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Unfall nicht zu den Akten gelegt

Rohlstorf Unfall nicht zu den Akten gelegt

Ein gerichtliches Nachspiel könnte der spektakuläre Verkehrsunfall bei Rohlstorf vom August 2014 haben. Damals war während der Löscharbeiten an einem Unfallwagen dessen Gastank explodiert. Ein Fachanwalt, der die Witwe des getöteten Fahrers und die zehn verletzten Feuerwehrleute vertritt, wird möglicherweise klagen.

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Im August 2014 fuhr ein Mann bei Rohlstorf mit einem Auto gegen einen Baum. Der Wagen fing Feuer, der Gastank explodierte. Der Fahrer starb, zehn Feuerwehrleute wurden verletzt.

Quelle: Archiv

Rohlstorf. Ein Fall, den Experten immer für ausgeschlossen gehalten hatten. Der Fahrer starb, zehn Feuerwehrleute wurden verletzt. Neue Gutachten und die Begleitumstände lassen den Fall in einem dubiosen Licht erscheinen.

 Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte den Fall zu den Akten gelegt, bestätigt Pressesprecher Michael Bimler. Zunächst sei ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden. Das sei üblich, wenn Menschen wie in diesem Fall eines nicht natürlichen Todes sterben.

 Mit dem Gutachten habe die Staatsanwaltschaft die Dekra beauftragt, sagt Bimler. Das Unternehmen habe Sachkenntnis und Fachleute, sei ein üblicher Ansprechpartner in solchen Dingen. Dass es die selbe Firma war, die mit einem anderen Betriebszweig nur einen Tag vor dem rätselhaften Unfall die Hauptuntersuchung am Pkw durchgeführt hatte, sei Zufall, sagt Bimler. Er räumt ein, dass das einen komischen Eindruck hinterlassen könne.

 Beim Autoprüftermin einen Tag vor dem Unfall habe die Dekra am Wagen zwar „Mängel festgestellt“, bestätigt Bimler Informationen der SZ. Die Gummilagerung am Querlenker war beschädigt, die Feder an einer Achse gebrochen, die Zulässigkeit der Räder nicht nachgewiesen. Die Mängel hätten aber eine Stilllegung des Wagen nicht erforderlich gemacht. Das gehe aus dem späteren Dekra-Gutachten zum Unfall hervor. Auch hätten die Mängel am Wagen in keinem Zusammenhang mit dem Gastank gestanden, der später explodiert ist. Insgesamt, so Bimler, habe es „keine Hinweise auf ein instabiles Fahrverhalten“ des Pkw gegeben.

 Zur weiteren Absicherung hatte die Staatsanwaltschaft auch das Bundesinstitut für Materialforschung den Fall untersuchen lassen. Nach dessen Erkenntnis hatte das Ventil des Gastanks versagt.

 Insgesamt sei es für die Staatsanwaltschaft schwer, Unfälle wie diese zu rekonstruieren, weil vom Wagen nicht mehr viel übrig war, sagt Bimler. Es habe am Ende keinen Anlass für die Staatsanwaltschaft gegeben, ein Strafermittlungsverfahren zu eröffnen. Das Todesermittlungsverfahren wurde im Februar 2015 eingestellt.

 Diese offizielle Sicht zweifelt der Bundesverband Freie Gastankstellen, der sich als Verbraucherschutzverband für alternative Kraftstoffe und Antriebe sieht, schon seit langem an. Das Gutachten der Dekra sei falsch, ein Ermittlungsverfahren notwendig. „Die Gastankexplosion war eben nicht auf ein verstopftes Multiventil der Marke BRC Europa I zurückzuführen“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes. Das Auto habe „schwere Mängel“ gehabt. Bei Fahrzeugen mit nachgerüsteten Gasfahrzeugen liege ohnehin vieles im Argen.

 Ein schwieriger Fall, sagt Rechtsanwalt Rainer Bopp aus München. Er vertritt die zehn Feuerwehrleute und die Witwe des Fahrers. Bopp ist spezialisiert auf Sachmängelrecht, die Kanzlei auf Kfz-Themen.

 Bopp wälzte die offiziellen Akten. Ein medizinisches Gutachten konnte nicht klären, ob der Fahrer durch den Unfall oder erst bei der Gastankexplosion starb. Zur Explosion gibt es mittlerweile drei Gutachten. Eines sagt nach Bopps Darstellung, die Bauteile seien nicht aufeinander abgestimmt und die Gasanlage dementsprechend mangelhaft gewesen. Das Problem laut Bopp: „Dies muss nicht die Ursache für die Explosion gewesen sein.“ Es sei schwierig zu beantworten, ob der Fehler schon bei den Herstellern lag oder beim einbauenden Betrieb. Auch die Unfallursache sei unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft schlössen Selbstmord aus. In Frage kämen: Fahrfehler, gesundheitliche Gründe wie Herzinfarkt, Ausweichmanöver oder technische Ursachen. Bopp: „Das Unfallbild lässt keine eindeutigen Rückschlüsse zu.“

 Der Anwalt sieht zwei Alternativen: die Sache auf sich beruhen lassen oder „Angriff“. Das heißt für ihn: Klage. Als Beklagte in Frage kämen der Gastankhersteller, der Einbaubetrieb oder die Prüfgesellschaft. Die Entscheidung überlässt Bopp seinen Mandanten. Er schreibt sie in diesen Tagen an.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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