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Ehemann bestreitet Tat weiterhin

Gewaltverbrechen in Schackendorf Ehemann bestreitet Tat weiterhin

Kein Tatort, keine Tatwaffe, kein Geständnis: Im Fall der getöteten Nadine L. (34) aus Schackendorf arbeitet die Kieler Mordkommission weiterhin fieberhaft daran, die Wahrheit herauszufinden. Der 47-jährige Ehemann Volker L. sitzt seit Freitag in Untersuchungshaft.

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Polizisten suchen nach Beweismitteln im Gebüsch.

Quelle: Michael Stamp

Schackendorf. Am Montag rollten immer wieder Fahrzeuge mit Kieler Nummernschild vor das Mehrfamilienhaus, in dem das Ehepaar mit seinem dreieinhalb Jahre alten Sohn lebte. Der Junge ist vom Jugendamt in einer weiter entfernt wohnenden Pflegefamilie untergebracht worden.

Wie Oberstaatsanwalt Axel Bieler auf Nachfrage der Segeberger Zeitung erklärte, gestalteten sich die Ermittlungen äußerst aufwändig. „Die Motivlage ist sehr dünn und unklar. Wir arbeiten alle mit Hochdruck – und das ist keine Floskel.“ Der Beschuldigte bestreite nach wie vor jede Beteiligung am gewaltsamen Tod seiner Frau.

Am Wohnhaus der Familie L. sucht die Polizei nach Spuren.

Quelle: Gunnar Müller

Volker L. hält an seiner Version fest: Er selbst habe sich am Donnerstag mit einem Nachbarn auf die Suche nach der Vermissten begeben und sie beim Abgehen ihrer bekannten Gassi-Wege gefunden – tot und mit schwersten Kopfverletzungen. D ennoch sahen sowohl Staatsanwaltschaft als auch der Haftrichter ausreichend Gründe, den 47-Jährigen in Haft zu nehmen. Laut Bieler besteht ein dringender Tatverdacht.

Tatort wird weiterhin abgesucht

Aktuell stehen die Kriminalbeamten vor zwei wesentlichen Fragen: Wo genau ist Nadine L. ums Leben gekommen? Und wo ist die Waffe, mit der ihr die furchtbaren Verletzungen zugefügt worden sind? Nachdem am Freitag bereits rund 35 Einsatzkräfte der Hundertschaft aus Eutin den Fundort des Leichnams am Birkenweg neben der A21 akribisch – und offenbar erfolglos – auf Spuren der Tat durchsucht hatten, nahmen sich die Experten der Bezirkskriminalinspektion nun Wohnung und Grundstück vor. Wie die SZ erfuhr, sollen die Arbeiten in dem Gebäude noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Aufklärung dürfte sich noch hinziehen

Bieler geht ohnehin nicht von einer schnellen Klärung aus. „Wir haben rechtsmedizinische und kriminaltechnische Gutachten in Auftrag gegeben. Das wird noch geraume Zeit dauern.“ Der Oberstaatsanwalt spricht stets von einem „vorsätzlichen Tötungsdelikt“. Hinter den Kulissen gilt aber als wahrscheinlich, dass es sich hier im Sinne des Gesetzes um einen Mord handelt. Weil noch niemand weiß, wie sich die Tat genau abgespielt hat, dürfte Heimtücke nur schwer zu belegen sein; und wenn der Ehemann der Täter war und der Fundort in Richtung Sexualverbrechen nur inszeniert wurde, fällt auch das Motiv eines Triebtäters aus.

Mordlust und eine Tat mit für die Allgemeinheit gefährlichen Mitteln dürften ebenfalls nicht zum Tragen kommen. Damit spielen wahrscheinlich die im Mordparagrafen erwähnten „niederen Beweggründe“ eine entscheidende Rolle. Offenbar sprechen vor allem die Schwere der Verletzungen und die Wut, mit der auf die 34-jährige Mutter eingeschlagen wurde, sehr dafür, dass es zwischen Täter und Opfer eine emotionale Verbindung gegeben haben muss. Klar ist auch, dass am eigentlichen Tatort sehr viel Blut geflossen sein muss.

Geklärt ist eine Frage, die erstaunlich viele Menschen beschäftigt hat: die nach dem Schicksal des Hundes. Dem Vierbeiner geht es gut, er befindet sich im Tierheim. Ob Nadine L. am Mittwoch tatsächlich Gassi gegangen war, ist eher zweifelhaft. Am Birkenweg fanden sich keine Hundespuren.

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Ein Artikel von
Thorsten Beck

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