21 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Boyens seit 25 Jahren Bürgermeister

Weddelbrook Boyens seit 25 Jahren Bürgermeister

Sein Büro im ersten Stock auf dem Speditionsgelände an der Lentföhrdener Straße ist schlicht. Kein breiter Ledersessel, kein klobiger Schreibtisch, keine Sekretärin, die den Kaffee serviert. Peter Boyens trägt nicht zur Schau, dass er es zu etwas gebracht hat. Und dass nicht nur als Chef eines florierenden Unternehmens, sondern auch als Chef von Weddelbrook. Der ist er nämlich unumstritten und das auch noch nach 25 Jahren. Am Donnerstag auf den Tag genau liegt seine Wahl zum Bürgermeister ein Vierteljahrhundert zurück.

Voriger Artikel
Wer kocht für die Schüler?
Nächster Artikel
Eindeutig zweideutig

Peter Boyens macht nicht viel Aufheben ums seine Person. Sein Büro ist schlicht, wie die seiner Mitarbeiter. Auch privat führt der Unternehmer keinen aufwendigen Lebensstil. „Ich brauche keine Jacht in Eckernförde“, sagt er.

Quelle: Einar Behn

Weddelbrook. Als Boyens am 23. April 1990 zum Nachfolger von Ernst Timmermann gewählt wurde, konnte er schon auf ein zwölfjähriges Wirken als Gemeindevertreter zurückblicken. „Ich bezahlte am meisten Steuern im Dorf und wollte Einfluss darauf haben, was mit dem Geld geschieht“, erzählt er von seiner Motivation, sich an die Spitze der Kommunalpolitik zu stellen. Die CDU verfügte über die Mehrheit in der Gemeindevertreter, seine Wahl verlief wie geplant.

 Boyens packte sofort an, so wie er es als Unternehmer gewohnt war. Damals noch Vorsitzender des Sportvereins war es ihm ein Anliegen, den Jugendsport in dem 1000-Einwohner-Dorf zu fördern. Sein erstes Projekt: ein Sportlerheim. Danach ging es Schlag auf Schlag. 1994 wurde aus einem alten leerstehenden Bauernhof das Dorfhaus gebaut. Die „Seeterrassen“, ein Restaurant am Weddelbrooker Mühlenteich, wurden neu gebaut. Boyens scheute bei seinem Modernisierungsprogramm auch keine Gegner. Als er die zentrale Wasserversorgung bauen wollte, protestierten Weddelbrooker wegen der Kosten, die sie selbst tragen mussten, und verhinderten zunächst mit einem Bürgerentscheid den Bau. Doch Boyens gab nicht auf. Er setzte einen zweiten Bürgerentscheid durch, diesmal von der Gemeindevertretung beschlossen - und bekam die Mehrheit. „Heute ist doch jeder froh, dass wir die Wasserversorgung haben“, meint er.

 Der Kindergarten entstand, die große Sporthalle an der Heidmoorer Straße und ein 1,5 Hektar großes Gewerbegebiet, für das er erst nach hartem Ringen mit dem Innenministerium eine Genehmigung erhielt. Für Dörfer in der Größe von Weddelbrook sieht die Landesplanung Gewerbegebiete nicht vor.

 Welcher ehrenamtliche Bürgermeister kann eine solche Bilanz vorweisen? Trotz allem steht die Gemeinde finanziell blendend da. Nur zwei langjährige Kredite fürs Dorfhaus und die „Seeterrassen“ müssen noch abgetragen werden, bei einem Prozent Verzinsung kein Problem. Im Gegenteil: Beide Häuser spülen Geld ins Gemeindesäckel. Im Dorfhaus wurden gleich sieben Mietwohnungen mit eingeplant, das Gebäude wirft mehr ab als es kostet. Gleiches gilt für das Restaurant am See, obwohl die Pacht noch nie erhöht wurde. Boyens führt die Gemeinde wie ein Wirtschaftsbetrieb. Die Finanzen müssen unter Kontrolle bleiben, man muss bei Begehrlichkeiten auch mal „Nein“ sagen, lautet sein Credo.

