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Rückkehr ins Bürgermeisteramt

Lentföhrden Rückkehr ins Bürgermeisteramt

Obwohl die Christdemokraten in der 13-köpfigen Gemeindevertretung die stärkste Fraktion stellen, verlor ihr Kandidat Rüdiger Stender (erster stellvertretender Bürgermeister) mit 2:7 Stimmen gegen Norbert Dähling (zweiter stellvertretender Bürgermeister) von der Wählergemeinschaft WGL. Vier Gemeindevertreter enthielten sich.

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Nobert Dähling ist wieder Bürgermeister in Lentföhrden.

Lentföhrden. Die CDU hat ihren eigenen Kandidaten auflaufen lassen: Anders lässt sich nicht bezeichnen, was sich am Dienstagabend bei der Bürgermeisterwahl in Lentföhrden abspielte.

 Schon nach der letzten Kommunalwahl 2013 hatten sich Dähling und Stender für das Amt des Bürgermeisters beworben. Beide unterlagen damals allerdings Bernd Specht von der SPD. Die spannende Abstimmung zog sich über drei Wahlgänge hin. Daher war es nun für die Versammlung überraschend, dass die Entscheidung dieses Mal schon im ersten Wahlgang fiel – und nicht einmal knapp ausging.

 Nötig geworden war die vorgezogene Wahl, weil Bernd Specht Ende März aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurückgetreten war. Einen neuen Kandidaten hatte seine Fraktion nicht gefunden. So gab es also nur die beiden Bewerber aus den anderen Reihen.

 Die CDU hat in der Gemeindevertretung fünf Sitze, die WGL vier. Die Zuschauer durften also erwarten, dass die vier Stimmen der SPD den Ausschlag geben würden, sofern die beiden anderen Fraktionen jeweils ihren eigenen Kandidaten unterstützen wollten. Doch gerade das war in der CDU nicht der Fall. Die Abstimmung war zwar geheim, auf telefonische Nachfrage der Segeberger Zeitung erklärte Rüdiger Stender (65) gestern jedoch, dass er von seinen Fraktionskollegen offenbar nur eine einzige Stimme bekommen habe: „Ich gehe davon aus, dass sich die SPD enthalten hat und dass drei CDU-Leute für Norbert Dähling gestimmt haben.“

 Direkt nach der Wahl wirkte Rüdiger Stender betroffen. Gestern gab er jedoch an, gewusst zu haben, dass die CDU nicht vollständig hinter ihm gestanden habe. Zwei Fraktionskollegen hätten ihm bereits im Vorfeld signalisiert, nicht für ihn votieren zu wollen. Mit den beiden anderen Stimmen habe er jedoch gerechnet, so Stender. „Hätte ich die bekommen und dann noch die Unterstützung der SPD, dann hätte es geklappt“, meinte er.

 Der große Gewinner des Abends war der ebenfalls 65-jährige Norbert Dähling, doch Aufhebens wollte er darum nicht machen. Er unterschrieb seine Ernennungsurkunde, ließ sich das Bürgermeisterschild überreichen, übernahm den Vorsitz der Versammlung und rief dann kommentarlos den nächsten Tagesordnungspunkt auf. „Wir hatten ein sehr langes Programm vor uns und daher war erst einmal Abarbeiten angesagt“, sagte er hinterher. Einen Kommentar zur Wahl wolle er erst in der nächsten Gemeindevertretersitzung abgeben.

 Auch wenn sich Herr Dähling äußerlich zurückhielt, war die Freude über den Wahlausgang bei ihm und auch bei seiner Familie sehr groß. Seine Frau Monika informierte direkt nach der Abstimmung zwei der fünf erwachsenen Kinder, die sich gerade in Namibia beziehungsweise in der Türkei aufhalten. Von dort liefen dann auch die ersten Glückwünsche ein. Am Abend wurde zuhause noch mit einem Glas Wein angestoßen. Jetzt soll es nahtlos an die Arbeit gehen.

 In der Kommunalpolitik und auch in der Verwaltung hat Norbert Dähling bereits viel Erfahrung gesammelt. In beiden Bereichen engagiert er sich seit 1998. Er war unter anderem schon stellvertretender Amtsvorsteher, Verbandsvorsteher des Schulverbandes Nützen-Lentföhrden und Mitglied der Verbandsversammlung des Schulverbandes Kaltenkirchen.

 Das Amt des Lentföhrdener Bürgermeisters hatte Dähling bereits von 2002 bis zur Kommunalwahl von 2003 inne, damals noch als SPD-Mitglied. 2002 war er auf Holger Pohlmann (SPD) gefolgt, der den Posten aus beruflichen Gründen aufgegeben hatte. Nach der Kommunalwahl von 2003 kandidierte Dähling erneut für den Posten, musste sich aber Kurt Sander von der CDU geschlagen geben.

 Danach musste er auf dem Weg ins Bürgermeisteramt weitere Niederlagen einstecken: 2004 unterlag er bei der Wahl in Kaltenkirchen dem SPD-Mann Stefan Sünwoldt, 2008 hatte er in Lentföhrden wieder gegen Kurt Sander das Nachsehen und 2013 trat er erfolglos gegen Rüdiger Stender und den späteren Wahlgewinner Bernd Specht an. Nun endlich hat die Rückkehr ins Amt geklappt.

 Noch bis zum Ende des Schuljahres ist Norbert Dähling als Oberstudienrat am Kaltenkirchener Gymnasium tätig. Danach wechselt er in den Ruhestand und will sich intensiv der Kommunalpolitik widmen. Zu tun gibt es in Lentföhrden genug. Am 29. Mai soll das Freibad eröffnen, und dafür gilt es, eine Menge vorzubereiten. Die größte Aufgabe, die das Dorf noch einige Jahre beschäftigen wird, ist aber die Ordnung seiner Finanzen. Im aktuellen Haushalt klafft eine Deckungslücke von rund 600000 Euro.

 Das Ergebnis der jüngsten Bürgermeisterwahl wollte Norbert Dähling auch auf Nachfrage nicht bewerten. „Ich kann nur sagen, dass mich der Ausgang überrascht hat, aber ich möchte nicht spekulieren, welche Fraktion wie abgestimmt hat“, sagte er.

 Sicher ist hingegen, dass die Wahl für die Christdemokraten Konsequenzen haben wird. Rüdiger Stender teilte seiner Fraktion noch am Wahlabend seinen bevorstehenden Austritt aus der CDU mit. „Was soll ich in einer Partei, die nicht hinter mir steht?“, meinte er. Künftig wolle er sich als fraktionsloser Gemeindevertreter in die Kommunalpolitik einbringen. Der Anschluss an eine andere Fraktion komme für ihn nicht infrage. „Ich bin kein Wendehals. Hinter den Werten, die die CDU vertritt, stehe ich nach wie vor“, sagte er. Ob er Vorsitzender des Finanzausschusses sowie stellvertretender Bürgermeister bleiben wolle, werde er noch überlegen.

 Sollte sich Stender dagegen entscheiden, würde es auf der nächsten Gemeindevertretersitzung weitere Neubesetzungen von Posten geben. Bislang steht nur fest, dass Lentföhrden einen neuen zweiten stellvertretenden Bürgermeister braucht, denn dieses Amt hatte zuletzt Norbert Dähling inne.

 Das Dorf hat aktuell rund 2450 Einwohner. Der Posten des Bürgermeisters ist ein Ehrenamt, für das aber eine Aufwandsentschädigung gezahlt wird.

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