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Geschützt vor sexueller Gewalt

Neue Broschüre Geschützt vor sexueller Gewalt

Abfällige sexuelle Bemerkungen, Handgreiflichkeiten, aber auch Berührungen an unpassender Stelle, Vergewaltigungen – Kinder sind sexueller Gewalt ausgesetzt. Wie man Schutz und Hilfe findet – das und vieles mehr fasst eine neue Broschüre des Kinderschutzbundes in Segeberg zusammen.

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Sie haben gemeinsam die Neuauflage der Broschüre des Kinderschutzbundes „Gut geschützt gegen sexuelle Gewalt“ verwirklicht und auf den Weg gebracht: (von links) Marion Laaser, Gerti Teske, Margrit Brandt, Susanne Lipponen, Lars Petersen und Kai Gräper.

Quelle: Patricia König

Kreis Segeberg. „Zu 90 Prozent erleben Mädchen und Jungen sexuelle Übergiffe und Gewalt im eigenen sozialen Umfeld“, sagen Gerti Teske und Margrit Brandt vom deutschen Kinderschutzbund Segeberg gGmbH. Nur 10 Prozent der Fälle würden durch Fremde, Unbekannte verübt.

 „Gut geschützt vor sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen“ heißt die Neuauflage der Broschüre, die Müttern, Vätern sowie allen, die mit Kindern und Jugendlichen leben und arbeiten, hilfreiche Informationen gibt. Sie wird in einer Auflage von 3000 Stück an Kindergärten, Schulen, Familienbildungsstätten, Rechtsanwälte, Ärzte und in andere öffentliche Räume verteilt.

 Das Coverbild zeigt vier Kinder, die gemeinsam über einen Baumstamm springen. „Wir wollten ein positives Bild vermitteln“, erklärt Gerti Teske, die die Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt des Kinderschutzbundes in Bad Segeberg am Kirchplatz 1 leitet. So sollen Kinder eigentlich auch sein: fröhlich und unbeschwert. Doch dem ist leider nicht immer so. Wie viele Kinder pro Jahr wirklich sexuell missbraucht werden, weiß keiner so genau. „Die Dunkelziffer ist groß, da sind sich die Fachleute einig“, bestätigt Marion Laaser, Jugendschutzbeauftragte des Kreises Segeberg. In der Bad Segeberger Beratungsstelle waren es im letzten Jahr über 200 Betroffene, die sich dort Rat und Hilfe geholt haben. „In diesem Jahr sind wir schon im Mai bei 90 Fällen“, berichtet Teske.

 Der Missbrauch an Kindern werde meistens von Erwachsenen begangen, erklären die Experten. Doch immerhin 30 Prozent der Täter seien unter 18 Jahre alt. Ein Thema, das lange nicht in den Fokus kam. In der Beratungsstelle ist diese Tatsache natürlich bekannt. Erst kürzlich habe sich ein Mädchen seiner Mutter anvertraut. Es wird von seinem 14-jährigen Bruder sexuell missbraucht, erzählt Fachberaterin Teske. Nun werde man mit dem Bruder reden. Doch Kinder sind solchen Übergriffen auch im Sportverein, in der Schule oder unter Freunden ausgesetzt. Wenn sie sich dann trauen und es erzählen, stellt sich irgendwann die Frage, ob die Tat angezeigt werden soll. Da arbeiten Kinderschutzbund und Jugendamt natürlich mit der Polizei zusammen.

 Wer sich in so einem Fall beim Kinderschutzbund Rat holt, wird nicht zu einer Anzeige bei der Polizei verpflichtet. „Das müssen die Betroffenen selbst entscheiden“, sagt Margrit Brandt. „Wenn es einmal zur Anzeige kommt, dann ermittelt die Staatsanwaltschaft auf jeden Fall“, erklärt Susanne Lipponen. Die Rechtsanwältin stellt die rechtlichen Aspekte der sexuellen Gewalt an Kindern in der Broschüre dar und plädiert dafür, die Taten anzuzeigen.

 Ein wirksames Mittel für das Opfer sei, in einem Verfahren als Nebenkläger aufzutreten. Dazu gehöre das Recht, den Richter abzulehnen, Fragen zu stellen, Erklärungen abzugeben und Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. „Der Opferanwalt wird meistens von der Landeskasse bezahlt“, sagt Lipponen. Leider würden die Täter oft gering bestraft oder sogar freigesprochen, so die Erfahrung der Rechtsanwältin. Aber manchmal habe man eben auch Erfolg mit einer Klage.

 Finanzielle Hilfe für die Herstellung der Broschüre bekam der Kinderschutzbund von der Gleichstellungsstelle des Kreises Segeberg, der Sparkasse Südholstein und der Bad Segeberger Kabarettgruppe „Die Schwarzbunten“.

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