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Leiter zu zwei Jahren Haft verurteilt

WZV-Recyclinghof Norderstedt Leiter zu zwei Jahren Haft verurteilt

Zwei Jahre Haft auf Bewährung für den Leiter des Recyclinghofs Norderstedt des Wege-Zweckverbandes (WZV) und Kritik an der WZV-Führungsspitze: Mit einer Überraschung endete am Donnerstag der Prozess gegen einen WZV-Beschäftigten.

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Wegen Untreue hat das Schöffengericht Norderstedt am Donnerstag den Leiter des Recyclinghofes zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Quelle: Arne Dedert (dpa/ Archiv)

Norderstedt. Zwei Jahre Haft auf Bewährung für den Leiter des Recyclinghofs Norderstedt des Wege-Zweckverbandes (WZV) und Kritik an der WZV-Führungsspitze: Mit einer Überraschung endete am Donnerstag der Prozess gegen einen WZV-Beschäftigten. Rund 30000 Euro habe der Recyclinghofleiter aus der Kasse abgezweigt, urteilte das Schöffengericht Norderstedt. Außerdem droht dem Angeklagten ein Steuerverfahren. 

Bei den Plädoyers vor drei Wochen hatten Verteidiger Gerald Goecke und Staatsanwaltschaft Kiel einen Freispruch gefordert. Doch die zwei Laien-Schöffen und der Vorsitzende Richter Dr. Matthias Lohmann entschieden sich anders. In dem Indizienprozess sahen sie einen Fall von Untreue. 45 Minuten nahm sich Lohmann Zeit, um das Urteil zu begründen. Kopfschüttelnd und stumm verfolgte der Angeklagte die Ausführungen. Sein Anwalt Goecke kündigte an, in Revision oder Berufung zu gehen.

Das Gericht war überzeugt, dass der Angeklagte 2014 monatelang mit Hilfe von Stornobelegen in fast 50 Fällen rund 30000 Euro für sich kassiert hatte. Geld, das Kunden des Recyclinghofes gezahlt hatten. „Das ist eine äußerst unkomplizierte, komplexe Materie“, begann Lohmann. Die „Sachbeweismittel“, also Stornobelege und Kassenabrechnungen, hätten allein nicht für eine Verurteilung gereicht. „Wir waren auch auf Zeugenaussagen angewiesen. Es ist eine Kombination aus beidem.“ Der Theorie der Verteidigung, die Belege hätten Unbekannte gefälscht und dem Angeklagten untergeschoben, sei nicht schlüssig. Dann hätten die Fälscher extrem gewieft und „mit hohem Aufwand“ vorgehen müssen und zwischendurch ihre Abrechnungstricks auch noch geändert. Außerdem seien, wenn auch nicht identifizierbare, Fingerabdrücke auf Beweisstücken gefunden worden. Die würde ein Fälscher doch niemals hinterlassen.

Vielmehr ergebe sich ein anderes, „stimmiges Bild“ und „es passt alles zusammen“, wenn man davon ausgehe, dass der Angeklagte zugelangt habe, sagte der Richter. Er sei für die Kasse zuständig gewesen und habe die Schlussrechnungen angefertigt. Bei ihm privat sei viel Geld gefunden und zudem auf sein Konto eingezahlt worden. Außerdem sei es „völlig utopisch“, so Dr.Lohmann, wenn 27 Prozent des Gesamtumsatzes im Recyclinghof über vier Monate plötzlich wegen Stornos wegbrechen sollten. Die Stornosummen lägen üblicherweise bei rund 300 Euro im fraglichen Zeitraum, nicht bei mehreren Zehntausend. „Das Gericht ist überzeugt, dass Geld entnommen wurde.“ Außerdem fehlten für das Fälschungsszenario der Verteidigung Belege.

Lohmann ging auch auf einen Berichtsausdruck ein, der erstellt worden war, als der Angeklagte nachweislich nicht auf dem Recyclinghof war. Der passte nicht in die Belegkette und hatte die Staatsanwaltschaft dazu bewogen, Freispruch zu fordern. Für das Gericht war das aber kein Stolperstein. Vermutlich hätten den Ausdruck andere WZV-Mitarbeiter erstellt, auch wenn sie sich vor Gericht daran nicht erinnerten. Der Hauptbelastungszeuge, der die Stornobelege gefunden haben will und den Behörden den Tipp gegeben hatte, habe es laut Lohmann vermutlich „vergessen oder gelogen“. Der Zeuge habe ohnehin „eine sehr bruchstückhafte Erinnerung“ gezeigt. 

Der Verteidigung hielt der Richter vor, diesen Zeugen hart in die Mangel angenommen und ihn indirekt an den Pranger gestellt zu haben. Es sei aber der Angeklagte, der „öffentliche Gelder in erheblichem Umfang veruntreut hat“. Außerdem habe sich herausgestellt, dass der Angeklagte Einnahmen aus Katzen- und Uhrenverkauf nicht versteuert habe. Verwundert zeigte sich Lohmann über WZV-Chef Jens Kretschmer. Er habe sich in „erstaunlicher Nibelungentreue“ hinter den Beschuldigten gestellt.

Das Geld soll der Angeklagte in Monatsraten von 500 Euro zurückzahlen. Die zwei Jahre Haft wurden zur Bewährung ausgesetzt, weil der Angeklagte nicht vorbestraft sei und eine „positive Sozialprognose“ habe. 

Für Verteidiger Goecke war klar: Er legt Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Das Gericht habe „alles Zweifel Begründende zu Lasten des Angeklagten gewürdigt“.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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