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Die Schüler waren erschüttert

Nahe Die Schüler waren erschüttert

Schüler der fünften bis zehnten Klassen der Schule im Alsterland in Nahe hatten die Möglichkeit, drei Flüchtlinge aus Syrien persönlich kennenzulernen. Die Jungen und Mädchen hatten viele Fragen. „Es ist gut hier, hier ist Frieden“, lautete eine Antwort, „aber hier ist auch immer Winter.“

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Die Syrer (von links nach rechts) Mohamad Abbasi, Wassim Al Wanni sowie Walid Ayesh mit seinem Sohn Karam sind nach beschwerlicher Flucht glücklich in Deutschland angekommen und werden von Manfred Räker (Mitte) von der Flüchtlingshilfe betreut. Schulleiter Sönke Thormählen (rechts) freute sich, seinen Schülern einmal einen etwas anderen Unterricht präsentieren zu können.

Quelle: Gudrun Ehlers

Nahe.  Fremdes ist nur fremd, bis man es kennenlernt – eine Feststellung, die gerade in diesen Tagen von großer Bedeutung ist. Sönke Thormählen, Leiter der Schule im Alsterland, stellte sie an den Anfang einer Diskussionsrunde, in der  die Syrer Walid Ayesh (33) mit seinem Sohn Karam (4), Mohamad Abbasi (26) und Wassim Al Wanni (26) eingeladen waren. Sie erzählten den Jugendlichen von ihrer Flucht und von ihrer Heimat. Und davon, wie es ihnen jetzt hier in Deutschland ergeht.

 Mit einem lauten „Moin moin“ begrüßte Walid Ayesh die jungen Zuhörer und zeigte damit gleich, dass er sich schon norddeutsche Gepflogenheiten angeeignet hat. Er und seine syrischen Landsleute sind seit 14 Monaten in Deutschland. Erst vor kurzem haben sie die Gelegenheit bekommen, auf einer Sprachschule in Hamburg die deutsche Sprache zu erlernen. Alle drei wollen gerne weiter studieren.

 Locker und trotz des erst kürzlich angefangenen Sprachunterrichtes gut verständlich, erzählten die Syrer über ihre Flucht und von ihrer Heimat. Walid Ayesh war in Syrien Lehrer für Arabisch. Er zeigte den Kindern arabische Schriftzüge, machte ihnen deutlich, wie schwierig die deutsche Sprache für ihn und andere Flüchtlinge mit arabischen Sprachwurzeln ist. Mohamad Abbasi ist Betriebswirt, Wassim Al Wanni hat als Informatiker gearbeitet. Über 70 Tage hat ihre Flucht nach ihren Angaben gedauert. Sie führte die Männer erst in die Türkei und dann über das Mittelmeer. Zwischen 7000 und 8000 Dollar pro Person hätten sie dafür bezahlen müssen, erzählten sie.

 Die Fahrt mit dem Schiff über das Mittelmeer nach Italien war das Schlimmste, erinnert sich Ayesh: „600 Menschen in nur einem engen Raum ohne Toilette – und alle waren seekrank.“ Fast zwei Monate haben sie in Italien in einem Schuppen ohne Heizung festgesessen, bevor es weiterging.

 Die drei Syrer zeigten den Jugendlichen Bilder von ihrem Land und der Hauptstadt Damaskus vor und nach dem Bürgerkrieg. Die Kinder zeigten sich erschüttert, dass eine vormals so schöne Stadt jetzt in Schutt und Asche liegt und die Menschen zwischen Ruinen leben müssen, mit der Angst vor weiteren Bomben. „Wir werden immer gefragt, warum wir gekommen sind“, sagte Wassim Al Wanni – die Bilder gaben an diesem Tag die Antwort.

 Alle drei hätten zum Militärdienst gemusst, erzählten sie. „Wir hätten töten müssen und das wollten wir nicht. Aber deshalb hätte man uns erschossen“, erklärte Al Wanni.

 „Vor dem Bürgerkrieg hatten wir gar keinen Grund zu gehen. Wir hatten Arbeit, Familie und Freunde, uns ging es gut“, sagte Walid Ayesh. Über den „Islamischen Staat“ urteilte er: „Diese Menschen glauben an gar nichts und haben vor gar nichts Respekt. Das hat mit dem Islam überhaupt nichts zu tun.“

 Der Helferkreis Itzstedt, Kayhude und Nahe, mit dessen Hilfe der Besuch in der Schule zustande gekommen war, betreut mit 35 ehrenamtlichen Helfern 60 Flüchtlinge, die alle in Itzstedt wohnen. „Immer wieder kommt es zu Gerüchten und Anfeindungen, was die Flüchtlinge angeht“, sagte Helferkreismitglied Manfred Räker. „Aufklärung und Information sind wichtig.“ Einige der Schüler sagten nach der Veranstaltung, bei der Integration von Flüchtlingen, die als neue Mitschüler an ihrer Schule kommen, helfen zu wollen und sie nach Kräften zu unterstützen.

Von Gudrun Ehlers

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