine Unterkünfte für Flüchtlinge bauen zu müssen.

 Die Verhandlungsposition der Mieter sieht Engel durch die zeitliche Verschiebung nicht gestärkt. Er strebt an, dass sich der Plan der Soka-Bau nicht mehr für das Unternehmen rechnet. „Würde die Politik mehr als zweigeschossiges Bauen nicht erlauben, wäre das Ziel erreicht“, fügte er hinzu. Seiner Einschätzung nach würden bereits neue Heizungen in vielen Fällen eine aufwendige Sanierung der Reihenhäuser überflüssig machen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3