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Schüler als Huren und Diebe

Rohlstorf Schüler als Huren und Diebe

Die trauen sich was! Als Huren und Diebe, als Bettler und Erpresser treten die Jugendlichen auf. Sie bringen Szenen von Liebe und Eifersucht, Verrat und Korruption auf die Bühne. Und dazu singen sie auch noch.

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Justus Müller (v.l.), Martje Majowski, Theresa Fink und Simon Schulz Ayecke proben eine Szene aus der Dreigroschenoper.

Quelle: Petra Stöver

Rohlstorf. Schüler der Annette von Rantzau Gemeinschaftsschule proben zurzeit „Die Dreigroschenoper“, das Theaterstück von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill. Am 11. Juli ist Premiere auf Schloss Rohlstorf. Die Kulissen dazu entstanden in Kooperation mit einer Daz-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Bad Segeberg.

 Während es für die Daz-Schüler, die aus Afghanistan, Irak, Syrien und Armenien kommen, um Spracherwerb durch handwerklichen Unterricht geht, setzen sich die Rohlstorfer Schüler gesellschaftskritisch mit der Doppelmoral in dem Stück auseinander. Für beide Seiten ein Experiment, das geglückt ist und auch noch Spaß gemacht hat.

 Dass sie „mit einer Aufführung belohnt werden“, gab Ole Püschmann, Malermeister und Fachlehrer am BBZ, durchaus den Anreiz, die Anfrage der Rohlstorfer Schulleitung positiv zu beantworten. Seine zehnköpfige Gruppe zwischen 17 und 24 Jahren war rund 80 Stunden mit dem Bau der Kulissen beschäftigt und „mit unheimlicher Disziplin dabei“. Dass sie bei ihrer Arbeit so gut Deutsch lernen, liege an seinen Lehrkräften, die „mit Herzblut“ den Spracherwerb der Schüler zu ihrer Sache gemacht hätten, lobte BBZ-Leiter Heinz Sandbrink.

 Die Rohlstorfer Schüler wurden erst nach einer Bewerbung mit anschließendem Casting ausgewählt. Insgesamt 25 Neunt- und Zehntklässler aus dem Gestalten-Kursus unter Leitung der Regisseurin Gisela Rohde-Bay sind beteiligt. Die singenden Schauspieler müssten mutig sein, sagte Justus Müller (16). „Es geht nicht darum, singen zu können, das kann man im Lauf der Proben ja noch lernen, sondern sich wirklich zu trauen, auf der Bühne zu singen.“

 Dass er sich traut, zeigte Simon Schulz-Ayecke (15) gemeinsam mit dem technisch-musikalischen Leiter Torsten Schermer. Ihr Anspiel mit dem „Kanonen“-Song erntete Beifall. Sie sangen und sprachen zu der Musik, die der Pianist Esteban Ravanal für die Proben aufgezeichnet hatte. Mit eigenen Instrumenten dürfen die Schüler sich nicht begleiten, haben Weills Nachlassverwalter festgelegt.

 Um es mit Brecht zu sagen: Belehrung und Unterhaltung stehen auf einem Kriegsfuß miteinander.

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