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Flüchtlingslotsen gesucht

Nützen Flüchtlingslotsen gesucht

Seitdem sich in Nützen ein Helferkreis zur Unterstützung der im Ort wohnenden Flüchtlinge zusammenschloss, hat sich viel getan. Asylbewerber nehmen an diversen Sportangeboten teil und auch Deutsch-Projekte sind angelaufen. Doch es werden noch viel mehr Flüchtlingshelfer gebraucht, wenn die Asylbewerber wirklich im Ort integriert werden sollen.

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Nützener Bürger haben sich zu einem Helferkreis formiert, der sich zum Ziel gesetzt hat, die im Ort lebenden Flüchtlinge in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Wenn das gelingen soll, werden aber noch viel mehr Unterstützer gebraucht.

Quelle: Isabelle Pantel

Nützen / Lentföhrden. Zurzeit gibt es rund 20 Ehrenamtler, die sich um 10 Asylbewerber kümmern. Das klingt im ersten Moment nach einem guten Betreuungsschlüssel, doch viele Freiwillige können sich wegen familiärer Verpflichtungen oder ihrer Arbeitsstelle nur wenig einbringen. „Außerdem bräuchten wir dringend jemanden, der sozialpädagogisch geschult ist und sich hauptamtlich auf die Flüchtlingsarbeit konzentrieren könnte“, sagte Martin Nachbar, der den Helferkreis koordiniert. Er befürchtet, genau wie viele andere Freiwillige, dass die Stimmung im Ort kippen könnte. „Das wäre vielleicht der Fall, wenn uns noch deutlich mehr Flüchtlinge zugewiesen werden und die Helfer irgendwann den Eindruck bekommen, mit der Betreuung überfordert und allein gelassen zu sein.“

 Im Amtsausschuss wurde der Bedarf bereits erkannt. Es sollen daher entweder zwei Teilzeitstellen oder eine Vollzeitstelle zur Betreuung der Flüchtlinge im Amt Kaltenkirchen-Land ausgeschrieben werden. Bislang wurden in den zugehörigen Dörfern Alveslohe, Nützen, Lentföhrden, Hasenmoor, Hartenholm und Schmalfeld in diesem Jahr etwa 50 Asylbewerber aufgenommen. Mit weiteren 50 bis 60 wird in diesem Jahr noch gerechnet. Wie es 2016 weitergeht, ist offen.

 Dass das Ehrenamt in zeitraubende Arbeit ausarten kann, konnte beim Kaffeetreff Christa Mall aus Lentföhrden schildern. Sie ist in ihrem Dorf die einzige Flüchtlingshelferin; einen Helferkreis gibt es nicht, weshalb sich Christa Mall regelmäßig mit den Freiwilligen aus Nützen trifft. Sie kümmert sich zurzeit um zwei Armenier und um eine afghanische Familie, die zunächst in Lentföhrden wohnte, inzwischen aber nach Kaltenkirchen umgezogen ist. „Die Frau wurde schwanger und während der ganzen Zeit habe ich sie zu zahlreichen Arztterminen nach Quickborn begleitet. In der Endphase der Schwangerschaft täglich“, schilderte die Helferin. Sie habe die Aufgabe gerne übernommen, doch seien dabei allein an Fahraufwand rund 1000 Kilometer im Auto zusammengekommen.

 Über weitere Helfer aus ihrem Dorf würde sich Christa Mall freuen, zumal Lentföhrden voraussichtlich weitere Flüchtlinge zugewiesen werden sollen. „Inzwischen hat sich jemand gemeldet, der Deutschunterricht geben möchte, aber wir bräuchten auch noch Unterstützer für Behördengänge sowie Fahrer und Übersetzer“, zählte sie auf.

 Sie selbst wurde vor rund einem Jahr durch einen Aufruf in der Segeberger Zeitung zur Flüchtlingslotsin. „Es wurden damals Helfer gesucht, und daraufhin habe ich mich bei der Kaltenkirchener Gruppe gemeldet“, erzählte sie. Eine Einweisung in die Arbeit habe sie nicht erhalten, statt dessen sei nach und nach in der Praxis einfach deutlich geworden, in welchen Fragen die Flüchtlinge Hilfe benötigen.

 Die Asylbewerber sind aber nicht nur auf Unterstützung in Problemlagen angewiesen, sondern freuen sich auch über geselligen Anschluss an die Dorfgemeinschaft. Deshalb wurde in Nützen der Kaffeetreff ins Leben gerufen. Das nächste Mal kommt die offene Gruppe am Sonntag, 25. Oktober, ab 18 Uhr im Sportlerheim zusammen. Weil die Asylbewerber kaum Deutsch oder Englisch sprechen und ihre Lotsen kein Arabisch, funktioniert die Verständigung im Wesentlichen über Gestik und Mimik sowie über eine Übersetzungs-App auf dem Smartphone. Ein arabischer Satz wird in das Gerät gesprochen, ins Deutsche übersetzt und von einer elektronischen Stimme vorgetragen. Das Ergebnis kann richtig und sinnhaft sein – oder wirr. Das trägt dann zur allgemeinen Erheiterung bei und fordert zum nächsten Übersetzungsversuch heraus.

 Wer sich dem Nützener Helferkreis anschließen möchte, kann sich per E-Mail an Martin Nachbar wenden: c.u.m.nachbar@t-online.de.

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