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Mit 100 noch erstaunlich fit

Runder Geburtstag Mit 100 noch erstaunlich fit

Sie war ein echtes bayerisches Maderl – aber inzwischen ist sie längst eine norddeutsche Deern: Berta Rosenfeldt genießt ein langes und erfülltes Leben. Heute feiert die rüstige Seniorin ihren 100. Geburtstag.

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Berta Rosenfeldt wird heute in Bad Segeberg 100 Jahre alt.

Quelle: Andreas Wicht

Bad Segeberg. Ihren verschmitzten Humor hat sie sich auch in schweren Zeiten bewahrt: „Alles ist vergänglich. Nur der Kuhschwanz, der bleibt länglich.“

 Deutschland hatte noch einen Kaiser und steckte mitten im Ersten Weltkrieg, als Berta Rosenfeldt im August des Jahres 1916 geboren wurde. In der Nähe von Freising wuchs sie mit 18 Geschwistern auf – von denen 16 älter waren als sie. Die Eltern bewirtschafteten einen Bauernhof mit allem, was dazugehört: von Kühen über Schweinen bis hin zu Hühnern und Gänsen. Auch der Anbau von Obst und Gemüse gehörte dazu – und in einer Zeit, in der an moderne Landmaschinen nicht zu denken war, war die tägliche Arbeit hart. Dass die Kinder mit anpackten, war selbstverständlich.

 Nach Ende der Schulzeit zog die junge Berta zu einem ihrer Brüder nach Sachsen. Ihr Ziel war, eine Ausbildung zur Näherin zu machen. Sie landete schließlich aber wieder auf einem Bauernhof und war für das Melken der Kühe zuständig. Dafür erhielt sie 30 Reichsmark im Jahr (!), bekam aber freie Kost und Logis.

 Die tatkräftige Frau entpuppte sich als wahres Multitalent: Wurstmachen, Garbenaufstellen nach der Getreideernte, das Versorgen des Federviehs, das Herstellen von Butter und das Brotbacken – all das ging ihr gut von der Hand. „Nur das frühe Aufstehen ist mir immer schwer gefallen“, schildert sie lächelnd. Mehrfach wechselte sie die Stellung – und die Bauern ließen die tüchtige Mitarbeiterin nur ungern gehen.

 Als sie den jungen Walter Rosenfeldt traf, war es um ihr Herz geschehen. Er wurde die Liebe ihres Lebens; mit ihm zog sie in seine Heimat Schleswig-Holstein. Sie freute sich, selbst Kinder zu haben. „Aber nicht so viele wie meine Mutter.“ Es wurden drei Töchter geboren. Schon immer hat sie Kinder gern zum Strahlen gebracht – zum Beispiel mit einem verschenkten Bonbon. Das wissen auch ihre beiden Urenkel zu schätzen.

 Auch der Tod ihres Mannes nach rund 50 Ehejahren ließ sie nicht am Leben zweifeln. „Jeder Tag wird so genommen wie er kommt“, sagt sie mit ihrem charmanten bayerischen Tonfall, den sie sich bis heute bewahrt hat.

 Seit zwei Jahren wohnt sie nun im Azurit Seniorenzentrum Eichenhof in Bad Segeberg – und ist für ihre 100 Jahre noch immer erstaunlich fit. Mit ihrer Gehhilfe, die sie liebevoll „Knüppel“ nennt, angelt sie auch schon mal bei der Bewegungsrunde einen Ball unter dem Stuhl hervor. Bei Tanzmittagen ist sie noch immer auf dem Parkett zu finden, wo sie gern ein Tänzchen wagt. Außerdem singt sie gerne gemeinsam mit ihren Mitbewohnern. Dass sie dabei manchmal einnickt, stört sie nicht. Sie quittiert es – wie so oft – mit einem fröhlichen Lächeln.

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