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Neues Kreisarchiv für 20 Jahre

Offen für alle Bürger Neues Kreisarchiv für 20 Jahre

Das Segeberger Kreisarchiv ist gerade erst in seinen neuen Räumen angekommen. Doch schon steht fest, dass es in etwa 20 Jahren wieder umziehen muss. Dann wird das Einfamilienhaus, in dem früher der Hausmeister des Kreises wohnte, zu klein sein für all die Akten.

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Segebergs Landrat Jan Peter Schröder (links) und Kreisarchivar Dr. Georg Asmussen zeigen den Entwurf für die Umzäunung am Haus Segeberg, aufbewahrt im Kreisarchiv in der alten Hausmeisterwohnung am Kreishaus in Bad Segeberg.

Quelle: Petra Stöver

Kreis Segeberg. „Was hier reinkommt, bleibt für immer“, sagt Dr. Georg Asmussen, daher wird der noch kleine Bestand stetig weiter wachsen. Wer Interesse hat, kann sich in dem Haus in der Hamburger Straße 38 in Bad Segeberg umschauen. Weil nur eine vorübergehende, wenn auch Jahrzehnte lange Nutzung beabsichtigt ist, kann das Archiv einige Besonderheiten aufweisen. So verfügt es über ein Badezimmer und eine voll ausgebaute Küche. Es dominieren jedoch die Regale, die nach und nach mit Unterlagen gefüllt werden. Wenn später das Archiv eine neue Unterkunft braucht, kann es wieder als Wohnung vermietet werden.

 Nicht jede Akte bleibt für die Nachwelt erhalten. Historiker Asmussen baut die Sammlung so auf, dass sie das Handeln der Verwaltung ablesbar macht. Karin Grandt, Leiterin des Fachbereiches Soziales in der Kreisverwaltung, gibt ein Beispiel: Die Aufarbeitung des Falls der Tiermedizinerin Dr. Margrit Herbst, die wegen BSE-Verdachts im Bad Bramstedter Schlachthof Alarm geschlagen hatte, und von ihrem Arbeitgeber, dem Kreis Segeberg, entlassen wurde. „Ohne Dr. Asmussen wäre ich aufgeschmissen gewesen“, sagt sie. Der Experte konnte nachvollziehen, wann die Verwaltung und wann die Kreispolitik mit der Kündigung befasst waren.

 Nun fertigt der Kreis nur selten Akten über Whistleblower, sondern hält den Alltag schwarz auf weiß fest. Asmussen entscheidet, was der Nachwelt erhalten bleiben soll. Die Sammlung wird so aufgebaut, dass die Arbeit der Verwaltung ablesbar wird. Auch wer Einblick in welche Unterlagen bekommt, bestimmt der Historiker. „Wenn Sie gar nicht wissen wohin, kommen Sie zu mir“, lädt er historisch Interessierte an seinen Arbeitsplatz ein. Er könne Ratsuchende an die richtigen Stellen weiterverweisen. Uralte Unterlagen des Kreises finden sich im Landesarchiv in Schleswig, dorthin wurden sie 1950 ausgelagert. Ein Findbuch hilft weiter.

 Schon 1992 wurde ein Landesgesetz verabschiedet, das unter anderem festlegte, dass die Kreise eigene Archive einrichten sollen. Aber erst 2011 wurde eine Archivgemeinschaft mit Bad Segeberg gegründet. Kreis und Stadt teilen sich einen Archivar.

 „Wir hatte das Kreisarchiv bisher im Keller versteckt“, sagt Landrat Jan Peter Schröder. Dort wolle der Kreis ein Rechenzentrum einrichten. „Wenn in der Verwaltung Akten entsorgt werden sollen, müssen die Mitarbeiter vorher den Archivar fragen.“

 Zurzeit hat das Kreisarchiv etwa 60 laufende Meter verzeichnete Akten, 37 laufende Meter Akten, die noch bearbeitet werden müssen, etwa 5000 Dias, 500 Fotos, Bücher, Bilder, Karten und Plakate. Jede Menge Arbeit liegt noch vor Asmussen und seiner Mitarbeiterin Natascha Kracht. Bevor sie Unsortiertes in den Bestand aufnehmen, müssen sie es „umbetten“. Das heißt: Von den Akten wird alles Material wie Metallklammern oder Plastikclips entfernt, dann kommt es in eine säurefreie Mappe und einen säurefreien Karton. Damit es länger hält als die Unterkunft.

Das Archiv steht allen Bürgern offen, vor allem Schulklassen sind eingeladen. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Daher sind Anmeldungen unter 04551/951289 ratsam. Geplant sind Ausstellungen und Quellensuche im Internet.

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