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Nötigung: Paar aus Wohnung geworfen

Hausverwalter verurteilt Nötigung: Paar aus Wohnung geworfen

Sie lagen noch im Bett und träumten von einem besseren Leben in Deutschland, als plötzlich zwei fremde Männer in ihrem Zimmer standen, um das rumänische Paar aus ihrer Wohnung in Bad Bramstedt zu schmeißen. Geschickt wurden die Männer von einem Mann, der jetzt wegen Nötigung verurteilt wurde.

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Wegen Nötigung im Amtsgericht Neumünster verurteilt: Hausverwalter G. ließ rumänisches Ehepaar aus Mietwohnung schmeißen.

Quelle: Uli Deck

Bad Bramstedt. Das Amtsgericht Neumünster verurteilte den Geschäftsführer einer Henstedt-Ulzburger Hausverwaltungs- und Immobilienfirma am Montag wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 3500 Euro.

Dem 69-jährigen G. wurde vorgeworfen, zwei Männer beauftragt zu haben, das rumänische Paar am Morgen des 26. Oktobers 2016 aus ihrem möblierten Zimmer im Strietkamp 23 in Bad Bramstedt – ehemals Pension Zobel – zu werfen. Am Folgetag ließ er das Paar einen Aufhebungsvertrag über das Mietverhältnis unterzeichnen und erstattete ihnen die Kaution in Höhe von 200 Euro. Die Rumänen hatten knapp zwei Monate zuvor einen Mietvertrag für das Zimmer unterschrieben und zahlten 500 Euro Miete für den ersten Monat. Als sie im Oktober zwei Wochen mit der Miete im Rückstand waren, hatte es ein Gespräch mit G. gegeben, in dem sich beide Parteien darauf einigten, dass die Miete spätestens in zwei Wochen bezahlt werden soll. Falls nicht, würde das Paar freiwillig wieder ausziehen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Der Verwalter ließ das Paar schon vor Ablauf der Frist von zwei Handlangern unter Drohungen aus dem Zimmer werfen.

Drei Zeugen gehört

Das Gericht hörte zu diesem Vorfall drei Zeugen: den Polizeibeamten, der die Anzeige der Geschädigten aufnahm und das Paar selbst. Die Rumänen sprechen kein Deutsch, weshalb ein Dolmetscher für beide übersetzte. Die Frau berichtete von dem Morgen, an dem sie und ihr Lebensgefährte innerhalb weniger Minuten obdachlos wurden

Das rumänische Paar ging nach dem Vorfall zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Der Beamte, der auch als Zeuge geladen war, habe damals den Vermieter angerufen, um ihn von dem Vorfall zu berichten. „Er war nicht überrascht von dem Rausschmiss, es war ihm eher gleichgültig. Er wusste auf jeden Fall, dass das Paar nicht mehr in der Wohnung ist“, erinnerte sich der Beamte an das Telefonat. Eine wichtige Aussage, denn G. gab vor Gericht an, nichts über die zwei Männer und den rechtswidrigen Rauswurf zu wissen. In Auftrag habe er das nicht gegeben, sagte er, fügte aber hinzu: „Ich bin ganz ehrlich, ich habe es als Geschenk betrachtet.“ Er sei froh gewesen, dass das Paar nicht mehr dort wohnte: „Wenn man in dieser Branche arbeitet und mit diesem Publikum zu tun hat, ist man nicht immer glücklich damit.“ Am nächsten Tag habe er sich mit dem Paar in der Wohnung getroffen, weil sie dort noch Wertsachen hatten. Die konnten sie mitnehmen, dann hätten sie die Kündigung unterschrieben und die Quittung über die 200 Euro Kaution. Für G. war die Sache damit erledigt, dachte er.

Aufhebungsvertrag nichtig

Doch weder die Staatsanwältin noch die Richterin konnten dem Angeklagten den Unwissenden abnehmen. „Ich sehe den Tatvorwurf der Nötigung als begründet an“, sagte Richterin Theresa Wiese bei ihrer Urteilsverkündung. Da die Mieter unter einer Drohkulisse aus der Wohnung befördert wurden, sei der Aufhebungsvertrag „kein Vertrag unter gleichberechtigten Vertragspartnern“ gewesen. „Der Beschuldigte hat sich die Situation zunutze gemacht und sich nicht um die Rechte der Mieter gekümmert.“ Sie, die Richterin, sei überzeugt, dass G. die Unwahrheit über die zwei Männer gesagt hat. „Es gibt niemand anderen, der ein Motiv haben könnte, die Mieter vor die Tür zu setzen.“ Außerdem habe sie bei dem Angeklagten kein Unrechtsbewusstsein entdecken können. „Hier wurden Menschen, die sich nicht wehren können, vor die Tür gesetzt.“ Es sei wichtig, dass Vorfälle dieser Art sanktioniert werden.

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