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Staatsanwalt fordert fast vier Jahre Haft

Rocker-Schießerei Staatsanwalt fordert fast vier Jahre Haft

Es war eine Schießerei unter Rockern. Das Opfer ist erwerbsunfähig. Jetzt wurden die Plädoyers gehalten. Der angeklagte Hells Angels blieb derweil in Thailand. Ob ein Haftbefehl ihn zurückbringt, ist fraglich.

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Ein Mitglied der verbotenen Kieler Hells Angels steht vor Gericht.

Quelle: Franziska Kraufmann/dpa

Kiel/Kaltenkirchen. Wegen der Schießerei vor der Kaltenkirchener Therme mit einem Schwerverletzten hat die Staatsanwaltschaft für einen 42-jährigen Rocker drei Jahre und zehn Monate Haft gefordert. Das Mitglied der inzwischen verbotenen Kieler Hells Angels habe die Schüsse vor fast sieben Jahren als Racheakt in Auftrag gegeben, sagte der Ankläger am Dienstag vor dem Kieler Landgericht. „Er hatte die Planungshoheit.“ Damit habe er sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. In das beantragte Strafmaß sei eine frühere Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung einbezogen. Die Verteidigung forderte Freispruch. Es gebe „keinerlei eindeutige Beweise für eine Tatbeteiligung“. Das Urteil soll am 23. Dezember verkündet werden.

Eine Kugel zertrümmerte den Oberschenkel des Mannes, der „aus dem Dunstkreis der späteren Bandidos“ stammen soll. Ihm droht noch immer die Amputation des Beines. Er ist erwerbsunfähig. Als Nebenkläger fordert er 80 000 Euro Schmerzensgeld sowie monatlich 150 Euro Rente. Sein Anwalt beantragte fünf Jahre Haft für den mutmaßlichen Auftraggeber der Tat.

Der Angeklagte selbst blieb auch am elften Verhandlungstag dem Verfahren fern. Deshalb beantragte der Staatsanwalt Haftbefehl. Der Rocker soll inzwischen in Thailand eine zweite Ehe geschlossen haben. Dabei ist er bereits mit jener jungen Frau verheiratet, die das Opfer in den Hinterhalt lockte — nach Auffassung des Staatsanwalts um zu verhindern, dass sie gegen ihn aussagte. Er nahm auch ihren Namen an.

Die damals 19-Jährige ist bereits rechtskräftig wegen Beihilfe zur Körperverletzung verurteilt. Sie soll im Auftrag des Angeklagten über das Internet mit dem Opfer angebandelt und den Mann in den hintersten Winkel des Parkplatzes vor der Therme gefahren haben. Dort lauerten die maskierten Angreifer, deren Identität bis heute nicht geklärt ist.

Die Hells Angels und die ebenfalls inzwischen verbotenen Bandidos in Neumünster hatten sich bis zu ihrem Verbot eine blutige Fehde geliefert. Dabei wollten sie mit Gewalt und Angst ihre Macht- und Gebietsansprüche durchsetzen, wie der Staatsanwalt sagte.

Auch zwischen dem Angeklagten und dem Opfer habe sich spätestens seit 2007 eine blutige Feindschaft entwickelt. An deren Beginn soll der Angeklagte dem Opfer den Kiefer gebrochen und dessen Bruder ihn dafür niedergestochen haben. 2008 wurde der 42-Jährige dann ein zweites Mal bei einer Schlägerei zwischen Hells Angels und späteren Bandidos vor dem Kieler Amtsgericht niedergestochen.

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