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Keine Leute: FDP droht das Ende

Ortsverband Bad Segeberg Keine Leute: FDP droht das Ende

Es sieht düster aus für die Bad Segeberger FDP. Die Partei muss einen ihrer zwei Sitze in der Stadtvertretung verwaisen lassen, weil das Personal fehlt. Dem Ortsverband droht die Auflösung. Und für die Kommunalwahl 2018 ist ohnehin weit und breit kein Kandidat in Sicht.

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Hermann E. Westphal ist der letzte FDP-Mann in der Stadtvertretung.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Auslöser für die Krise, die die Probleme der Liberalen überdeutlich zutage treten lässt, ist der Rücktritt von Stadtvertreter Dieter Gamm. Er hatte sich aus überwiegend gesundheitlichen Problemen zurückgezogen, zugleich aber das mitunter ruppige Klima in Stadtvertretung und Bauausschuss gerügt. Nun findet Fraktionsvorsitzender Hermann E. Westphal niemanden, der für Gamm nachrücken will. Dabei hatten die Liberalen bei der Wahl im Jahr 2016 eine Liste mit zehn Kandidaten. Das sollte normalerweise genügen. Es reichte aber nicht.

 Die beiden ersten Kandidaten auf der Liste – Westphal und Gamm – waren damals in die Stadtvertretung eingezogen. Der Nächste wäre nun Jörn Brandt gewesen, aber er ist nach der Wahl aus der FDP ausgetreten und ein Jahr später gestorben. Auch seine Witwe Iris Ulrich-Brandt (Listenplatz 4) hat die Partei verlassen. Ebenso sind Torsten Ziegler (Platz 7) und Thorsten Beck (Platz 10; im übrigen nicht identisch mit dem gleichnamigen SZ-Redakteur) nicht mehr bei den Liberalen.

 Westphals Bemühungen, Kirsten Grundmann (Platz 5) in die Stadtvertretung zu holen, scheiterten. „Sie ist ja Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland und hat dort genug zu tun“, sagt Westphal. Er ist dort übrigens ihr Stellvertreter. Auch die FDP-Mitglieder Jutta Lövenich (Platz 6) und Dr. Peter Kriett (Platz 8) verzichteten darauf, das frei gewordene Mandat zu übernehmen.

 Die letzte Möglichkeit war Wolfgang Schnabel (Platz 9). „Ich habe mich mit ihm zweimal für je anderthalb Stunden getroffen“, sagt Westphal. Schnabel habe mit sich gerungen, am Ende aber auch abgesagt. Er will sich auf sein Amt als Vorsitzender der Kreistagsfraktion konzentrieren. „Er sagte, er kann keine zwei Mandate übernehmen“, berichtet Westphal. „Es würde beides zu kurz kommen.“ Und nur ein „Statist“ in der Stadtvertretung – das sei Schnabel nun wahrlich nicht.

 So ist nun der 70-jährige Westphal, der seit 2008 in der Stadtvertretung sitzt, der letzte liberale Mohikaner im Bad Segeberger Rathaus. Damit ist die FDP keine Fraktion mehr. Es droht die Neubesetzung von Ausschüssen, so dass die Partei dort ihre Sitze verlieren könnte. „Ich würde aber weitermachen, wenn die anderen Parteien es wollen. Die haben ja auch keine Leute.“

 Am 9. September kommt der FDP-Ortsverband um 20 Uhr im Vitalia Seehotel zur Jahreshauptversammlung zusammen. Gamm wird dort auch als Vorsitzender zurücktreten – und Westphal vermutet, dass dieser Schritt das Ende der Partei auf Ortsebene ist. „Wir haben keine Leute. Dabei könnte man in der FDP schnell was werden.“

 Ob er bei der Kommunalwahl 2018 nochmal antritt, weiß Westphal nicht. „Ich gehe aber nicht davon aus.“ Ohnehin glaubt er nicht, das die Partei genügend Kandidaten für die 14 Wahlbezirke zusammenbekommt. „Eine Liste können wir gar nicht aufstellen, weil wir keine Mitglieder mehr haben.“ Das wäre es dann (vorläufig) mit der FDP in der Kreisstadt.

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