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Wenn die Psyche im Beruf leidet

Rickling Wenn die Psyche im Beruf leidet

Wie sich Rückenschmerzen in ein Suchtproblem verwandeln, wie Chatten den Lehrabschluss kaputt macht oder was man tun kann, wenn der Kollege nichts mehr schafft – solche Fragen beschäftigten 160 Teilnehmer einer Fortbildung, zu der die Leitstelle Suchtgefahren der Staatskanzlei eingeladen hatte.

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Dr. Clemens Veltrup, Leitender Psychologe an der Fachklinik Freudenholm, berichtete, wie aus Rückenschmerzen eine Suchtmittelabhängigkeit werden kann.

Quelle: Detlef Dreessen

Rickling. Soll man einem Kollegen, der oft über Rückenschmerzen klagt, laufend Mitleid bezeugen? Bloß nicht, warnte Dr. Clemens Veltrup, Leitender Psychologe an der Fachklinik Freudenholm, in einer Veranstaltung im Fichtenhofsaal des Landesvereins für Innere Mission in Rickling.

 Schon seit Jahren finden solche Treffen mit betrieblichen Suchthelfern aus Landesverwaltung und großen Handwerksbetrieben statt. Doch derzeit sei die Nachfrage besonders groß, sagte Natalie Syring von der Leitstelle Suchtgefahren. Die Betriebe brauchen jede Fachkraft, und zwar gesund. Dass jemand wegen Krankheit vorzeitig in den Ruhestand geht oder längere Ausfallzeiten hat, könne sich niemand mehr leisten. Aus demselben Grund seien Betriebe interessiert, ihre Mitarbeiter nach Krankheitszeiten erfolgreich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern.

 Gleichzeitig seien die Ansprüche an die Berufstätigen immer mehr gestiegen, so Syring. Stichwort: Arbeitsverdichtung. Die erholsame Pause, also zwischendurch mal den Schreibtischstuhl zu verlassen oder mit den Kollegen im freundschaftlichen Gespräch ein paar Meter zu gehen, all das wird seltener in einer immer hektischeren Welt.

 Ein Problem, mit dem Ausbilder zunehmend konfrontiert werden, sei die Belastung junger Menschen durch Computerspiele und soziale Medien, berichtete Ralf Tönnies, Leitender Therapeut der Fachkliniken Nordfriesland. Während junge Männer vornehmlich Spiele spielen, die sie so in ihren Bann ziehen, dass sie nach durchgezockten Nächten im Betrieb nicht mehr aufnahmefähig sind, stehen junge Frauen durch Chatrooms im Stress, die sie laufend beschicken, um nicht ausgeschlossen zu sein. In solchen Fällen gibt es nur eines: ein klares Verbot von Smartphones am Arbeitsplatz. „Wie beim Alkohol“, sagte Tönnies.

 Ausbilder, Kollegen und Unternehmern, die merken, dass bei einem Mitarbeiter etwas nicht stimmt, können sich mittlerweile in einem gut geknüpften Netzwerk Hilfe holen, sagte Klaus Leuchter vom Handwerker-Fonds Suchtkrankheit e.V. Leuchter ist Ansprechpartner für Handwerksbetriebe.

 „Große Firmen haben geschulte Mitarbeiter in Personalabteilungen, aber im Drei-Mann-Betrieb ist es nicht leicht, etwas anzusprechen“, sagte Leuchter. Dann ist er Ansprechpartner und vermittelt gegebenenfalls an andere Fachleute weiter wie Dr. Clemens Veltrup. Der schilderte in seinem Vortrag, was neue Untersuchungen mit Gehirnscans zum Thema Mitleid herausgefunden haben. Bei der Verletzung eines Fingers zum Beispiel schwindet das Schmerzempfinden, sobald jemand Anteil nimmt. Rückenschmerzen jedoch würden durch Mitleid verstärkt. Zudem bestehe die Gefahr, bei Rückenschmerzen zu Medikamenten zu greifen, die abhängig machen oder schädliche Auswirkungen auf die Psyche haben. So könnten aus harmlosen Rückenschmerzen mit der Zeit extreme Selbstzweifel entstehen, die zu Depressionen und letztlich Berufsunfähigkeit führen.

 Betroffen seien viele Berufsgruppen von psychischen Belastungen, sagte Magdalena Peinecke, Betriebsärztin im Ministerium für Schule und Berufsbildung. Auch unter Landwirten nehme die Zahl suizidaler Tendenzen zu.

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