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Lernen, was früher verboten war

Radfahrkurs in Bad Segeberg Lernen, was früher verboten war

Seit Anfang November treffen sich acht Flüchtlingsfrauen jeden Montagabend zum Unterricht. Sie lernen etwas, was für Menschen hierzulande in aller Regel seit der Kindheit selbstverständlich ist: Radfahren. Theorie steht in der Turenhalle der Traveschule in Bad Segeberg ebenso auf dem Programm wie die Praxis.

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Oreioldo Hoxhalli, Rawan Naggar, Saral Janbaz, Mina und Sadaf Haschemi (von rechts) hatten Spaß bei den Fahrübungen in der Turnhalle.

Quelle: Patricia König

Bad Segeberg. Schon als kleine Kinder beginnen Mädchen und Jungen damit, so die Welt zu erkunden. Allerdings lässt sich an der Geschichte des Zweirades und seiner Nutzung auch die der Gleichberechtigung von Mann und Frau erzählen. Galt es doch auch in Europa für Frauen lange Zeit als unschicklich, sich auf diese Weise fortzubewegen. Erst vor rund hundert Jahren wagten sich die ersten Damen in England und Deutschland aufs Zweirad. In Afghanistan und Syrien beispielsweise ist es für Frauen bis heute verboten, es ihnen gleich zu tun.

 „Das macht so einen Spaß“, freut sich Rawan Naggar, die ursprünglich aus Syrien stammt und strahlend Runde um Runde in der Turnhalle der Traveschule an der Burgfeldstraße dreht. „In Afghanistan hätten wir nie mit dem Fahrrad fahren dürfen“, berichten Sadaf (29) und Mina Haschemi (36) sowie Saral Janbaz (12). Das habe politische Gründe, aber natürlich auch gesellschaftliche. Doch hier in Deutschland sei das kein Problem mehr, erzählen sie, auch die Ehemänner und die Familien würden das Projekt gutheißen, an dem sie nun teilnehmen.

 Oreioldo Hoxhalli kommt aus Albanien. Dort gebe es schon Frauen, die mit dem Zweirad unterwegs sind, erzählt sie. Doch die 23-Jährige hat erst nach ihrer Flucht in Deutschland damit begonnen. Die fünf Migrantinnen aus der Südstadt sind zusammen mit weiteren drei Frauen Teilnehmerinnen eines Angebots unter der Überschrift „Frauen für die Südstadt“, das Gleichstellungsbeauftragte Beate Mönkedieck ins Leben gerufen hat. Im Rahmen des Programms „Soziale Südstadt“ hatte Mönkedieck nach ihrer Idee, Frauen das Radeln beizubringen, damit sie mobiler und selbständiger werden, Kooperationspartner gewinnen können - darunter die Kreisverkehrswacht als Trägerin, die Traveschule, die Migrationsberatung der Diakonie, das Quartiersmanagement der Südstadt und weitere Mitstreiterinnen. Gefördert wird der Kurs über den Verfügungsfonds der „Sozialen Stadt“.

 Um sie kümmerten sich neben Mönkedieck unter anderem Sabine Heins, Rabea Koch, Tina Stahl und Edda Runge. Zudem mussten Fahrräder besorgt und umgerüstet werden. „Denn für den Hallenboden müssen die Räder eine helle Bereifung und umklappbare Pedalen haben“, erklärt Beate Mönkedieck. Zum Teil wurden die Zweiräder gespendet oder kamen aus dem städtischen Fundbüro.

 An jedem Abend stand zunächst die Theorie mit Ex-Polizist Harald Poppe von der Kreisverkehrswacht auf dem Plan. „Dazu gehören Verkehrsregeln, Verkehrsschilder und Grundwissen über das Zweirad“, erläutert er. Ehrenamtliche Helferinnen betreuten derweil die Kinder, und nach dem theoretischen Teil wechselte die Gruppe dann mit Poppe, Birgit Lehmann und Waltraud Borchert von der Kreisverkehrswacht in die Turnhalle. „Manche der Frauen hatten noch nie auf einem Rad gesessen“, erzählt Harald Poppe. Mit vielen Gleichgewichts- und Fahrübungen sowie gutem Zureden sind nun vier Frauen schon wirklich sicher auf dem Rad. Die anderen werden wohl auch im zweiten Kurs ab Februar weiter üben. Denn das Projekt geht in die zweite Runde. „Ich habe schon Anfragen aus Bad Segeberg und dem Umland“, freut sich Beate Mönkedieck.

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