 Zu gerne würde er diese Linie auch im Schulverband durchsetzen. Doch da hat das hochverschuldete Bad Bramstedt ein gewichtiges Wort. Die Stadt bezahlt 70 Prozent der Schulverbandsumlage. Boyens ist im Verband Finanzausschussvorsitzender. „Ohne mich wäre der Schulverband noch viel höher verschuldet“, ist er sich sicher.

 Der heute 65-Jährige liebt das klare Wort. „Konfliktscheu bin ich nicht, als Unternehmer darf man das auch nicht sein.“ Und so ziehen sich auch zahlreiche Konflikte durch seine Amtszeit. Nach zwei Amtsperioden opponierten die Landwirte in der CDU, wollten einen eigenen Kandidaten auf dem Bürgermeisterstuhl. Boyens trat aus der Partei aus. „Keine 24 Stunden später riefen Bürger bei mir an: Mach deine eigene Wählergemeinschaft auf, bleib Bürgermeister“, erinnert er sich - und so kam es auch. Die Wählergemeinschaft holte auf Anhieb die absolute Mehrheit.

 2008 gab es bei drei Fraktionen und einem Überhangmandats einen Patt in der Gemeindevertretung. Boyens Gegner boten ihm an, zwei Jahre im Amt zu bleiben, dann solle er gehen. Das Dorfoberhaupt ließ sich darauf nicht ein, seine Gegner gaben klein bei. Und bei der nächsten Wahl traten dann nur noch CDU und Boyens Wählergemeinschaft an. Der Bürgermeister sitzt seitdem fester im Sattel als je zuvor.

 Doch ewig will er das nicht mehr: „Zur nächsten Kommunalwahl trete ich nicht mehr an. Dann wird es Zeit für jüngere Leute.“ Manche Amtskollegen seien ja erst Bürgermeister geworden, als sie Rentner wurden. „Ich finde das nicht gut, man sollte schon mitten im Leben stehen, wenn man dieses Amt hat.“

 Beruflich hat Boyens schon einen Gang zurückgeschaltet. Tochter Swantje Boyens und Schwiegersohn Daniel Christ sind in die Unternehmensleitung eingestiegen. Der Senior-Chef und seine Frau Carola kommen nur noch halbtags. Ausgelastet ist er aber trotzdem. Neben seinem Bürgermeisteramt ist er auch ehrenamtlicher Präsident des Unternehmensverbandes Logistik Schleswig-Holstein. Fit hält er sich mit Tennis, auch die Jagd liegt ihm am Herzen. Zudem ist er Nebenerwerbslandwirt: „Ich halte Ammenkühe auf meiner Hauskoppel.“ Und die sieben Enkel seiner drei Töchter wollen ihren Opa auch mal sehen.

 Beruflich kann Boyens ebenfalls eine Erfolgsgeschichte erzählen. Geboren wurde er in Boostedt, sein Vater war Kraftfahrer und übernahm von seinem Arbeitgeber in Weddelbrook einen Lkw. Die Familie zog 1959 in das Dorf bei Bad Bramstedt. Nachdem Peter Boyens 1980 den Betrieb übernommen hatte, wurde es rasch zu eng auf dem Betriebsgelände neben der Grundschule. Die Spedition zog an den Dorfrand, wo Boyens 6000 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung stehen, und ein Hof, auf dem alle 45 Lastzüge der Spedition Platz finden. Hauptsächlich Lebensmittel und Pflanzen transportieren die Lkw.

 In den verbleibenden zwei Jahren will Boyens eventuell noch einen kleinen Bauhof im Dorf errichten. Bisher stellt er für die Gerätschaften der Gemeinde seine Hallen zur Verfügung. Das wird dann nicht mehr gehen. „Ich habe meinem Nachfolger ein gutes Feld bereitet“, sagt Boyens, „um die Zukunft des Dorfes habe ich keine Angst.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige