25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Frauen auf der Flucht

Interkulturelle Woche Frauen auf der Flucht

Frauen sind bei den Flüchtlingen in der Minderzahl. „Schon auf der Flucht sind sie oft von Menschenhandel und Gewalt bedroht“, erklärte Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat in ihrem Vortrag im Bürgersaal des Rathauses. Kommen sie in Deutschland an, haben sie nicht selten schreckliche Dinge erlebt, über die sie noch nicht einmal reden können.

Voriger Artikel
Flüchtlingsfest kam bestens an
Nächster Artikel
Andrang im kleinsten Gotteshaus

Leeza Lorenz (links) und Amel Issa berichteten im Bürgersaal von ihrem Schicksal als Flüchtlingsfrauen.

Bad Segeberg. Die Situation von Frauen auf der Flucht, im Asyl und im Integrationsprozess stand innerhalb der Interkulturellen Woche im Blickpunkt. Zum Thema „Flucht - Asyl - Migration“ hörten rund 30 Besucher im Rathaus zunächst die Vorträge von Andrea Dallek und dem Migrationsbeauftragten des Jobcenters, Matthias Hoge. Danach diskutierte ein Podium, auf dem auch zwei ehemalige Flüchtlingsfrauen saßen, unter der Moderation von Hülya Altun.

 Während Andrea Dallek die Situation der Frauen aus Syrien, dem Iran und Irak, aus Afghanistan, Eritrea, Sudan, Mazedonien, Serbien und dem Kosovo auf der Flucht und in den Aufnahmeeinrichtungen schilderte, erzählte Hoge von seinem Bemühen, Asylbewerberinnen auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln. Nach den Gefahren, denen Frauen in ihren Heimatländern und auf der Flucht ausgeliefert waren, hätten sie in Deutschland oft mit der schwierigen Unterbringung in den Aufnahmeeinrichtungen zu kämpfen und mit kulturellen Hürden. Bevor der massive Flüchtlingsstrom einsetzte, wurde in den Lagern noch darauf geachtet, dass Frauen separat untergebracht werden. Das geht jetzt nicht mehr.

 Auch bei der Bewältigung der Traumata, etwa im Gespräch mit Helfern, müssten Frauen aufpassen, was sie sagen. „Wenn eine muslimische Frau zum Beispiel zugibt, dass sie auf der Flucht vergewaltigt wurde, dann muss der Ehemann sie nach herrschendem islamischen Recht verstoßen.“ Es sei schon vorgekommen, dass Protokolle solcher Schilderungen den Ehemännern vorgelegt worden sind – mit fatalen Folgen für die Frauen.

 Matthias Hoge betreut nach eigenen Angaben zurzeit rund 120 Menschen in der Arbeitsvermittlung. Viele der Frauen über 25 Jahre sind gut ausgebildet und waren in den Heimatländern beispielsweise als Apothekerinnen oder Lehrerinnen tätig. „Doch diese Ausbildungen werden hier nicht anerkannt“, sagt Matthias Hoge. Zudem gebe es bei muslimischen Frauen kulturelle Probleme, die bei Vorstellungsgesprächen negativ ins Gewicht fallen. Schon das Kopftuch werde oft nicht im Beruf akzeptiert und auch, dass Muslima einem Mann nicht die Hand geben oder ihm in die Augen schauen, seien Hinderungsgründe für europäische Arbeitgeber.

 Dass Integration funktionieren kann, bewiesen Leeza Lorenz, die einst aus dem Irak floh, und Amel Issa, die vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland kam. Leeza Lorenz erzählte die Geschichte ihrer Flucht im Jahr 1991. Als Elfjährige kam sie mit Mutter und zwei Geschwistern nach Deutschland und lebt seit langem in Bad Segeberg. Nach Schule, Studium und Ausbildung arbeitet die 35-Jährige heute in der Kreisverwaltung und betreut Flüchtlingshelfer. „Ich bin sehr gut integriert und glücklich hier“, erklärte die Mutter dreier Kinder.

 Amel Issa erzählte, dass sie vor zwei Jahren aus Syrien geflohen ist. „Ich mache Deutschkurse und hoffe, dass meine vier Kinder bald zu mir kommen.“

 In der Podiumsdikussion, an der neben den Referenten und den beiden Frauen auch Lehrerin Anke Martens von der Schule am Burgfeld, wo sie Deutsch als Zweitsprache unterrichtet, Wiebke Wilken von der Kreisverwaltung und Gisela Dell vom Migrationsbüro der Diakonie teilnahmen, kristallisierten sich schnell die noch zu lösenden Probleme heraus: freie Fahrt für den Besuch der Deutschkurse, eine Kinderbetreuung (damit Frauen die Kurse besuchen können), mehr Wohnungen, Dolmetscher und Angebote extra für Mädchen und Frauen, die ihnen bei der Integration in den deutschen Alltag helfen. pks

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Events: Segeberg

Veranstaltungen in
Segeberg. Aktuelle
Termine, News, Infos

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3