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Mattis Lenz (8) trägt ein helles Hemd mit Kopfschutz, ein schwarzes Gitter schützt Gesicht und Nacken. Er steigt mit seinem Vater Oliver auf das Dach des Anbaus an ihrem Reihenhaus. Dort steht eine flache Holzkiste, wo Bienen ein- und ausfliegen. Sie wohnen in dieser sogenannten Bienenkiste.

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Reger Verkehr an der Bienenkiste: Am Einflugloch am Reihenhaus von Familie Lenz in Kaltenkirchen lassen sich die Insekten gut beobachten.

Quelle: Jann Roolfs

Kaltenkirchen. Die Bienen wohnen in dieser sogenannten Bienenkiste der Familie Lenz in Kaltenkirchen. Die Kiste steht für die moderne Variante des Imkerns. Die Idee kommt aus Hamburg, dahinter stecken der Verein Melifera – benannt nach der lateinischen Bezeichnung für die Honigbiene (apis melifera) – und zwei Imker. Sie wollen die Bienenhaltung ökologisch und für Leute mit wenig Vorkenntnissen attraktiv machen.

 „Ein Freund hat mir davon erzählt“, erzählt Oliver Lenz. Er guckte sich die Bienenkiste an, las Literatur dazu und legte im vergangenen Jahr los. Aus dem Reihenaus bietet ein Fenster nun freien Ausblick auf die Bienenkiste. Im Moment herrscht am Flugloch Hochbetrieb. Die gelb-orangefarbenen Beine der Bienen zeigen an, dass sie in den letzten Krokusblüten Pollen gesammelt haben, mit denen nun die Brut gefüttert wird.

 Oliver und Mattis Lenz inspizieren die Bienenkiste zum ersten Mal nach dem Winter. Das Volk hat die kalte Zeit gut überstanden, jetzt wächst es rasant: von rund 10000 Tieren, die überwintert haben, auf 40000 im Mai. Irgendwann ist der Schwarm zu groß und mehrere junge Königinnen sind geschlüpft, dann schwärmen die Bienen. An die 10000 machen sich dann mit einer neuen Königin auf den Weg, um eine neue Niststätte zu suchen.

 Die beiden Schwärme aus seiner Bienenkiste hat Oliver Lenz im vergangenen Jahr verpasst, er arbeitet in Hamburg in einer Werbeagentur. Aber seine Frau Antje hat das aufregende Schauspiel miterlebt: „Der ganze Garten, alles war voll, sie saßen auf der Schaukel.“ Als erstes telefonierte sie, damit ihre vier Kinder nach Schule und Kindergarten untergebracht waren. Dann kümmerte sie sich um den Schwarm, der sich inzwischen an der Pergola zum Nachbarn versammelt hatte. Mit einer Plastikschüssel schob Oliver Lenz die Insekten später in eine Fangkiste, bis er die Königin mit erwischt hatte, danach folgten die restlichen Bienen von selbst.

 Die Bienenkiste hat ein junges, urbanes Image. In Hamburg stehen die Holzkisten sogar auf dem Dach der Laeisz-Halle, erzählt Lenz. Das Konzept richtet sich an Leute, die ein oder zwei Bienenvölker halten wollen, ohne dafür viel Geld oder Aufwand investieren zu müssen. Konventionelles Imkern ist auf Ertrag ausgerichtet, erklärt Lenz den Unterschied: Es geht darum, möglichst viel Honig zu ernten. Der muss dann geschleudert werden, die nötigen Apparate lohnen sich kaum für ein oder zwei Völker.

 Bienenkisten-Imkern geht es eher darum, Honigbienen eine Niststätte zu bieten, damit sie ihre ökologisch wichtige Funktion der Bestäubung übernehmen können. Sie sollen möglichst wenig in ihrem Treiben beeinflusst werden. Aber Honig gibt es auch: Elf Kilo hat Lenz im vergangenen Jahr geerntet.

 Der größte Teil des Honigs bleibt in der Bienenkiste, davon ernährt sich das Volk im Winter. Beim herkömmlichen Imkern bekommen sie stattdessen Zuckerwasser als Ersatz.

 Und das Stechen? Oliver Lenz hat sich für eine wenig aggressive Rasse entschieden. Seine Kinder sind noch nie gestochen worden, ihn selbst hat es einige Male erwischt; dann hatte er vergessen, die Socken über die Hose zu ziehen oder den Reißverschluss seines Gesichtsschutzes zu schließen.

 Die Nachbarn hat Oliver Lenz informiert, bevor er seine Kiste aufstellte. Nach der Honigernte im Juli verteilt er einige Gläser in den angrenzenden Häusern.

 Das Tollste an der Bienenkiste ist für ihn: „Ich kann stundenlang davorstehen und das Treiben beobachten.“

 Weitere Informationen unter www.bienenkiste.de

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