15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Wie die Autobahn, nur für Radler

Pläne im Kreis Segeberg Wie die Autobahn, nur für Radler

Radfahren ist in Mode. Bebensee wurde Bundessieger im Stadtradeln. Gerade erst schuf der Kreis Segeberg einen Radverkehrsbeauftragten samt Beirat. Jetzt gibt es einen weiteren Schub: Der Kreis prüft den Bau eines Radschnellweges an der A7-Westachse. Eventuell gibt es vom Bund sogar Zuschüsse.

Voriger Artikel
Hilfe im Alltag: Ämterlotse gesucht
Nächster Artikel
Gute Stimmung bei Lichterfest

Der Radschnellweg Ruhr in Nordrhein-Westfalen ist weitgehend kreuzungsfrei, hat breite Fahrbahnen für jede Richtung, wird ausgeleuchtet und durch den Winterdienst frei von Eis und Schnee gehalten. Deshalb sei RS1 Vorbild für weitere Radschnellwegprojekte in Deutschland, meint der Regionalverband Ruhr.

Quelle: Peter Obenaus, Köln

Kreis Segeberg. Die Radlertrasse könnte zehn Kilometer weit von Hamburg-Langenhorn über Norderstedt bis nach Henstedt-Ulzburg führen, später vielleicht weiter bis Kaltenkirchen, Bad Bramstedt und Neumünster. Der Radschnellweg soll vor allem Schülern und Berufspendlern einen schnellen Weg zu Schulen und Arbeitsplätzen ermöglichen. Außerdem würden Bahnstationen besser erreichbar.

 Die erste Hürde ist genommen. Es gibt ein großes Potenzial an Nutzern für diese Strecke, stellte eine interne Analyse der Metropolregion Hamburg fest. Verkehrsplaner der Technischen Universität Hamburg hatten das Gutachten für Korridore im Raum Hamburg erstellt.

 Als nächster Schritt ist eine Machbarkeitsstudie geplant. Sie prüft für die Segeberger und einige andere favorisierte Routen in Hamburgs Umland die konkreten Streckenverläufe, wie teuer sie würden und ob der Nutzen groß genug ist.

 Die Studie für Segeberg würde den Kreis 100000 Euro kosten. 80 Prozent wird wohl der Förderfonds Nord der Metropolregion Hamburg übernehmen. 20000 Euro blieben beim Kreis hängen. Norderstedt und Henstedt-Ulzburg sollen sich aber beteiligen.

 Der Kreisumweltausschuss als das erste Kreistagsgremium in der Beratungsreihe stimmte einmütig zu, freute sich Vorsitzender Arne Hansen (Grüne). Ebenso über die Ankündigung des Bundes, 2017 ein Förderprogramm für Planung und für den späteren Bau von Radschnellwegen aufzulegen. „Der Bau des Weges ist sehr realistisch“, sagt Hansen, der Kreispolitikern anbot, eine Fahrt nach Kopenhagen zu organisieren, wo es solche Radwege schon gibt.

 Über den Antrag Segebergs würde der Lenkungsausschuss der Metropolregion Mitte 2017 entscheiden. Als Projektleiter, auch für die anderen Radrouten im Umland, ist der Kreis Pinneberg vorgesehen.

 Einen Radschnellweg an der Westachse hatte gerade erst Jens Daberkow gefordert, Leiter der Ortsgruppe Henstedt-Ulzburg im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Er hatte sogar schon eine konkrete Trassenführung vorgeschlagen. Auch Arne Hansen ist optimistisch. Ein Teil der Strecke könnte an der AKN entlang führen.

 Segebergs Kreisradverkehrsbeauftragter Joachim Brunkhorst ist ebenfalls angetan von den Plänen. „Es führt nichts daran vorbei, das Radwegenetz zu entwickeln.“ Der dicht besiedelte Hamburger Rand wachse weiter, und viele Straßen seien durch den Autoverkehr an ihrer Leistungsgrenze. Außerdem verursachen Radler weniger Lärm als Autofahrer. „Allerdings ist im Planungsbereich das Radwegenetz schon recht gut ausgebaut“, erklärt Brunkhorst, „ein zusätzlicher Radschnellweg dürfte keine so erheblichen Zeitgewinne erbringen.“

 Der neue Radschnellweg soll keine anderen Trassen queren, und falls doch, der Radler Vorfahrt genießen. Am besten sei etwa eine Ampel mit Infrarotschaltung, schlägt Brunkhorst vor. Belag der Fahrbahn und die Breite seien noch nicht festgelegt. „Die Straßenverkehrsordnung gibt nichts vor.“

 „Man wird sich sicher an den Radschnellwegen in Nordrhein-Westfalen orientieren“, vermutet der Radverkehrsbeauftragte. Als Paradebeispiel gilt der 100 Kilometer lange Radschnellweg Ruhr RS1. Er ist in Teilen fertig und liegt vielerorts auf früheren Bahntrassen. Seine Merkmale: Mindestens vier Meter breit, mit widerstandsarmem Belag asphaltiert, weitgehend ausgeleuchtet, gut markiert und ausgeschildert, wenig Steigungen, gesäumt von Rast- und Servicestationen, nutzbar auch für Pedelec-Fahrer, mit Winterdienst. Bis 2020 soll der RS1 fertig sein und rund 184 Millionen Euro gekostet haben, also rund 1,8 Millionen Euro pro Kilometer. Teuer sind besonders die Brückenbauwerke und Unterführungen. In Göttingen kostete ein innerstädtischer Radschnellweg dagegen nur rund 400000 Euro pro Kilometer.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3