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Lactoprot expandiert

Leezen. Kaltenkirchen Lactoprot expandiert

Das Milch verarbeitende Unternehmen Lactoprot hat große Pläne für seine zwei Standorte.

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Lactoprot möchte seine Anlage in Leezen erweitern.

Leezen / Kaltenkirchen. Die Betriebsstelle von Lactoprot in Leezen soll möglichst rasch ausgebaut werden. Deshalb ist auch eine Erweiterung des Klärwerks des Amtes Leezen in Neversdorf nötig. Und die Betriebsstelle in Kaltenkirchen wird eines noch unbestimmten Tages in Kaltenkirchen oder der Umgebung neu wiedererrichtet.

 Es sei aber noch nichts entschieden, vieles noch in der Planung und nicht terminiert, sagt Steffen Rode, einer der beiden Lactoprot-Geschäftsführer. Denn viele Probleme sind zu bewältigen, etwa in Leezen. Dort hatte Lactoprot vor gut zehn Jahren die stillgelegte Meierei übernommen. Sie liegt mitten im Ort, umgeben von Amtsbauten, Feuerwehrhaus, Geschäften und Wohngebäuden. Seit 2004 werden aus Milch Produkte wie Milcheiweiß für die Lebensmittelindustrie gewonnen. Die Verarbeitung wuchs auf derzeit eine halbe Million Liter pro Tag. „Bislang haben wir in Leezen 30 Millionen Euro investiert“, sagt Rode. Er will noch einen weiteren Produktionsturm errichten und auf einem hinzugekauften angrenzenden Grundstück eine Lagerhalle bauen. Schon jetzt laufe der Betrieb „extrem am Limit“, sagt Rode. Denn weil die Milch in immer weitere Teile zerlegt, also veredelt wird, fällt mehr Abwasser an.

 Doch das Klärwerk in Neversdorf für Leezen, Neversdorf, Groß Niendorf und Bebensee läuft schon an der Kapazitätsgrenze. In eine technische Vorklärung des Lactoprot-Abwassers und eine neue Rohrleitung von Leezen nach Neversdorf würde Lactoprot auf eigene Kosten rund 2 Millionen Euro investieren. Das rechnet sich, sagt Rode. Lactoprot müsse bislang viel Abwasser per Lkw in andere Kläranlagen fahren.

 Seit Monaten laufen Gespräche, rechtlich die Sache auf den Weg zu bringen. Denn auf die Abwassergebühren der anderen Anschlussteilnehmer solle sich der Ausbau nicht auswirken, sagen Rode und Leezens Bürgermeister und Amtsvorsteher Ulrich Schulz gleichermaßen.

 Haushalte zahlen derzeit 2,40 Euro pro Kubikmeter Abwasser, sagt Schulz. Das liege im Mittelfeld der üblichen Gebühren. Steigen wird der Betrag aber wohl aus einem anderen Grund. Unabhängig von Lactoprots Plänen muss eine alte Pumpe in Leezen samt Schacht erneuert werden. Das könnte rund 400000 Euro kosten.

 Schulz sorgt sich, dass mit Lactoprots Ausbau der Klärwerksbetrieb abhängiger von einem Großeinleiter wird. Was passiert, wenn es die Firma plötzlich nicht mehr im Ort gibt? Wer trägt dann die hohen Betriebskosten?

 Außerdem hatte das Klärwerk schon mal Schlagzeilen gemacht. 1991 kippte es nach monatelanger Überlastung durch Einleitungen der damaligen Meierei, dem Vorgängerbetrieb von Lactoprot. Meierei-Geschäftsführer und Amtsvorsteher, die damals im Amt waren, hatten sogar Verfahren wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung am Hals, die gegen Zahlung von Geldbußen aber eingestellt wurden. Die Klärprobleme wurden beseitigt, indem die Meierei eine eigene Vorkläranlage auf ihrem Gelände baute. Außerdem wurde die Leistungskraft des Klärwerks über die Jahrzehnte mit Millionenaufwand ausgebaut.

 Doch all das reicht heute nicht mehr. Derzeit arbeitet die Anlage am Limit, sagt Bürgermeister Schulz. Die Kapazitätsgrenze liege bei 8400 sogenannten Einwohnergleichwerten. Rund 3500 davon nutzt Lactoprot. Die Firma benötigt ein Vielfaches, heißt es aus dem Unternehmen.

 Außerdem möchte Lactoprot in Leezen ein Lager auf einem angrenzenden Wohngrundstück bauen, das am Heiderfelder Weg an der Betriebshofgrenze liegt. Der Bauausschuss von Leezen bereit einen Bebauungsplan vor. „Wir wollen dort Gewerbe und Wohnen erhalten“, sagt Bürgermeister Schulz, „keinen Riesenhalle.“

 Andererseits will die Gemeinde dem Unternehmen auch keine Steine in den Weg legen. Die Auslastung des Klärwerks durch Lactoprot trägt dazu bei, dass die Abwassergebühren stabil und niedrig bleiben würden. Außerdem nimmt Leezen Steuern vom Unternehmen ein.

 Laut Geschäftsführer Rode arbeiten bei Lactoprot rund 180 Kräfte, etwa die Hälfte in Leezen. Sein Betrieb biete dort modernste Arbeitsplätze, will zehn neue Arbeitsplätze schaffen. Er sucht händeringend Auszubildende für Groß- und Außenhandel, milchwirtschaftliche Laboranten und Milchtechnologen. Auf dem Gelände, sagt Rode stolz, stehe auch das in seiner Größenklasse modernste Blockheizkraftwerk Europas.

 Den Standort Leezen, obwohl so beengt gelegen, will Rode nicht aufgeben. Dazu sei zu viel Geld reingesteckt worden. „Aber wir kommen an Grenzen.“ Seine Idee: „Irgendwann brauchen wir einen neuen Standort.“ Die Betriebsstelle in Kaltenkirchen könnte geschlossen werden, aber nur, um ihn dort in der Stadt oder der Umgebung neu wiederaufzubauen. „Den Standort Leezen würden wir auf seinem Stand zu jenem Zeitpunkt einfrieren, aber nicht schließen.“

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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