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Vize-Kanzler zu Besuch

Nützen-Springhirsch Vize-Kanzler zu Besuch

Hohen Besuch bekam die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Nützen-Springhirsch. Auf dem Weg zur Eröffnung der Kieler Woche machte hier am Sonnabendnachmittag der SPD-Bundesvorsitzende, Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel Station und ließ sich informieren.

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Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil (von rechts), SPD-Generalsekretärin Katarina Barley und der politische Berater Professor Bert Rürup (links) begleiteten den SPD-Bundesvorsitzenden, Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel bei seinem Besuch der KZ-Gedenkstätte in Nützen-Springhirsch. Die Gruppe sah sich ein Modell an, das Schüler von der Gedenkstätte angefertigt haben.

Quelle: Heinrich Pantel

Nützen. Der Spitzenpolitiker informierte sich während seines rund zweistündigen Aufenthalts dort über die Gedenkstätte, die Arbeit des Trägervereins und ließ sich über das Gelände führen. Hans-Joachim Wolfram und Uta Körby skizzierten dem Gast und seiner rund zehnköpfigen Delegation die Entwicklung der Gedenkstätte. Der Minister hakte dabei immer wieder nach. Eine seiner Fragen lautete: „Wie kamen Sie zu dem Thema?“

 Beisitzerin Körby, auch langjährige Vorsitzende des Trägervereins, erklärte, was sie bewog, als sie von den Nachforschungen des Alveslohers Historikers Dr. Gerhard Hoch in der Nachbarschaft erfahren hatte. „Das war so erschreckend für mich, dass ich mich damit näher befasste.“ Trotz vieler Vorbehalte in Teilen der Bevölkerung sei auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers eine Gedenkstätte entstanden. „Wir haben uns hier dann Stück für Stück entwickelt.“

 „Vieles wurde früher sehr unkritisch gesehen“, merkte Gabriel an. Als ihm erzählt wurde, dass im Trägerverein großer Wert auf die Zusammenarbeit mit den umliegenden Schulen gelegt wird und dass regelmäßig Besuch von Schülern kommt, wollte er wissen: „Was sagt denn ein muslimisches Kind, das hier herkommt?“

 Hans-Werner Berens, pensionierter Lehrer und Vorstandsmitglied im Trägerverein, berichtete von einem krassen Fall, als er im Unterricht den Nationalsozialismus behandelt hatte und sich ein palästinensischer Junge so äußerte: Was Hitler machte, sei ja schlimm gewesen. Gut sei aber gewesen, dass er sechs Millionen Juden umbringen ließ. „Viele haben den Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen“, bedauerte der Vize-Kanzler: „Wir haben es mit einem wachsenden Bevölkerungsanteil zu tun, der einen sehr begrenzten Zugang zu diesem Thema hat. Die kommen aus einer völlig anderen Kultur und werden hier gefordert wie verrückt.“ Ihren Antisemitismus zu überwinden, sei keine kleine Hürde: „Die Gedenkstätten bekommen deshalb eine zusätzliche Aufgabe. Sie müssen erklären, warum unser Land so ist, wie es ist.“

 Dass die Gedenkstättenarbeit viel Geld kostet und im Trägerverein ständiges Thema ist, blieb nicht unerwähnt. Aktuell bekommt das Dokumentenhaus einen Anbau. Finanzielle Unterstützung kündigte der Minister aber nicht an. Er verwies darauf, „wie es alle machen“. Erst werde für eine Grundfinanzierung gesorgt, dann für eine Projektfinanzierung. Anschließend trete man an Unternehmen heran. Uta Körby bemerkte: „Hier ist schon sehr viel gespendet worden.“ Ein Geldgeschenk versprach Gabriel trotzdem nicht.

 Dass es sich beim Besuch um eine Gruppe von Sozialdemokraten handelte, wurde lediglich am Rande humorvoll deutlich. Nachdem der Spitzen-Sozialdemokrat mitbekommen hatte, dass sich bei der Gedenkstättenarbeit gerade Lehrkräfte sehr engagieren, erwähnte er, dass auch er diesen Berufsweg ursprünglich eingeschlagen hatte. Weil aber seinerzeit kaum jemand im Schuldienst eine Anstellung fand, kam er zur Volkshochschule. „Da habe ich einen ruhenden Arbeitsplatz“, meinte der Gast und fügte scherzhaft hinzu an: „Die wählen dort alle fleißig SPD, damit ich nicht zurückkomme.“

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