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Trauer in anderem Rahmen

Rickling Trauer in anderem Rahmen

Weil die Feuerwehr den Eindruck hatte, dass ihr Äußeres mit Helm und Ledergürtel bei den Feiern am Volkstrauertag unerwünscht sei, zog sie sich zurück. Ein breites Spektrum an Vertretern von Parteien über den Sozialverband bis zum Seniorenbeirat dagegen beging den Gedenktag mit Gottesdienst.

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Vertreter von Vereinen und anderen Institutionen aus Rickling stellten Laternen mit Kerzen vor das Mahnmal für die Opfer der beiden Weltkriege.

Quelle: Detlef Dreessen

Rickling. Noch vor wenigen Tagen hatte es so ausgesehen, als werde sich die Feuerwehr an den Feierlichkeiten beteiligen, berichtete Bürgermeister Christian Thomann. Neben Vertretern anderer Institutionen sollte auch ein Feuerwehrmann im Gottesdienst eine „Kerze der Erinnerung“ anzünden.

 Doch schon beim Betreten der Kirche fiel den Gottesdienstbesuchern auf: kein Mann in der Uniform der Brandschützer zu erkennen. Gleichwohl gelang ein bewegender Gottesdienst. Von den Seitenemporen hingen Banner mit den Namen gefallener Ricklinger und umgebrachter Patienten des Landesvereins. Diakon Hartmut Kühl und Pastor Martin Rühe predigten gemeinsam zum Thema „Gottesbilder, die dem Frieden dienen“. Der Chor sang unter Leitung von Kirchenmusiker Enno Gröhn Lieder, die den Frieden thematisierten. Gemeinsam wurde ein Glaubensbekenntnis des von Nationalsozialisten hingerichteten Pastors Dietrich Bonhoeffer gesprochen. Nachdem Kühl ein Friedensgedicht des kürzlich verstorbenen Musikers Leonard Cohen vorgelesen hatte, zogen rund 50 Menschen mit Kerzen und einem Kranz zum Ehrenhain.

 Dass auch dort keine Ehrenwache der Feuerwehr zu sehen war, bedauerten einige Teilnehmer. „Das wundert mich. Ein bisschen hat das gefehlt“, fand Günther Papke, langjähriger Sprecher der Vertriebenen im Kreis Segeberg. Uniformen hätten ihn nicht gestört. „Wir gedenken doch auch der Soldaten.“ Auch Uwe Milbrandt, Leiter des Plattdütsch Vereen, fand das Fernbleiben der Wehr „bedauerlich“. Trotzdem – so fanden beide – sei der erste Versuch, den Volkstrauertrag mit neuen Formen zu beleben, gelungen.

 Einigkeit demonstrierten Andrea Wagner Schöttke (SPD) und Keno Jantzen (CDU), die gemeinsam mit Bürgermeister Christian Thomann (ABR) einen Kranz der Gemeinde am Mahnmal für die Gefallenen niederlegten. „Es muss gesellschaftliche Verpflichtung sein, an die Katastrophe und den Weg dorthin zu erinnern“, sagte Thomann. Anschließend wurden die Kerzen aufgestellt. „Jede für eine Opfergruppe“, sagte Kühl, und zählte neben den Soldaten auch Sinti und Roma, jüdische Mitbürger, christliche und politische Widerstandskämpfer, junge Leute wie die Geschwister Scholl und andere auf.

 Zufrieden zeigte sich Kühl mit den Veranstaltungen einer Woche des Gedenkens, die eine Vorbereitungsgruppe erstmals organisiert hatte, um den Volkstrauertag zu beleben. Zur Filmvorführung samt Ausstellung über den Hitler-Attentäter Georg Elser seien rund 50 Besucher gekommen, die Vortragsveranstaltung im Landesverein hätten mehr als 70 Menschen besucht. „Die Woche sprach alle unterschiedlichen Schichten des Dorfes an.“

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