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Bundesweiter Zuspruch für Oersdorfs Bürgermeister

Nach der Knüppelattacke Bundesweiter Zuspruch für Oersdorfs Bürgermeister

Immer noch überwältigt ist Bürgermeister Joachim Kebschull von den Reaktionen, die ihn seit dem Überfall am 29. September täglich erreichen. „Im Amt ist sogar eine Mail von den Phillipinen eingetroffen, in dem mir Mut gemacht wird“, berichtet der 61-Jährige.

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Bürgermeister Joachim Kebschull ist nach dem Überfall auf ihn wieder im Amt. Auch dank professioneller Hilfe bearbeite er „die Situation offensiv“.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Oersdorf. Ein bisher nicht gefasster Täter hatte Kebschull unmittelbar vor der Sitzung des Bauausschusses vor dem Gemeindehaus mit einem Knüppel hinterrücks niedergeschlagen. Er hatte daraufhin das Bewusstsein verloren und kam per Rettungswagen in eine Klinik. Inzwischen ist er wieder vollkommen genesen.

 Hintergrund der brutalen Attacke sind – davon geht Kebschull aus – die Pläne, in einem Haus der Gemeinde Flüchtlinge unterzubringen. Diese Idee war allerdings zwischenzeitlich verworfen worden. Dennoch kamen in regelmäßigen Abständen Drohbriefe gegen Amt und Bürgermeister. Zwei Sitzungen des zuständigen Ausschusses wurden abgesagt, die Polizei rückte nach Bombendrohungen mit Spürhunden nach Oersdorf an. Diese Drohungen gipfelten in dem Überfall auf Kebschull.

 Das deutschlandweite Medienecho hat den ehrenamtlichen Bürgermeister sehr überrascht, einige Auftritte und Interviews bereut er mittlerweile etwas. Er fühlte sich und sein Heimatort nicht immer richtig dargestellt. „So ein Riesenecho habe ich nie für möglich gehalten.“ Eine Woche nach dem Überfall hatte Kebschull sich in einer Pressekonferenz erstmals selbst geäußert. Inzwischen ist wieder etwas Zeit ins Land gegangen. „Langsam komme ich wieder zurück ins normale Bürgermeisterleben.“ Kebschull hat seine ehrenamtliche Tätigkeit relativ früh wieder aufgenommen und fühlt sich in der Lage, seine Arbeit zu bewältigen. Hauptberuflich arbeitet Kebschull im EDV-Bereich. Zudem ist er im Waldorfkindergarten Kaltenkirchen tätig.

Misstrauen bleibt nicht aus

 In Oersdorf ist der Überfall natürlich immer noch ein Thema, gerade weil der Täter bislang nicht gefasst wurde. „Misstrauen bleibt da nicht aus“, bedauert Kebschull. Aber die Bürger stehen zusammen. Nachdem er aus der Klinik wieder nach Hause in sein Oersdorf gekommen war, hätten sich viele Bürger zurückgehalten und ihm die Ruhe gegeben, die er nach dem ersten Schock brauchte. „Aber es gab viele Zeichen, dass das Dorf hinter seinem Bürgermeister steht.“

 Die Reaktionen von Menschen aus ganz Deutschland überwältigen ihn und zeigen ihm, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“. Grenzen dürften in einer Demokratie nicht überschritten werden, der Überfall auf ihn sei nicht hinnehmbar. Dieser Meinung sind viele andere Amtsinhaber aus dem ganzen Kreis Segeberg und haben sich bei Kebschull gemeldet. „Auch wenn wir vielleicht bei anderen Themen unterschiedlicher Meinung sind, hierin herrscht Einigkeit“, sagt er . Er verurteilt scharf Parteien wie die AfD, die bewusst menschenverachtende Parolen verbreiteten. Und warnt die demokratischen Parteien davor, in dieselbe Kerbe zu schlagen, nur um Wählerstimmen zu ergattern.

 Kebschull betont, dass es in Oersdorf und Umgebung keine rechte Szene gebe, die für diese Tat verantwortlich sein könnte. „Das muss ein verwirrter Mensch sein. Die Polizei, die vor Ort verstärkt Streife fährt, ermittelt unter Hochdruck. Es gibt laut Kebschull allerdings keine neuen Erkenntnisse. Dennoch haben er und seine Familie kein ungutes Gefühl, wenn sie sich in Oersdorf bewegen. „Ich habe professionelle Hilfe in Anspruch genommen und bearbeite die Situation offensiv“, sagt er. Die große Unterstützung im Kollegen- und Bekanntenkreis sowie von völlig Fremden sei ihm eine große Hilfe. „Das gibt uns Kraft und Stärke.“ Er bedankt sich für alle aufmunternden Briefe und Mails. „Die kann ich gar nicht alle beantworten.“

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Oersdorf
Bürgermeister Joachim Kebschull (links) im Gespräch mit seinem Vorgänger Wilfried Mündlein.

Eine Woche, nachdem ein bislang Unbekannter Oersdorfs Bürgermeister Joachim Kebschull auf dem Parkplatz vor dem Feuerwehrgerätehaus bewusstlos schlug, nahm er erstmals wieder an einer politischen Sitzung teil. Die Strapazen der vergangenen Tage waren dem 61-Jährigen anzusehen.

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