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Erste Flüchtlinge im Ex-Gasthof

Rohlstorf/Warder Erste Flüchtlinge im Ex-Gasthof

Monate hatten die Vorbereitungen gedauert. Gestern Vormittag sind die ersten Flüchtlinge aus Afghanistan in den ehemaligen Gasthof am See in Warder eingezogen, den der Kreis afghanischen Vorbesitzern abgekauft hatte.

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Sieben afghanische Flüchtlinge begrüßten gestern Hausleiterin Susanne Neitemeier und Übersetzer Wahde Al Dakhel Allah. Nach anfänglicher Zustimmung beim Fotografieren baten die asylsuchenden Frauen später darum,doch unkenntlich gemacht zu werden.

Quelle: Gerrit Sponholz

Rohlstorf. Die DRK-Betreuungsdienste werden die maximal 88 Bewohner im Auftrag des Kreises versorgen, unterstützt von 65 ehrenamtlichen Helfern.

 Fünf Kinder zwischen zehn und 15 Jahren sind ohne Eltern gekommen. Wo diese sind, ist bislang nicht bekannt, sagt Hausleiterin Susanne Neitemeier. Begleitet wurden die Kinder von einem Mann und einer Frau, vermutlich Verwandte. Gemeinsam mit Übersetzer Wahde Al Dakhel Allah begrüßte Neitemeier die Gruppe am Eingang des ehemaligen Bettenhauses, das jetzt „Sonnenhaus“ heißt. Das Hauptgebäude wurde in „Haus am See“ umbenannt.

 Da eines der Mädchen auch Englisch spricht, gelang die Kommunikation sofort. In einem Begrüßungszimmer wurde die Gruppe willkommen geheißen, Fakten und Papiere ausgetauscht und die Zimmerbelegung mitgeteilt.

 DRK und Helfer haben ein umfangreiches Programm für die neuen Bewohner zusammengestellt. Für die Kinder werden zunächst Plätze in Kitas und Schulen gesucht. Im evangelischen Kindergarten nebenan sind drei Plätze frei. Und in der Grundschule im Nachbarort Quaal hat Neitemeier auch schon angefragt.

 Einmal pro Woche tagt eine Hausversammlung. Dort wird anfangs über die Grundlagen gesprochen, erklärt Neitemeier: Hausordnung, DRK-Fahrdienst nach Bad Segeberg, Behördengänge, Arztbesuche. Und auch, dass auf Pünktlichkeit und Sauberkeit Wert gelegt wird. Die Zimmer und das Haus werden die Asylbewerber selbst sauber halten. Auch den Wäschedienst organisieren sie selbst. Dessen Leiter oder Leiterin darf sich, rechtlich erlaubt, 1,05 Euro pro Stunde als Taschengeld hinzuverdienen.

 Deutsch lehren ehrenamtliche Helfer in drei Gruppen. Hierfür hat die evangelische Kirchengemeinde schon 50 Sprachbücher gespendet. Zwei Mal in der Woche werden Putzmittel ausgegeben. Am Mittwoch kommt die Migrationssozialberatung der Diakonie ins Haus und berät zum Asylverfahren. Vorbereitet haben der DRK-Betreuungsdienst und der Helferkreis auch schon eine Nähstube mit Stoffen und Nähmaschinen. Der Aufenthaltsraum wurde frisch gestrichen, ein Sofa besorgt, schöne Schilder gebastelt. Außerdem wird es Fahrrad -und Möbelwerkstätten, Garten und Begegnungscafé geben. Mehrere Fahrräder wurden schon gestiftet. Nach einem eigens organisierten Fahrkursus dürfen die Asylbewerber allein in die Pedalen treten. Neitemeier würde sich freuen, wenn noch mehr Räder gespendet würden. Sie können werktags abgegeben werden.

 Mit Freude blickt Neitemeier der Aufgabe entgegen, bei der Integration zu helfen und eine gute Gastgeberin sein. Die 50-Jährige hatte zuvor für die AWO ein gemeinnütziges Hotel in Travemünde geleitet, danach eine Flüchtlings-Erstaufnahmeeinrichtung in Ostholstein.

 Heute sollen in Warder weitere zehn Flüchtlinge aus dem Irak einziehen, am Freitag eine Rollstuhlfahrerin mit Tochter und Sohn, ebenfalls aus dem Irak.

 Im ersten Quartal sind dem Kreis 994 neue Asylbewerber zugewiesen worden. 150 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2015, sagt Rolf Meenen, Leiter der Kreisausländerbehörde. Für 2016 rechnet Meenen mit 4000 neuen Flüchtlingen, die das Land zuweist. Sie werden zunächst in den Kreisunterkünften in Schackendorf (100 Plätze) und Warder (88) untergebracht, später an Ämter und Städte weiterverteilt.

 Unruhe gab es in Rohlstorf auch, weil angeblich am Sonntag nahe der Flüchtlingsunterkunft, dem ehemaligen Gasthof am See, Molotow-Cocktails gefunden wurden. Die Benzinbomben können Feuer entfachen, wurden bereits bei Anschlägen auf andere Asylquartiere genutzt. Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz in Kiel. Ein Pressesprecher bestätigt, „in der Umgebung“ seien Glasscherben und Brandflecken auf Gras gefunden worden, aber „das können auch Grillflecken sein“. Die Beweismittel würden untersucht. „Wir nehmen die Sache ernst.“ Nach Informationen der Segeberger Zeitung lag der Fundort wohl einen Kilometer vom Gasthof entfernt am Weg nach Quaal.

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Gerrit Sponholz
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