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Ein Kinofilm über Plan B

Rickling Ein Kinofilm über Plan B

Eine Berliner Regisseurin mit Segeberger Wurzeln hat mit drei Frauen aus dem Psychiatrischen Krankenhaus in Rickling einen Film gedreht. Mit Geschichten über den Weg aus einer psychischen Krise soll er anderen helfen. „Plan B“ läuft dreimal im Bad Segeberger Kino.

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Heike Korthals (links) und Manu B. (rechts) spielen in dem Film „Plan B – Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ der Berliner Regisseurin Andrea Rothenburg mit.

Quelle: Andrea Hartmann

Kreis Segeberg. Eine Frau intoniert mit sonorer Stimme ein Lied darüber, was passiert, wenn sie einen Stein ins Wasser wirft. Die Stelle, an der er ins Wasser fiel, schlägt Wellen. Die können ein Ausbreiten ins Ungewisse bedeuten, aber auch zu neuen Ufern führen.

 So fängt der Film „Plan B – Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ an. Die Frau mit der tiefen, festen Stimme hatte lange Zeit keinen Halt im Leben. Heike Korthals litt unter Psychosen, manchmal so schlimm, dass sie mehrmals in die geschlossene Abteilung des Psychiatrischen Krankenhauses in Rickling kam. Sie ist eine von drei Protagonistinnen, die in dem Film der Berliner Regisseurin Andrea Rothenburg ihre Geschichte erzählen. Ab Donnerstag, 15. Oktober, ist das 90 Minuten lange Werk dreimal in Bad Segeberg zu sehen.

 „Der Film soll Mut machen. Er soll gute Gefühle hinterlassen. Und er soll zeigen, wie drei Frauen es geschafft haben, aus ihren psychischen Krisen etwas für sich mitzunehmen“, sagt Regisseurin Rothenburg über ihren vierten Langfilm aus dem Bereich Psychiatrie. Neben Heike Korthals hatten Manu B. und Maike Nordmann den Mut, ihre Geschichten zu schildern. Die Frauen, die mittlerweile in der Mitte ihres Lebens stehen, sind schwere Wege gegangen.

 Heike Korthals, heute wieder berufstätig, wurde als junge Mutter zweier Kinder krank. Ihre Psychosen zogen ihr den Boden unter den Füßen weg. „Ich war krank von dieser Welt mit all ihren negativen Aspekten“, sagt sie. Schlimmer noch: „Ich war nicht mehr in der Lage, meinen kleinen Kindern die Welt zu erklären. Ich sah in die großen Kinderaugen und wusste nicht, was ich ihnen sagen sollte.“

 Die Welt von Manu B. brach zusammen, als sie in einer Klinik von einem Pfleger betäubt und dann missbraucht wurde. Alles war danach weg: ihr altes Leben, ihre Ehe, ihr Freundeskreis. Lange hat sie gebraucht, um ins Leben zurückzukehren. „Jetzt kann ich sogar schon wieder allein Auto fahren, kann mal allein ins Einkaufszentrum gehen“, schildert sie. Sonst sei sie ständig an der Seite ihres Mannes, den sie nach dem traumatischen Erlebnis kennenlernte. Er ist daher auch Gast in Rothenburgs Film.

 Maike Nordmann, die bei der Kurzvorstellung des Films im Psychiatrischen Krankenhaus in Rickling nicht dabei sein konnte, litt schon früh an Depressionen. „Das Deprimierende an meiner Kindheit war das Gefühl, dass ich nicht per se liebenswert bin“, sagt sie beinahe trocken im Film – ein Satz, der sehr erschüttert, lässt er doch ahnen, wie schwer der Weg aus dem Seelentief für diese Frau ist.

 Eines haben alle drei Schicksale gemeinsam: Sie zeigen, wie vielschichtig und damit schwer zu fassen psychische Krankheiten sind – oft ebenfalls für die Angehörigen. So auch für die Familie von Heike Korthals: „Viele können damit nicht umgehen. Wer psychisch krank ist, ist verrückt. So denken immer noch viele Menschen.“

 Auch darum ist dieser Film wichtig, findet Nikolas Kahlke, Leitender Chefarzt des Psychiatrischen Krankenhauses in Rickling. Das Medium Kinofilm könne den Patienten helfen, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten, und auch Ärzten und Therapeuten neue Wege aufzeigen, sagte Kahlke. „Psychotherapie ist darauf angewiesen, von Betroffenen zu lernen.“

 Am Donnerstag, 15. Oktober, wird der Film nach seiner Uraufführung in Berlin im Bad Segeberger Kino Cineplanet5 gezeigt (Beginn: 20 Uhr). Anschließend wollen Heike Korthals, Manu B., Nikolas Kahlke, Andrea Rothenburg und ihr Vater Dr. Ernstjürgen Rothenburg, Psychiater im Ruhestand, mit den Zuschauern über den Film diskutieren. Vielleicht kann er manchen Menschen sogar Vorurteile nehmen, hofft Heike Korthals: „Ich wünsche mir, dass ihn auch Leute sehen, die psychische Krankheiten veräppeln.“

 Der ersten Vorführung in Bad Segeberg am 15. Oktober folgen zwei weitere im Cineplanet5. Am Freitag, 16. Oktober, läuft „Plan B – Aus der psychischen Krise zum persönlichen Gewinn“ ebenfalls ab 20 Uhr mit Diskussion und am Mittwoch, 21. Oktober, ab 17 Uhr ohne Diskussion. Der Eintritt kostet jeweils 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.

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