25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Polizei schnappt Sprayer

Bad Segeberg Polizei schnappt Sprayer

Ein spektakulärer Coup ist der Bad Segeberger Polizei gelungen: Auf einen Schlag hat sie neun junge Sprayer erwischt – und über 150 Farbschmierereien aufgeklärt. Laut Polizeisprecherin Sandra Mohr sind die Täter im Alter von 15 bis 18 Jahren geständig. Der Sachschaden liege bei über 50000 Euro.

Voriger Artikel
„Es war ein super Fest“
Nächster Artikel
Nächster Halt: Idylle

An der Großen Seestraße finden sich mehrere gesprühte Hinterlassenschaften der jetzt geschnappten Täter.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. „Seit Mai 2014 stieg die Anzahl von Sachbeschädigungen durch Graffiti in Bad Segeberg und Wahlstedt sprunghaft an“, schildert Sandra Mohr. „Insbesondere Anfang 2015 wurden in der Innenstadt von Bad Segeberg zahlreiche Fassaden von Geschäften in der Fußgängerzone besprüht oder mit wasserfesten Markern beschmiert.“ Besonders gemein: Auch bunt verzierte Stromkästen, eine Aktion der beiden örtlichen Gymnasien, wurden überschmiert.

 Die Täter waren zwischen Mai 2014 und Mai 2015 in unregelmäßigen Abständen durch Bad Segeberg gezogen und hatten auf Hauswänden und anderen Objekten ihre „Tags“ hinterlassen – verschnörkelte Symbole, die in der illegalen Sprayer-Szene quasi als Unterschrift dienen. Mit Politik hatten die Schmierfinken hingegen nichts am Hut, denn sie hinterließen weder linke noch rechte „Botschaften“.

 Die Polizei war den Schmierern intensiv auf der Spur. In Bad Segeberg fanden sich jede Menge Tags, aber auch in Wahlstedt, Bornhöved und Geschendorf erkannten die Experten so manch gesprühten Kringel wieder.

 Der Durchbruch gelang den Beamten im Februar. Sie konnten zwei mutmaßliche Täter ermitteln, die Toiletten im Berufsbildungszentrum (BBZ) beschmiert hatten. „Im Rahmen der weiteren Ermittlungen konnten Erkenntnisse zu sechs weiteren männlichen und einer weiblichen Tatverdächtigen gewonnen werden“, berichtet Sandra Mohr. Die Polizei durchsuchte auf Beschluss des Kieler Amtsgerichts deren Wohnungen in Wahlstedt, Klein Rönnau und Bad Segeberg und stellte „aufschlussreiches Beweismaterial“ sicher.

 Wie sich in den Vernehmungen herausstellte, waren die Jugendlichen nie in voller Stärke, sondern in kleinen Gruppen mit je zwei oder drei Mitgliedern losgezogen. Meistens „nach dem Feiern“, wie sie bei der Polizei einräumten. Oft standen sie, wenn sie die Sprühflaschen zückten, unter dem Einfluss von Drogen wie Cannabis und Amphetaminen.

 Einem Strafverfahren vor Gericht können sie wegen ihres jugendlichen Alters entkommen – aber nur unter strengen Auflagen der Staatsanwaltschaft Kiel. „Spätestens bis zum Ende der Sommerferien müssen sie gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten“, erklärt Sandra Mohr. Zumeist seien es 50 Stunden, unter anderem beim Bauhof der Stadt Bad Segeberg. Wer also demnächst junge Leute mit missmutigem Gesichtsausdruck in öffentlichen Beeten hocken sieht, kann sich seinen Teil dazu denken.

 Außerdem ist laut Polizeisprecherin Sandra Mohr ein Schadensausgleich mit den Opfern der Taten anzustreben. Das heißt: Die jugendlichen Schmierfinken müssen sich bei den Eigentümern der Gebäude persönlich entschuldigen. „Wer dies erledigt, kann mit einer Einstellung seines Verfahrens nach dem Jugendgerichtsgesetz rechnen“, sagt Sandra Mohr. „Der Schadensausgleich ist dann Sache zwischen den Geschädigten und den Tätern.“

 Einer der jungen Männer hat diese sogenannte Diversionsmaßnahme der Staatsanwaltschaft jedoch abgebrochen und sich nicht bei den Geschädigten gemeldet. Er sieht nun einer regulären Anklage beim Bad Segeberger Amtsgericht entgegen.

 Die Polizei hofft, dass dieser „Warnschuss“ der Justiz bei der Jugendlichen fruchtet und langfristig dafür sorgt, dass sie nicht erneut auf die schiefe Bahn geraten. Laut Sandra Mohr ist jedoch klar: Im Wiederholungsfall kommen die Sprayer nicht noch einmal so glimpflich davon. Sie müssen dann mit einem Jugendarrest oder einer Bewährungsstrafe rechnen.

 Einen mahnenden Hinweis richtet die Polizei an die Opfer von Schmier-Attacken. „Nur wer eine Anzeige erstattet hat, kann auf einen Schadensausgleich hoffen“, betont Sandra Mohr. „Grundsätzlich sollte jede Tat zeitnah angezeigt werden. Mit diesem Aufklärungserfolg konnten sogar nachträglich Taten aufgeklärt werden, die vor fast einem Jahr angezeigt worden waren.“ Es sei also falsch zu glauben, eine Anzeige bringe sowieso nichts. Sandra Mohr: „Zu bislang nicht angezeigten Altfällen gestaltet sich ein nachträgliches Bearbeiten jedoch schwierig.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3