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Nabucco in Segeberg: Romantisch, aber ganz schön frisch

Klassik Open Air Nabucco in Segeberg: Romantisch, aber ganz schön frisch

Zwar war es für die Fans von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ wegen der widrigen Wetterverhältnisse ein kühles Freilandevent, aber die wahren Musikliebhaber kamen mit Ostfriesennerz, Wolldecken und Gummistiefeln zum Klassik Open Air in Bad Segeberg.

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"Nabucco" wurde als Klassik Open Air in Bad Segeberg aufgeführt.

Quelle: Friederike Kramer

Bad Segeberg. Das gab es noch nie auf dem Landesturnierplatz – wo sich sonst die Pferde messen, wetteiferten Bariton-, Tenor- und Sopranstimmen. Zwar war es für die Fans von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ wegen der widrigen Wetterverhältnisse mit Nieselregen und Kälte ein kühles musikalisches Freilandevent, aber die wahren Musikliebhaber kamen mit Ostfriesennerz, Wolldecken und Gummistiefeln und blieben die drei Stunden auf ihren Plätzen sitzen. Die Aufführung der polnischen Festspieloper Bytom unter Leitung von Tadeusz Serafin wurde von Michael Kmoch produziert. Melinda Thompson aus Kiel hatte die künstlerische Leitung inne.

„Nabucco“ nach dem Libretto von Temistocle Solera entführt in die alttestamentarische Geschichte von der Einnahme Jerusalems durch den Babylonierkönig Nebukadnezar (Nabucco) im Jahr 587 vor Christi. Liebe, Sehnsucht, Hass und Rache sind die Motive, um die sich die Handlung spannt. Letztendlich macht sich Nabucco selbst zum Gott, verfällt dem Wahnsinn und wird durch Bekehrung geläutert zum Gott der Hebräer.

Der berühmte Chor der gefangenen Juden im babylonischen Exil  „Va, pensiere, sull’ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“) ist der mitreißend-kraftvolle Höhepunkt der Oper, den Verdi als Patriot aufgriff. Hier beklagen die Hebräer ihre verlorene Heimat („Grüß mir die Ufer des Jordan“). Das traf bei der Uraufführung 1842 in Mailand schon den Nerv der damaligen Zeit im damals von Österreich besetzten Gebiet der Lombardei. Die Arie wurde sofort nach der Premiere ein Gassenhauer und  später sogar als italienische Hymne in Erwägung gezogen. Und bei Verdis Beerdigung im Jahr 1901 stimmten Tausende unter dem Dirigenten Arturo Toscanini noch einmal diesen Chor an. Auch auf der Rennkoppel summten so einige Opernbegeisterte die Melodie mit.

Hier sehen Sie Bilder vom Klassik Open Air in Bad Segeberg: Nabucco.

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Alle Sänger in Bad Segeberg bewiesen ein recht hohes künstlerisches Niveau und die Harmonie und das Zusammenspiel im 25-köpfigen Orchester stimmte auch. Ganz oben in der Publikumsgunst brillierte aber der vierstimmige Chor, der mit viel Stimmeinsatz und Volumen fesselte und auch optisch mit nachempfundenen biblischen Prunkkostümen begeisterte, die allerdings manchmal etwas lustig wirkten wie bei den Soldaten, die so etwas wie einen Gartenschlauch um den Hals und auf dem Kopf so eine Art Hermeskappe trugen. In der Rolle des Nabucco begeisterte der Bariton Adam Wozniak. „Dio di Giuda!“ (Gott der Juden) konnte das Publikum nicht besser berühren.

Als seine angeblich erstgeborene Tochter Abigaille überzeugte die Sopranistin Malgorzata Knec-Adjukiewicz, die wie die zweitgeborene Tochter Fenena (Mezzosopranistin Iwona Noszczyk) manchmal leichte Schwierigkeiten in den hohen Tönen hatte. Mit seiner Tenorstimme glänzte Sylwester Kostecki als Ismaele, den die beiden Töchter lieben und mit seiner großartigen Stimme war  Cezary Biedsiadecki ein idealer Pontifex Zaccaria.

„Das sind herrlich-farbenfrohe Kostüme der Sänger auf der Bühne mit den steinernen babylonischen Götterfiguren,“ schwärmten Sabine Ward aus Bad Oldesloe, Lena Börn aus Lübeck und Melanie Sinning aus Hohen, die sich bei einem heißen Kaffee in der Pause aufwärmten, „und wie romantisch ist es hier in der Grünanlage, aber leider viel zu kalt!“ Die Leiterin der Kreismusikschule Segeberg, Christine Braun meinte, dass diese Oper in der Reitanlage eine wunderbare Bereicherung für Bad Segeberg sei. „Ich würde mich freuen, wenn das Tradition werden könnte“.

Am Ende gab es großen Applaus der 800 Gäste und als Zugabe den Gefangenenchor!

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