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Helfer warten auf Flüchtlinge

Rohlstorf-Warder Helfer warten auf Flüchtlinge

Für die bis zu 88 Asylbewerber, die ab dieser Woche in dem ehemaligen Gasthof am See in Warder eine vorübergehende Bleibe finden, haben sich 60 Bürger gefunden, die unterstützen wollen. Mit Dajana Kuhn (33) stellte die Gemeinde sogar eine „Ehrenamtskoordinatorin“ mit einem 450-Euro-Job ein. Ob und wie viele Flüchtlinge kommen werden, ist ungewiss.

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Dajana Kuhn wurde von der Gemeinde Rohlstorf engagiert, um den Helferkreis mit 60 Bürgern zu führen. In diesen Tagen sollen im Bettenhaus des früheren Gasthofs am See in Warder die ersten Asylbewerber einziehen. Das Gebäude gehört dem Kreis. Das Haus leitet das DRK.

Quelle: Gerrit Sponholz

Rohlstorf. In dieser Woche will der Kreis den Betrieb aufnehmen. Er hatte die Immobilie mit Hauptgebäude und Bettenhaus für 1,33 Millionen Euro gekauft und zum Jahreswechsel übernommen. Danach musste noch ein Zaun zum Wardersee hin gebaut werden. Auch etliche Innenarbeiten waren und sind nötig. Die DRK-Betreuungsdienste werden im Auftrag des Kreises das Haus führen. Vier Mitarbeiter sind geplant. Hausleiterin wird Susanne Neitemeier sein.

 Ab Mitte März soll schrittweise das Haus belegt werden, sagt Kreispressesprecher Gernot Schramm. Wie viele einziehen, ob Einzelpersonen oder Familie, „wird zu gegebener Zeit kurzfristig entschieden“. Dies richte sich nach dem Flüchtlingskontingent, das das Land dem Kreis zuweise. Der Strom nach Schleswig-Holstein war zuletzt abgebbt. Entscheidend sei auch, wie die Belegungssituation bei den Ämtern und Städten sei, sagt Schramm. An diese gibt der Kreis die Asylbewerber nach einigen Monaten in den Kreisgemeinschaftsunterkünften letzten Endes weiter. Der Kreis wolle aber auch seine frisch sanierte andere Gemeinschaftsunterkunft bei Schackendorf voll belegen. Sie bietet ähnlich viel Platz wie das neue Quartier in Warder.

 Bis Mitte März hatte das Land dem Kreis Segeberg 487 neue Asylbewerber zugewiesen, darunter 318 männliche Flüchtlinge. In der Gesamtgruppe befinden sich 179 Kinder und Jugendliche. Sie werden vom Kreisjugendamt gesondert betreut, etwa in Pflegefamilien oder Facheinrichtungen für junge Menschen.

 Die Helfer in Rohlstorf zumindest sind für den Zuzug gewappnet. „Alle wollen loslegen“, sagt Dajana Kuhn, „wir sind voller Schwung.“ Geplant sind vielerlei Hilfen. So sollen die Flüchtlinge bei Behördengängen begleitet werden, damit sie sich gut zurechtfinden. Eine Fahrradwerkstatt ist ebenso vorgesehen wie ein Begegnungscafé.

 Dajana Kuhn hat schon Erfahrungen in der Betreuung von Flüchtlingen sammeln können. Sie begleitet bereits zwei Migrantenfamilien in der Gemeinde. „Sie stammen aus dem Irak und aus Syrien.“ Kuhn kommt zu Hilfe, dass sie bereits enge Kontakte zu den entsprechenden Behördenmitarbeiter geknüpft hat.

 Was ihr noch ein wenig Sorgen bereitet, sind die offiziellen Betreuungsstrukturen, die – verständlicherweise – noch in den Kinderschuhen stecken würden. Und dass die Grundausstattung für die Flüchtlinge etwas dünn sei. Zwar stehen Bett, Schrank und Bettwäsche zur Verfügung. Aber es fehlen noch Gegenstände des Haushalts, und auch Kleidungsstücke. Wichtig sei auch, schnell Sprachkurse zu organisieren.

 Kuhn ist aber frohen Mutes. Sie freut die breite Unterstützung aus der Bevölkerung.

 Das war nicht immer durchgängig so. Vor einigen Monaten hatte noch eine breite Protestwolle das Dorf erfasst. Viele Bürger fühlten sich schlecht informiert und waren in Sorge gewesen, dass der Kreis möglicherweise weit über hundert Asylbewerber einquartiert. Nach dem Kauf des Gasthofes durch den Kreis war einem geplanten Bürgerentscheid aber rechtlich der Boden entzogen. Seitdem ist weitgehend Frieden eingekehrt.

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Gerrit Sponholz
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