22 ° / 10 ° Gewitter

Navigation:
Zeugenaussagen ohne Beweiswert

Prozess um angebliche Vergewaltigung Zeugenaussagen ohne Beweiswert

Die Anklage im Prozess um eine vermeintliche Vergewaltigung im Norderstedter Schwimmbad Arriba bröckelt: Auch die Vernehmung des zweiten vorgeblichen Opfers (18) am Mittwoch konnte den Vorwurf der „sexuellen Nötigung in einem besonders schweren Fall“ nicht untermauern.

Voriger Artikel
Bad Segeberg bewegt
Nächster Artikel
Gelbe Lampen: Streit geht weiter

Im Prozess um eine angebliche Vergewaltigung in einem Norderstedter Schwimmbad sind die Aussagen der beiden Hauptbelastungszeuginnen nach Einschätzung des Gerichts nicht verwertbar.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Norderstedt. Ihrer Aussage komme „kein Beweiswert“ zu, so die Vorsitzende Richterin Claudia Naumann.

Zuvor war bereits die Aussage der anderen Hauptbelastungszeugin (14) als nicht verwertbar eingestuft worden, sie hat ihre Nebenklage mittlerweile zurückgezogen. Beschuldigt werden zwei 14 und 34 Jahre alte Flüchtlinge. Ihnen wird vorgeworfen, die 14-Jährige Ende Februar im Rutschenbereich des Erlebnisbads vergewaltigt zu haben. Bereits nach dem ersten Verhandlungstag waren die Haftbefehle gegen die Afghanen „mangels dringendem Tatverdacht“ aufgehoben worden.

Die Ausführungen der 18-Jährigen seien „nicht konsistent und in wesentlichen Punkten abweichend“ gewesen, sagte der Verteidiger Jacob Schwieger am Rande des Prozesses. Die Frau leidet nach Aussage ihrer Anwältin an dem Borderline-Syndrom und hat bereits traumatische sexuelle Erfahrungen machen müssen. Sie sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Nach Ansicht des Juristen sind die Vergewaltigungsvorwürfe damit vom Tisch. Er bestätigte jedoch, dass sein Mandant eingeräumt habe, die 18-Jährige auf die Hüfte geküsst zu haben. Das müsse aber keine Straftat sein.

Zuvor hatten bereits drei Bad-Mitarbeiter übereinstimmend ausgesagt, dass die beiden Frauen von sexuellen Übergriffen berichtet hatten und emotional aufgewühlt waren. Ob sie eine Vergewaltigung im juristischen Sinn beschrieben, blieb unklar.

"Offensichtlich lügende Zeugin"

Schon zum Prozessauftakt Ende August hatten sich Probleme mit der Glaubwürdigkeit der Mädchen abgezeichnet. Schwieger sprach damals von einer „offensichtlich lügenden Zeugin“. Die 14-Jährige habe bereits sechs nahezu identische Anzeigen gegen weitere Männer erhoben, die alle ohne strafrechtliches Ergebnis blieben.

Die Verteidiger warfen der Staatsanwaltschaft schwere Fehler vor. Schon nach der ersten polizeilichen Vernehmung der 14-Jährigen hätte klar sein müssen, dass die Vergewaltigungsvorwürfe nicht stimmen. „Die Aussage war meiner Meinung nach abstrus“, sagte Schwieger.

Suad Omanovic, Verteidiger des 14-jährigen Angeklagten, sagte: „Es wäre nach Auffassung der Verteidigung Aufgabe der Ermittlungsbehörde gewesen, frühzeitig ein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen.“ Er gehe fest davon aus, dass sein Mandant freigesprochen werde.

Der Fall hatte im Frühjahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Viele Medien berichteten ausführlich und stellten – rund zwei Monate nach den Silvester-Ereignissen in Köln und Hamburg – einen Zusammenhang zur Debatte über einen Anstieg sexuell motivierter Kriminalität durch Flüchtlinge her.

Das Arriba stellte anschließend auf einer Pressekonferenz ein neues Sicherheitskonzept mit zusätzlichen Überwachungskameras und weiteren – zum Teil getarnten – Sicherheitsmitarbeitern vor.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3