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Das tödliche Ende eines Fluges

Mit Video Das tödliche Ende eines Fluges

Es sollte ein ganz normaler Übungsflug werden. Kurz nach 19 Uhr war der Hubschrauber „Pirol 840“ vom Flugplatz der Bundespolizei in Fuhlendorf gestartet. Die dreiköpfige Besatzung hatte einen Trainingsauftrag. Beim Rückflug kam es dann gegen 20 Uhr zur Katastrophe.

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Ein Hubschrauber der Bundespolizei war am Donnerstag in Bimöhlen abgestürzt. Die Auswertung des Flugschreibers kann Monate dauern.

Quelle: Einar Behn

Bimöhlen. „Der Hubschrauber stand in der Luft und ist dann aus einer Höhe von 300 bis 400 Fuß abgestürzt. Das haben Zeugen berichtet“, sagt Axel Rokohl. Der Unfallermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig ist mit zwei Kollegen am Freitag zum Unglücksort gekommen. Die Zeugen sind Dorfbewohner aus Bimöhlen und Fußballspieler, die zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem 100 Meter entfernten Sportplatz trainierten. „Die Fußballspieler haben Großartiges geleistet. Zwei von ihnen sind sofort zur Maschine und haben den verletzten Piloten herausgezogen“, sagt Andreas Görs, Leiter der Polizeidirektion Bad Segeberg. Wenige Augenblicke später sind auch die Feuerwehrleute aus Bimöhlen bei dem Wrack.

Während der 31 Jahre alte Pilot mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus kam, gab es für den 33-jährigen Copiloten und einen 42-jährigen Beamten im Hubschrauber keine Rettung. „Sie waren vermutlich sofort tot“, sagte ein Ermittler. Beide hatten ihren Platz auf der linken Seite der Maschine, mit der sich der Hubschrauber in den Acker bohrte. Bei dem Absturz aus etwa 120 bis 130 Metern Höhe soll sich die Maschine gedreht haben. Gab es möglicherweise einen Ausfall des Heckrotors?

In Bimöhlen (Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein) ist ein Hubschrauber abgestürzt. Hier sehen Sie Bilder.

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„Das ist jetzt alles Spekulation“, sagte Ermittler Rokohl. Gründlichkeit vor Schnelligkeit ist für Rokohl und sein Team der Leitfaden. Zunächst werden Daten gesammelt. „Wir haben hier einen Cockpit-Voicerekorder, der die Gespräche im Cockpit aufzeichnet“, erklärte der BFU-Mann. Außerdem gebe es ein Gerät, dass die Betriebsstunden aufzeichnet. Über den markanten roten Flugschreiber (Black Box) verfügen diese Hubschrauber nicht. Akribisch wird deshalb jedes Wrackstück eingesammelt. Welche Stellung hat die Antriebswelle des Heckrotors? Wie sieht der Rotorkopf aus? Wie stehen die Schalter im Cockpit? Alles wird fotografiert. Erleichtert wird die Arbeit durch die Tatsache, dass die Maschine beim Aufprall nicht explodiert ist. Der Hubschrauber hat einen selbstabdichtenden Tank, der einen Ausbruch von Feuer erschwert.

In Bimöhlen (Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein) ist ein Hubschrauber abgestürzt. Hier sehen Sie Bilder.

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Erst nach dem Okay der Ermittler konnte die Feuerwehr das Wrack vom Acker ziehen. „Wir bringen die Maschine in eine Halle der Bundespolizei in Bad Bramstedt. Dort gehen die Ermittlungen weiter“, erklärte Rokohl. Er kennt die Puzzlearbeit. Er war auch beim schlimmsten Absturz mit einem Polizei-Hubschrauber dieses Typs EC135 im schottischen Glasgow vor drei Jahren vor Ort. 170 Abstürze hat er in zehn Jahren bereits untersucht.

 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Kiels Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) besuchten am Freitag den Unglücksort, gingen mit versteinerten Mienen um das Wrack und ließen sich von Polizeioffizieren der Fliegerstaffel die Details erklären. „Unsere Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen. Wir bangen auch um das Leben des schwer verletzten Polizisten“, sagte der Minister. Er nahm sich viel Zeit für Gespräche mit den Polizisten. Beileidsbekundungen kamen auch vom Ministerpräsident Torsten Albig und dem Landesinnenminister Stefan Studt (beide SPD).

Innenstaatssekretärin Söller-Winkler bestätigte, dass der Hubschrauber an einer Übung mit dem Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) der Landespolizisten teilgenommen hatte. Dieser tragische Vorfall habe auch die Kollegen der Landespolizei sehr betroffen gemacht. „Unsere Beamten arbeiten eng mit den Kollegen der Bundespolizei zusammen. Da kennt man sich gut“, sagte Söller. Am Fliegerhorst Fuhlendorf herrschte am Freitag Ruhe. Am Morgen gab es eine Andacht auf dem Flugplatz. Der Flugbetrieb der Fliegerstaffel Nord der Bundespolizei ist ausgesetzt, bis Anhaltspunkte zur Ursache des Absturzes vorliegen.

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Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Unglück in Bimöhlen
Foto: In Bimöhlen ist am Donnerstag gegen 20 Uhr ein Hubschrauber der Bundespolizei abgestürzt.

Sie waren nur wenige Kilometer von ihrem Stützpunkt entfernt, als sich das Unglück ereignete. Beim Absturz eines Hubschraubers der Bundespolizei sind am Donnerstagabend nahe der A7 bei Bimöhlen (Kreis Segeberg) zwei Menschen ums Leben gekommen.

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